Das Ende jeder religiösen Formbewegung

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Das Ende jeder religiösen Formbewegung
Die politische Bewegung des Islam ist eindeutig auf die „Klasse“ der Bauern und Landarmut zugeschnitten. Somit ist auch die soziale Bewegung jener Bauern in aller Regel eine religiöse, will heißen: in vom Islam dominierten Regionen – eine islamische. Auch die diversen Bauernbewegungen und Bauernkriege im vormodernen Europa waren der Form nach religiöse Bewegungen. Und je radikaler diese Bewegungen waren, desto wörtlicher sollte die Religion genommen werden. Mit der protestantischen Bewegung eines Martin Luther ging das zu Ende, denn es setzte sich da das städtische Bürgertum durch. Ein Bürgertum, das von nun an an seinen Klassengenossen – den Bauern – Verrat üben sollte – an dessen radikal-demokratischen Ansätzen. Als ein Déjà vu gewissermaßen zeigt sich dem Europäer somit die Arabellion. Nur mit einem Unterschied: an deren Horizont zeigt sich die soziale Bewegung des modernen Proletariats, nicht die eines Bürgertums und damit ein Ende jeder religiösen Formbewegung.

Die Vergangenheit und die Zukunft des Bauerntums
Mit Fürsten im Bunde ja, aber mit solchen, deren aristokratischen Eigeninteressen schon der Klasse des Großbürgertums, einem sich zum Beispiel als Geld- oder „Fuggerkapital“ präsentierenden, näher standen als der Aristokratie als Klasse. Luther repräsentierte dieses Kapital auf der ideologischen, sprich: theologischen, Ebene. Auch seine Unschlüssigkeiten in Bezug auf Kirchen- wie Fürstenmacht bilden die Interessen des Kapitals an der Herausbildung des Nationalstaats ab. Die Bauern sollten frei sein, aber nur um den inneren Markt für das nationale Kapital schaffen zu können – als Proletarier wie als Konsumenten. Ihre Freiheit sollte nach Luther ansonsten keine „fleischliche“ sein (vgl. auch Karl Heinz Deschner – Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. 8). So bildet sich der Proletarier aus dem Bauern heraus – als land- wie geschichtsloser Pauper. So wie der Bourgeois die Vergangenheit des Bauerntums idealisiert, so materialisiert sich der Bauer im Proletarier, in dessen Eigentumslosigkeit. Dazwischen liegt der Bauer, dessen „Eigentum“ nur den Herren nützt. Um die Abwicklung dessen als Epoche einer ganzen Geschichte geht es hier wie dort, also auch in der Arabellion.

faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/kommentar-die-tunesische-zaesur-25-10-2011

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