Söder – ohne politische Ethik und ohne intellektuelle Stringenz

Der Vergleich Söder mit Machiavelli ist eine Ungerechtigkeit für Machiavelli und für Söder eine unverdiente Schmeichelei. Zunächst muss man wissen, dass Machiavelli in der Zeit des Aufstiegs des Bürgertums, insbesondere des venetianischen wirkte. Er war Republikaner und in allem verteidigte er die Prinzipein dieser aufsteigenden Klasse. Die „Fürsten“ verwendete er als Metapher für eine abstrakte Herrschaft. Also für das Gegenteil einer Fürstenherrschaft. Seine bekanntermaßen politische Skrupellosigkeit war seiner intellektuellen Stringenz geschuldet. Und vor allen Dingen der darin liegenden wissenschaftlichen Ethik. Ein Söder wirkt in der Epoche des Abstiegs des Bürgertums. Er ist eher mit einem Bismarck zu vergleichen. Ein reiner Taktiker. Und er besitzt so wenig Prinzipien wie ein Kaiser Wilhelm II. Und er ist eine typisch deutsche mehr kleinbürgerliche Erscheinung. Die ganze deutsche Bourgeoisie hat den Charakter jenes Kleinbürgertums. Zur Herrschaft nie geschaffen gewesen. Deswegen musste auch ein Fürst Bismarck ihre Herrschaft durchsetzen. Diese war dann natürlich alles andere als liberal. Von Beginn an eine Ohrfeige für die ganze bürgeriche Klasse. Eines Söders Skrupellosigkeit ist weder einer Ethik noch einer Stringenz geschuldet. Sie ist rein pragmatisch. Er ist das typische Produkt dieser Epoche. Eine konstruierte Persönlichkeit, die nur wirken kann unter weiteren konstruierten Persönlichkeiten. Darin mag er der Primus inter Pares sein. Für Deutschland sicherlich eine große Gefahr, doch auch eine Chance. Hat er doch bei weitem nicht das Format einer Merkel. Aber wer hat das schon in diesen Kreisen?

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In Krise des Kapitals veröffentlicht | Kommentieren