Kollektiver Widerstand ist möglich

Kollektiver Widerstand ist möglich
Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass zwischen der anfänglichen Blockadehaltung der Medien und der jetzigen Datenflut kein Widerspruch besteht. Big Data, das ist nicht nur Google, der liebe Feind, das sind die Medien höchstpersönlich auch. Bevor es Big Data gab, gab es die Manipulation durch die klassischen Medien. Nicht so effektiv, vermutlich, doch auf jeden Fall gewinn- und machtmaximierend. Keineswegs liegt es im Interesse dieser Medienmacht den Bürger ernsthaft zu wappnen. Wir erhalten den Eindruck, dass nichts dagegen unternommen werden kann. Und alles, was irgendwie apokalyptisch daherkommt, entwaffnet. Oder wir erhalten falsche Rezepte. Individuell können wir uns vermutlich kaum schützen. Doch kollektiv selbstverständlich. Und dieser kollektive Widerstand muss das Bewusstsein heben, nicht den Computer aufrüsten, oder abschaffen. Gesellschaftliche Verantwortung contra des Egoismus‘ des bürgerlichen Individuums. Selbstbestimmtes Leben erfordert die Organisierung desselbigen – mit den anderen.

faz.net/aktuell/feuilleton/wie-big-data-das-wahlgeheimnis-aushebelt-wir-wissen-wen-du-waehlen-wirst

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4 Kommentare

  1. tricky1
    Am 1. September 2013 um 11:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dass die Parteien in Deutschland „es schon wissen“ dürfte extrem übertrieben sein. Aber ein guter Teil des Wahlerfolges von Obama ist darauf zurückzuführen, dass er Computer geschickter einsetzte als sein Gegner.

    Big Brother hatte ja Glück, dass die böse Sache kurz vor der Sommerflaute bekannt wurde und jetzt in Deutschland aus naheliegenden Gründen nicht zum Wahlkampfthema gemacht wird.

    Ich würde allerdings hoffen, dass die EU sich des Themas annimmt, weil alle Mitglieder davon betroffen sind. Man müsste unbedingt wie bei chemischen Waffen zu einer internationalen Übereinkunft kommen, welche BigBrother in die Schranken weist.

  2. Am 2. September 2013 um 07:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Selbst wenn eine „internationale Übereinkunft“ geschlossen werden würde, glaube ich nicht, dass Big Data/Big Brother damit vom Tisch wäre. Und zwar nicht mal nur, weil die USA sich an keine Vereinbarung halten würden (dennoch: wer sollte sie daran hindern?), sondern, weil, und das ist der Tenor meiner obigen Kritik, der Prozess der Überleitung des Subjekts in einen „Datenträger“ vermutlich schon irreversibel geworden ist. Big Data ist in erster Linie ein ökonomisches und dann erst ein politisches Projekt. Die Spitzelaktivitäten des NSA gelten in erster Linie der Industriespionage. Und offensichtlich muss das die gesamte kapitalistische Welt akzeptieren. Ein solche Übereinkunft könnte daher die aktuellen Machtverhältnisse nicht ignorieren. Und wer gestern Abend das sog. Kanzlerduell gesehen hat, der konnte ein weiteres Mal erleben, was das bedeutet. So ist auch und gerade Steinbrück an der Stelle – in seiner forschen Kritik an der Merkel – zurückgerudert, wo er gefragt worden ist, ob er Snowden Asyl gewähren würde. Hätte er diese Frage mit Ja beantwortet, hätten die USA ihr „Veto“ gegen diesen Kandidaten eingelegt. Das Grinsen der Merkel an dieser Stelle war daher nicht nur ihrer Verlegenheit geschuldet. Sie wusste ganz genau, warum der Eiertanz eines Steinbrück an dieser Stelle offenkundig werden wird. Unbeschadet dessen, waren selbstredend ihre Antworten eine ebensolche Peinlichkeit. Noch immer will sie nicht wissen, dass die Emails – gleich woher und nach wohin auch immer – spätestens auf dem Weg über die USA (oder England/Irland) abgefischt werden. Aber vermutlich wäre das gar nicht nötig, denn der BND lieferte sie frei Haus. Kein bürgerlicher Politiker stellt den Machtanspruch der USA in Frage. Anhand dieser Thematik nicht und anhand keiner anderen.

  3. tricky1
    Am 2. September 2013 um 23:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Big Data sind macht sich ganz klar in zwei Bereichen unliebsam bemerkbar:

    a) Kommerzielle Datensammler die damit Geld verdienen wollen,
    b) Geheimdienstprogramme aller Nationen.

    Falls Sie Recht hätten dass diese Entwicklungen schon irreversibel sind, stehen uns mühsame Zeiten bevor, aber der Verlust dieser Schlacht würde zweifellos zu wirksamen Gegenbewegungen führen. Nur angedacht: Eine parallele Verbindungsstruktur in welcher Überwachung nicht möglich ist.

