Eigentlich naiv

Eigentlich naiv
Die Ambivalenz des Schreibers ist unverkennbar. Ein wenig Empathie her, ein wenig mehr Schelte dort. Als Mitarbeiter eines Sozialamtes sehe ich diese „guten Mächte“ als die reine Bösartigkeit. Mittlerweile bin ich sehr verärgert, über das was ich da sehe. Und ich schäme mich, für das, was ich da studiert habe. Das ganze System beruht auf Willkür. Eine Willkür, die von oben, wenn nicht angeordnet, doch gedeckt wird. Nicht mal die Androhung mit einer Klage oder gar Einstweilige Verfügung beeindruckt dort noch irgendjemand. Die Überlastung der Sozialgerichte – allein im Kreis Bad Homburg werden etwa die Hälfte aller Bescheide angefochten – arbeitet dem systemischen Schlendrian entgegen. Erst mal wird eingestellt; und der Sachbearbeiter geht in Deckung. Sollen die Leute doch sehen, wie sie da wieder raus kommen. Das Verhalten, der hier beschriebenen Nazli, ist daher mehr als angemessen. Ja, gemessen an der Abgebrühtheit des Systems, muss man sie noch als unangemessen gutmütig bezeichnen. Als eigentlich naiv.

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In Arbeit und Kapital, Krise des Kapitals veröffentlicht | Kommentieren