Ziemlich nah am „Vorläuferuniversum“

Vorbemerkung, oder auch: Der Moment des Todes lässt uns vor der Unendlichkeit erschauern
Bei der Durchsicht eines unten verlinkten älteren Textes von mir, ist mir dann noch ein Leserkommentar zu dem kommentierten FAZ-Artikel untergekommen, den ich seinerzeit nicht bemerkt hatte und daher auch nicht mehr beantworten konnte. Im Kern wirft mir der Kommentator vor, dass ich hier nur leere pseudophilosophische Spekulation betreibe, um mich damit wichtig zu tun (man müsse nicht Philosoph sein um Mensch zu sein, so sein Spott). Nun, auch solche Frechheiten kann man fruchtbar machen, auch wenn sie nicht so gedacht waren. Was diesen Spötter allerdings angeht, habe ich den Eindruck, und den hab ich aus dem Studium seiner Kommentare wiederum, dass er sich gezielt Beiträge heraussucht, die es ihm wert erscheinen lassen, sich selber wiederum in Szene zu setzen.

Seine philosophische Referenz verrät auch das Motiv seines abwertenden Geschwätzes, denn ihm erscheint alles worüber er sich auslässt, nur „Spektakel“. So finde ich auch den dementsprechenden Hinweis, nämlich als Quelle seiner Inspiration, bei dem Anarchisten Guy Debord. Mit Anarchisten beschäftige ich mich in aller Regel nur am Rande, da sich ihre theoretischen Texte wenig für ernsthafte Diskurse bzw. bestenfalls zum Abwatschen eignen (man muss sie dennoch mögen, denn manchmal, speziell auf ihrem, dem Narzissmus geneigten Terrain, dem künstlerischen, bzw. kunsttheoretischen leisten sie hervorragendes); doch wo ich das tue, stoße ich immer und überall auf den ihnen typischen philosophischen Idealismus, was dem Narzissten natürlich schmeichelt, doch auch diesen am Marxisten reiben lässt. Ihr ganzer Sarkasmus ist eine nihilistisch-narzisstische Pöbelei vor allem gegen ihre in der Wissenschaft wie Theorie tätigen verhassten und geliebten „Zwillinge“. So selbstgefällig wie selbstgerecht. Genial-unfähig. Nun gut, damit kann ich leben. Ganz privatim.

Über Hegel oder auch Feuerbach scheinen sie nicht hinaus gekommen. Und Marx zitieren sie eigentlich nur da, wo sie glauben, ihn mit Nietzsche plündern oder mit Proudhon widerlegen zu können, und vice versa. Wer glaubt, dass vor der Materialität die Ideologie kommt, ist seinerseits nur ein Opfer seiner Ideologie. Die Welt sei nur ein Spektakel, unseren ideologischen Abgründen entsprungen!?
Wenn die narzisstische Selbstbespiegelung so gewisser Clowns ein Beleg für die Kunst ihres Spektakels ist, dann verneige ich mich vor dem – Künstler.

Doch was die von mir hier behandelte Thematik angeht, ist sie weit weg von der Bühne der Kunst und definitiv auch nicht nur meiner sicherlich auch nur bescheiden möglichen philosophischen Spekulation geschuldet. Dass der Kosmos mehr ist als das Ergebnis eines einzigen Urknalls (so wenig wie die Summe seiner Teile), ergibt sich dem logisch wie auch dialektisch denkenden Geist wohl auch, doch der Geist begegnet hier seinem Meister – der Materie.

So beobachte ich in den fachwissenschaftlichen Diskursen eine zaghafte Annäherung an diese „philosophische Spekulation“. Und wie der untenstehende Kommentar von mir zu erkennen glaubt, scheint auch die Forschung in diese Richtung zu gehen, wenn auch zögerlich tastend, blind gewissermaßen (ich verweise hier besonders auf den aktuellen Beitrag auf de.quora.com/Was-war-vor-dem-Urknall, von Wolfgang Geithner/wissenschaftlicher Mitarbeiter bei GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung 2013-aktuell), mit dem Rücken zur Dialektik, wie Engels mal spöttelte. (Ich denke, das aus der Lektüre seiner „Dialektik der Natur“ in Erinnerung zu haben, genial aber auch sein Satz in der Einleitung, welchen ich jetzt mal passender-, wie dankbarerweise zitieren darf, und den er, wie ich das verstehe, als Gedanke wiederum Kant entnommen hat: „Übrigens ist die sich ewig wiederholende Aufeinanderfolge der Welten in der endlosen Zeit nur die logische Ergänzung des Nebeneinanderbestehens zahlloser Welten im endlosen Raum – ein Satz, dessen Notwendigkeit sich sogar dem antitheoretischen Yankee-Gehirn Drapers aufzwingt.“, siehe: mlwerke.de/me/me20/me20_311.htm#F3)

Und ich erinnere mich sehr gut an einen deutschen Physiker (leider habe ich mir den Namen nicht gemerkt, ein noch relativ junges Gesicht, das zumindest hab ich mir gemerkt, da in diesen Kreisen eher selten vorkommend – und seinen Vortrag; dennoch muss ich mir damals der Bedeutung dieses Vortrages noch nicht bewusst gewesen sein, sonst hätte ich mir den Namen notiert), der vor Jahren im Fernsehen genau diese Anschauung vorgestellt hat. Ziemlich plastisch. Er verwendete als Bild eine unendliche Anzahl von Würsten, die miteinander über ihre jeweiligen Enden verdreht verbunden sind. Also diese Wurstkette als Metapher für ein Universum mit unendlichen Phasenübergängen. Ich fand das sehr einleuchtend, und als Kind vom Lande, das noch weiß, wie Wurst gemacht wird (und was passiert, wenn man die Enden verdreht), kam mir sofort der Gedanke, dass eine solche Wurst eben nicht nur die Virtualität verstorbener Universen überträgt, also unsere diesbezüglichen „Ahnungen“, sondern reale materiale wie energetische Vor-Zustände (durch die Verdrehung an den Enden natürlich, unendlich komprimiert, somit als Substanz nicht messbar, wie es scheint). Ein Zustand, wie wir ihn uns nicht ohne Grund innerhalb eines Schwarzen Loches vorstellen: unendlich verzerrte Raum-Zeit auf der einen Seite, bis hin zu unendlich kleiner Dichte auf der anderen Seite.

