Der Antisemitismus existiert nicht nur als „Keule“

Die folgende Kritik findet jetzt mal ausnahmsweise nicht anhand meiner kritischen Begleitung der FAZ statt, sondern anhand der eines befreundeten Blogs, an diesem Blog.

Der Antisemitismus existiert nicht nur als „Keule“
Sehr geehrter Herr Weghorn. Sie wissen, wie ich Sie schätze. In vielerlei Hinsicht bewegen wir uns auf gemeinsamen Wegen. Doch in dieser Frage – der Antisemitismusfrage – gehen unsere Wege völlig auseinander.
So schreiben Sie: „Da von den Juden selber aber zu keiner Zeit irgendwelche „Endlösungsinteressen“ gegenüber Drittvölkern ausgegangen sind, ist im Definiens des Antisemitismus als einer eliminatorischen Doktrin eine Gleichsetzung von Zionismus mit Nationalsozialismus absolut unzulässig; anders gesagt: es gibt überhaupt keinen Antisemitismus mehr, der Antisemitismus ist mit der Vernichtung des NS-Systems praktisch und für ewig ausgerottet worden, gleichgültig, ob Israel existierte oder nicht! Israel muss sich also eine neue, eine zukunftszugewandte Legitimation seiner staatlichen Existenz auf palästinensischem Boden suchen.“

Und dabei beziehen Sie sich u.a. auf Marx Beschäftigung mit der Judenfrage, anhand der Rezension der Bauerschen „Judenfrage“. (Marx/ Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1. Berlin/DDR. 1976. S. 347-377. Karl Marx – Zur Judenfrage, geschrieben August bis Dezember 1843. Siehe auch: mlwerke.de/me/me01/me01, letzter Zugriff: 27.6.2011.)

Nun, ich bin Marxist, aber eben kein unkritischer. Und in der Judenfrage hat Marx selber den Marxismus nicht durchgehalten. Und ich sage auch gleich, worin diese seine Abweichung von seiner eigenen Methode – der dialektischen – besteht. (An dieser Stelle möchte ich auf einen Nachtrag verweisen, den ich am Ende des Textes einfüge!)
Nach einer Schrift, in der er sich mit Bruno Bauer, allerdings mehr implizit als explizit (auch dies gegen seine ansonsten üblichen Methode der scharfen Polemik) auseinandersetzt, folgert er als quasi Schlusssatz und dies definitiv wieder im Bauerschen Sinne:

„Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation unsrer Zeit.“
Und weiter:
„Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum.“

Denn die Identifikation von „Schacher und Geld“ mit dem Wesen des Juden, genau das kennzeichnet den ansonsten von Marx so deutlich kritisierten „jüdisch-germanischen“ Antisemitismus.
Die Anlage für diese Schlussfolgerung, sehe ich schon weiter oben, nämlich da, wo Marx, und dies scheinbar im Gegensatz zu Bauer, zu folgern sucht:

„Wir sagen also nicht mit Bauer den Juden: Ihr könnt nicht politisch emanzipiert werden, ohne euch radikal vom Judentum zu emanzipieren. Wir sagen ihnen vielmehr: Weil ihr politisch emanzipiert werden könnt, ohne euch vollständig und widerspruchslos vom Judentum loszusagen, darum ist die politische Emanzipation selbst nicht die menschliche Emanzipation. Wenn ihr Juden politisch emanzipiert werden wollt, ohne euch selbst menschlich zu emanzipieren, so liegt die Halbheit und der Widerspruch nicht nur in euch, sie liegt, in dem Wesen und der Kategorie der politischen Emanzipation, wenn ihr in dieser Kategorie befangen seid, so teilt ihr eine allgemeine Befangenheit. Wie der Staat evangelisiert, wenn er, obschon Staat, sich christlich zu dem Juden verhält, so politisiert der Jude, wenn er, obschon Jude, Staatsbürgerrechte verlangt.“

Das ist eine scholastische Spitzfindigkeit und eines Dialektikers nicht würdig. Im praktischen Leben und in der Ideologie des Antisemitismus spielt dieser „Unterschied“ keine Rolle.

