Wenn die Klassengesellschaft nicht wäre

Wenn die Klassengesellschaft nicht wäre
Das Internet ist ein Handwerkszeug, so wie zuvor die Schreibmaschine. Handwerkszeugs hilft uns unsere Arbeit leichter zu erledigen, u. U.; aber es ist nicht geeignet zur Weltverbesserung. Die geht von den Menschen aus, von manchen. Von der Vergesellschaftung der Produktion hin zur Vergesellschaftung der Produktionsmittel – das wäre ein sozialer Akt, ein politischer, ein philosophisch durchdachter, kein technischer. Nicht mal ein ökonomisch notwendiger. Doch ist er natürlich in der Ökonomie angelegt, in deren Technik, als Möglichkeit, im Krisendiskurs. Denn die Steigerung der Produktivität einer Gesellschaft führt zur Freisetzung von Arbeit. Was eigentlich eine gute Sache wäre. Wenn von der Arbeit, besser: der Lohnarbeit, nicht die Lebensmittel abhingen, die die Menschen benötigen. Daher ist nicht nur das Eigentum an Produktionsmitteln, sondern die Lohnarbeit abzuschaffen. Und da diese sich auf der Arbeitsteilung gründet, wäre das Internet ein Weg, wenn die Klassengesellschaft nicht wäre.

Die Evidenz des Briefgeheimnis‘ wird jetzt erst deutlich
So einfach ist es nicht, Herr Raack. Auch wenn ich Ihnen in einem Aspekt, einem kleinen, zustimmen möchte, nämlich darin, was Sie so allerdings nicht formuliert haben, nämlich, dass wir das Elend auf dieser Welt eben nicht nur als ein geistiges Elend verstehen dürfen, bleibt die Bespitzelung dessen, was ich „am Computer treibe“, nicht folgenlos für die, die materiale Schäden nehmen – die Kriegsflüchtlinge, die Hungerflüchtlinge. Die Verantwortlichen sind ehe dieselben. Und so wenig es legitim ist, die „Kritik der Waffen“ gegen die „Waffe der Kritik“ (Karl Marx) auszuspielen, so unlauter ist es, die die den Widerstand geistig und technisch begleiten, als „Gern-Gekränkte“ zu denunzieren. Abgesehen davon, dass es dort wie hier um Menschenrechte geht. Und auch wenn das Briefgeheimnis von Beginn an schon missachtet worden ist, von den Mächtigen, bleibt es ein Menschenrecht, das nicht obsolet ist, auch und gerade nicht im digitalen Zeitalter. Ganz im Gegenteil: seine Evidenz wird jetzt erst deutlich.

Das Menschenrecht des Briefgeheimnis‘
Das Briefgeheimnis ist insofern ein Menschenrecht als die anderen Menschenrechte, wie das der Unverletzlichkeit der persönlichen Würde, ohne das Briefgeheimnis nichts wert ist. Sowenig wert wie im Übrigen eine Demokratie, die nur für die Reichen und Mächtigen gilt.

faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/abschied-von-der-utopie-die-digitale-kraenkung-des-menschen

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Ein Trackback

  • Von Den Vertrag mit dem Kapital kündigen am 21. Januar 2014 um 10:47 Uhr veröffentlicht

    […] mit dem Kapital kündigen In meinem Leserbrief zu Sascha Lobos Artikel habe ich unter dem Titel „Wenn die Klassengesellschaft nicht wäre“ folgendes vermerkt: „Doch ist er (der „soziale Akt“, Einf. H.B.) natürlich in der Ökonomie […]

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