Hier findet sie statt – die Begegnung mit der Unendlichkeit. Verkettete Würste, verknäult zu einem Multiversum in Zeit und Raum, zu einer vieldimensionalen, vermutlich unendlichen „Welt“. Oder wie Brian Greene das ausdrückt in einer Gleichung: R = 1/R. Eine Welt ohne Anfang und ohne Ende. Als solches genialerweise in der Quantenwelt real erfahrbar. Doch in der Makrowelt, ob unseres Zeit- und Raumdenkens, bzw. Eingebettet-seins in unserer angenommenen 4-dimensionalen Raumzeit (der einen Teil-Wurst), nur schwer akzeptabel. Doch ohne die Verbindung zu dieser Makro-Welt nicht vollständig und damit auch nicht richtig (und daher kann Einsteins allgemeine Relativitätstheorie bestenfalls nur ein Fragment sein, wenn auch ein geniales). Mir scheint es eben deshalb umso denkbarer, denn dort, wo das unendlich Große mit dem unendlich Kleinen verbunden wäre (klar: im Gegensatz zu den Wurstenden, nehmen wir dort unendlich kleine Dichte an, doch da da hört es auch schon auf – das Denken), nur dort scheint die Bewegung für einen Moment still zu stehen. Den Phasenübergang als einen Moment des Todes sich vorzustellen, das eröffnet uns die Vorstellung von der Unendlichkeit. Ein schauriges Gefühl. Das Leben ist endlich, der Rest scheint unendlich. Ich verstehe schon die religiös konnotierten Verdrängungs- bzw. Kompensationseffekte, oder dass man das als Spektakel zu begreifen sucht.

Doch denke ich auch, dass solche Gedanken, ob philosophische Spekulation oder nicht, was ist nicht Spekulation in der heutigen Kern-Physik?, die wissenschaftlichen Diskurse nicht von ungefähr begleiten. Täten sie es nicht, wären diese Wissenschaftler a-menschliche Maschinen oder menschliche Vollidioten, welche nur Alghorithmen verstehen, bzw. ihrem eigenen Schatten nachlaufen. Doch manche wagen den Sprung über ihren Schatten wie die materialistische Dialektik.

Ziemlich nah am „Vorläuferuniversum“
Auf die naheliegendste Erklärung scheint keiner der Wissenschaftler kommen zu können – oder zu wollen!? Mir fällt dazu ein, was ich seit einiger Zeit schon in den Raum stelle (Immer mehr als die Summe ihrer Teile), nämlich, dass unser ganzes bekanntes Universum durch ein einziges gigantisches großes oder auch extrem kleines Schwarzes Loch hindurch entstanden sein muss. Wenn die Vorläufer nun dieses gigantischen Schwarzes Loches in etwa 100 Millionen Jahren nach dem sog. Urknall vermutet werden, wie ich gerade auf Scinexx lese, warum nicht gleich bei 0? Dann suchten wir nämlich nicht nur nach den Vorläufergalaxien, sondern gleich nach dem Vorläuferuniversum? Damit wären wir nicht nur gewisse Paradoxien um die „Singularität“ los (Was ist eigentlich eine unendlich kleine Dichte? – vgl.: Higgs-Teilchen „Anker“ im Nichts), sondern gleich mit die überhaupt esoterische Suche nach dem „Etwas“ aus dem „Nichts“ (Pulsierendes „Etwas“).

faz.net/aktuell/wissen/weltraum/schwarzes-loch-aus-zeit-kurz-nach-dem-urknall-entdeckt

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Mehr betroffene Hunde als dialektische Diskurse

Mehr betroffene Hunde als dialektische Diskurse
Ja, die Kommentare mal quer gelesen, lässt sofort erkennen: da bellen viele Hunde betroffen. Die Anekdote, nicht nur am Rande: die rechten Verschwörungstheoretiker leugnen die Verschwörung, wenn sie ihnen in der Konsequenz nicht gefällt. Kaum beachtet vermutlich die Aussage Falkes in diesem Kontext (als zynische Erwiderung zu dem Staatsschutzbeauftragten): Ja, dass der Staatsschutz auf dem rechten Auge blind ist, das kann man wohl bestätigen! Ob das Verschwörungstheorie ist oder gefühlte Empirie, darüber kann man streiten. Doch wollen das die aufeinander zurasenden Diskurse überhaupt noch – streiten? Auch die Abstimmung zeigt ein brisantes Gleichgewicht: Befürworter wie Gegner liegen ungefähr gleich bei knapp 40 % – und dazwischen die 20 % Unentschlossenen. Diese wirken in der Realität kaum noch als Puffer. In der Tat: Dialektische Diskurse scheinen obsolet.

faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort/der-tatort-dunkle-zeit-im-realitaetstest

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In Buch- und Filmkritik, Krise des Kapitals veröffentlicht | Kommentieren