Gleich ob der Jude ein bürgerliches Subjekt bleiben möchte, also sich nur in dem Rahmen zu befreien sucht, wie es dem Nichtjuden – per se (per nichtjüdische „Natur“) zugestanden wird – zumindest in den Deklarationen der Bourgeoisie – , oder ob er darüber hinaus zu gehen wünscht, im Angesicht seiner Erkenntnis nämlich, dass diese Deklaration in aller Regel nicht mal das Papier wert sind, auf denen sie stehen (aber sie stehen dort), also die „allgemeine Emanzipation“ anstrebt, sich also dem proletarischen Befreiungskampf anschließt, bleibt sich insofern gleich, als das dem Juden keine anderen Bedingungen gestellt werden dürfen auf das Recht seines „Mensch-seins“, als dem Nichtjuden.

Was Marx – und darin Bauer in nichts nachstehend – völlig ignoriert, ist nämlich die Tatsache, dass es sich in den anzustrebenden Befreiungsakte beidemal nur um politische Akte, also um Akte bürgerlicher-demokratischer Natur , und eben nicht um soziale Akte selber dreht.

So sagt Bauer: „Solange er Jude ist, muß über das menschliche Wesen, welches ihn als Menschen mit Menschen verbinden sollte, das beschränkte Wesen, das ihn zum Juden macht, den Sieg davontragen und ihn von den Nichtjuden absondern.“ (Bruno Bauer)
Nachtigall ick hör dir trapsen!

Wer Marx jetzt zugute halten möchte, dass er diesen Unterschied zu diesem Zeitpunkt noch nicht explizit heraus gearbeitet haben konnte, der zwischen dem Sozialismus und den bürgerlich-demokratischen Bewegungen (die damals noch Europa bewegten, insbesondere dabei Deutschland), der mag das tun. Nur tut er dem Marx damit keinen Gefallen. Und noch weniger dem Marxismus. Für mich ist es nämlich kein Zufall, dass ausgerechnet jener Bruno Bauer, von Marx und Engels 1844 dann offen attackiert wird. Nämlich als es darum ging, Bauers Versuche, den Marxismus in eine sog. kritische Kritik – in eine, wenn auch kritische, bürgerliche Wissenschaft – zu verwandeln. (Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 2, S. 3 – 223, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1972, Karl Marx-Friedrich Engels, Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik, gegen Bruno Bauer und Konsorten, geschrieben September bis November 1844, siehe auch: mlwerke.de/me/me02/me02)

Genau das ist der Punkt, was zugleich der Tiefpunkt in eines Marxens Wirken war. Auch und gerade in der Stellung zum Juden, in der Judenfrage, bewährt sich die Trennung zwischen proletarischem Sozialismus und bürgerlicher Demokratie. Dies gilt umso mehr, als der Holocaust in Deutschland den Antisemitismus aus einer bislang theoretisch-ideologischen Angelegenheit des Kampfes zu einer ganz praktischen hat werden lassen.
Und gerade ob dieses Grundes ist es völlig daneben, den Antisemitismus darauf zu reduzieren, ob sich hinter diesem „Endlösungsinteressen“ verbergen. Auch die Rassisten haben aus dem Holocaust gelernt. Sie bedienen sich heute mehr oder weniger offen rassistischer, bzw. verschämt bürgerlich-demokratischer Legitimationen.

Der Antisemitismus ist mehr als ein primitiver Wunsch, nämlich eine andere „Rasse“ eliminieren zu wollen. Wie wir nämlich anhand der notwendigen Kritik an Marx in dieser Frage auch ableiten können, ist der Antisemitismus die typisch bürgerliche Art, den Sozialismus bürgerlich-chauvinistisch zu interpretieren. Also, den Schulterschluss mit einem Proletariat genau dort zu suchen, wo das Proletariat nichts zu suchen hat. Im Lager des Rassismus. Antisemitismus ist eben auch weiterhin Rassismus, wenn auch eine besondere Spielart von.

Die bürgerliche Demokratie und der proletarische Sozialismus mögen in ihren Anfängen manches gemeinsam gehabt haben, was aber nicht auf wirkliche Gemeinsamkeiten verweist, sondern vor allem auf die damals vorhandene Schwäche in der proletarischen Bewegung. Und so ist auch heute die Dominanz eines Antisemitismus im sozialistischen Lager der deutlichste Beleg für eben eine solche Schwäche. – Wenn auch, als solche, eben nicht mehr eine „historisch-notwendige“.

