Arbeitszeit vs. „disposable time“

Arbeitszeit vs. „disposable time“
Dass die Debatte jetzt vermehrt aufkommt, hat einen ökonomischen Grund. Also weniger das boheminehaft scheinende „Recht auf Faulheit“ als vielmehr der Zwang zur Beschäftigungslosigkeit in der postindustriellen Gesellschaft (vgl. auch Jeremy Rifkin: Das Ende der Arbeit). Während sich die Arbeits- und Armutsverwaltungen noch bemühen, den „Zwang zur Selbstunterwerfung“ zu zelebrieren, zwingt uns die Krise des Kapitals doch längst zu tieferen Einsichten. Einsichten, die man früher schon hätte haben können, hätte man ernst genommen, was Karl Marx hierzu in den „Grundrissen“ (Marx-Engels-Werke, Dietzverlag, Bd. 42), unter dem Stichwort „Maschinenfragment“ skizziert hat. Doch es scheint uns so allmählich zu Bewusstsein zu kommen:

Der Austausch von lebendiger Arbeit gegen vergegenständlichte, d.h. das Setzen der gesellschaftlichen Arbeit in der Form des Gegensatzes von Kapital und Lohnarbeit – ist die letzte Entwicklung des Wertverhältnisses und der auf dem Wert beruhenden Produktion…Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren strebt, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt…Es ist dann keineswegs mehr die Arbeitszeit, sondern die disposable time das Maß des Reichtums.“ Kurzum: Das Kapital untergräbt (notwendigerweise) seine eigene Wirtschaftsweise.

zeit.de/karriere/2015-07/faulheit-recht-leistungszwang

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In Arbeit und Kapital, Krise des Kapitals, Wissenschaft & Philosophie veröffentlicht | Kommentieren