    Ich bin ja vielleicht zu naiv, aber welche konkreten Folgen hätte es, wenn Deutschland Snowden Asyl gewährt hätte? Ich bin überzeugt dass nach einem gründlichen Grollen nicht viel passieren könnte.

    Dass Frau Merkel bezüglich NSA in Deutschland nur den völlig nichtssagenden Satz bezüglich „flächendeckender“ Aktivität runterleierte fand ich den schwächsten Teil ihrer Argumentationen. Wenn mich da jemand überzeugend aufklären wollte welche Nachteile sie darin sah, zu sagen dass Sie nach der Wahl diese Frage gründlich abklären wolle wäre ich dankbar.

  4. Am 3. September 2013 um 11:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ein Kartell der Lüge und des Betruges
    Ich glaube, dass wir alle, einschließlich der revolutionären Linken, zu der ich mich ja zähle, die Abhängigkeit des Kapitals vom US-Kapital, unterschätzt haben. Wir haben wohl immer wieder von den Supermächten gesprochen, doch das für eine lediglich politische Kategorisierung gehalten. Und nach dem Ende der anderen Supermacht, der Sowjetunion, sah es auch eine Zeit lang so aus, als wäre diese Abhängigkeit veränderbar. Ich glaube besonders das deutsche Kapital auch unterlag da einem schrecklichen Irrtum. Um das zu begreifen sollten wir, wenigstens punktuell, wieder in Kategorien denken, wie wir sie mit dem Ende des 2. Weltkrieges für überholt gehalten haben mögen. Im Kontext der Wiedervereinigung Deutschlands sah es eine Weile so aus, als würde Großdeutschland wieder auferstehen.

    Doch spätestens mit dem Mord an Rohwedder und dann an Herrhausen, mit dem Wechsel in der Führungsschicht um die Treuhand, mit der Leunaaffäre, und in diesem gesamten Kontext auch mit der Entmachtung der Familie Strauß, und den vielen anderen ungeklärten Todesfällen (Barschel, Möllemann, den seltsamen Tod von Franz Josef Strauß inbegriffen), hätte uns allen zeigen sollen, dass hier gerade die markantesten Vertreter eines deutschnationalen (teilweise antisemitisch konnotierten) Kapitals abgewickelt werden.

    Und spätestens mit der Installation der Deutschen Bank – unter Führung Ackermanns – als Juniorpartner von Goldmann-Sachs war dieser Prozess abgeschlossen. Die Einführung des Euros schließlich, ebenfalls unter Federführung dieser Bank, machte die Abhängigkeit insbesondere des deutschen Kapitals irreversibel.

    Kein deutscher Politiker von Rang, und wie weit das geht, zeigt die Aufnahme Trittins in den Kreis der Bilderberger, kann sich eine Politik gegen die Interessen des US-Kapitals leisten. Daher unterscheide ich auch nicht zwischen den ökonomischen und den politischen Motiven bei Big Data. Das ist ja gerade der Witz, dass der BND vermutlich Daten abliefert, die nicht der „Terroristenbekämpfung“ dienen, sondern den ökonomischen Interessen des US-Kapitals. Antik gesprochen wären das „Tributleistungen“.

    Ackermann hat es bei Maybrit Illner auf den Punkt gebracht: „Sonst wäre es mir vielleicht auch so ergangen, wie Herrhausen.“ Die merkwürdigen Todesfälle zeigen, dass es hier nicht nur um die politische Karriere geht, sondern schlicht um die nackte physische Existenz.
    Diese Aussage mag als apodiktisch oder als Verschwörungstheorie denunziert werden: Die bürgerlichen Politiker fürchten um ihr Leben. Auch das geduldete Schweigen eines Helmut Kohls zur Parteispendenaffäre mag da ein Hinweis zu sein. Ich verglich die Macht dieses Kapitals vor einiger Zeit, da noch in der Kunstform, mit dem delphischen Orakel, wo ich schrieb:

    Ein Kartell der Lüge und des Betrugs, von bis dahin
    unvorstellbaren Maßen,
    vergleichbar heute nur, mit einem Verein aus
    CIA, CNN und VATIKAN –
    aus jener Werkstatt des „Intelligent Design“
    Was dem Manne sein Orakel

    Wie ernst das gemeint war, war mir vermutlich selbst nicht mal klar. Ich ahnte nur die Ironie dieser Parallele.
    Ich wage es nun zu behaupten, dass wir dagegen kaum etwas unternehmen können, es sei denn im Kontext eines gigantischen Weltgemetzels, eines Weltkrieges oder Weltbürgerkrieges.
    Der paranoid daher kommen wollende Sicherheitswahn des Kapitals, vorneweg des US-Kapitals, mag das als Ahnung vorwegnehmen.
    Ich hoffe nicht, dass uns solches noch bevorsteht, doch wüsste ich auch nicht, wie die Geschichte noch einmal ihren Lauf ändern sollte. Denn dies müsste sie, auch um der Selbstvernichtung als Spezies Mensch zu entgehen.

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