Und um zum Thema zurück zu kehren. Sehr wohl gibt es innerhalb der Partei „Die Linke“ Antisemitismus. An nicht wenigen Statements ist das offen erkennbar. Das bekannteste ist eines Lafontaines „Fremdarbeiter“. Aber auch, wenn Gysi u.a. im Kontext einer scheinheiligen Debatte um die Plagiatsaffären eines Guttenberg zum Beispiel sich unverhohlen aus dem Arsenal der bürgerlichen Demagogie bedienen. Und auch Sinn hatte Recht mit seinem Vorwurf, dass in der „Finanzkapital-Debatte“ im Angesicht der Finanzkrise „antisemitische Stimmungen“ durchscheinen. Ja selbstverständlich: wenn das Bürgertum sich selber kritisiert, dann immer nur antisemitisch. Denn dabei verwandelt es eine mögliche „Waffe der Kritik“ (Marx) seiner Gegner in seine eigene, in eine konterrevolutionäre.

Auch die Aussage eines Parteiführers dieser Linken, nämlich dass er keinen linken Antisemitismus ausmache, macht das selber am deutlichsten. Wenn etwa 20 % der Mitglieder der „Die Linke“ als heimliche Sympathisanten eines Sarrazin ausgemacht werden, dann verweist das eben auf diesen rechten Antisemitismus. Und ein Parteiführer, der das ignoriert, schwimmt in offen rechten Fahrwassern. Er holt die Massen nämlich dort ab, wo man sie vielleicht stehen lassen sollte, bzw. offen kritisieren sollte. Die Partei des Proletariats ist nicht nur Vorhut, sondern auch „Erzieherin der Massen“! (Lenin)

Wenn eine aus den Reihen der Linken geübte Kritik am Staate Israel sich nicht fundamental von der eines X-beliebigen bürgerlich-nationalistischen Demagogen unterscheidet, wie eines Chavez z.B., dann ist das rechter Antisemitismus. Links ist man in dieser Frage nur, wenn man das Existenzrecht des jüdischen Staates, trotz dieser vielleicht notwendigen Kritik, für keinen Moment ignoriert. Und daraus eine völlig andere Politik und Haltung ableitet.

Selbst wenn dieser jüdische Staat sich der Antisemitismuskeule bedient, und der tut das, dann ist das für einen Linken für keinen Moment gleich zu setzen mit dem Recht dann Antisemit sein zu dürfen. Der Antisemitismus selber kann durch diese Keule nicht aus der Welt geschafft werden, sondern nur eben entstellt.

Und wenn das eine extrem schwierige Herausforderung ist, so ist sie doch die unhintergehbare Grundlage für, dass der jüdische Staat nicht zur Beute internationaler Antisemiten wird. Die Gemeinsamkeiten zwischen dem palästinensischen Volk und dem jüdischen müssen in die Mitte gerückt werden, und nicht das sie trennende.
An dieser Aufgabe bewährt sich „Links-sein“ heute, alles andere ist rechts.

Antwort von Herrn Weghorn:

Ich danke Ihnen für das Feedback, auf das ich Ihnen in den Teilen antworten werde, die ich von Ihrem Beitrag als Kommentar eingestellt habe; zu den Ausführungen über den jungen Marx kann ich nichts sagen, und sie gehören auch nicht – wie Sie es richtig festgestellt haben – „zum Thema“, habe ich doch nur einen Satz zitiert, an dem ich auch – bis zum Beweis des Gegenteils – festhalten werde.

Allerdings, siehe diesen Nachtrag, den ich als Email dazu machen musste:

Hallo, Herr Weghorn, lese gerade „meinen Kommentar“ in Ihrem Blog. Bin ein wenig verwundert, dass Sie den gekürzt haben. Gerade die Stellen zu Marx und Bauer und was ich dazu sage, haben Sie weggeschnitten. So wird leider nicht klar, worauf ich hinaus will. Schade.
Liebe Grüße
Herold Binsack

Wo Marx nicht recht hatte
Noch mal zum Thema Marx und die Judenfrage. Sie haben natürlich recht, wenn Sie sagen, dass Sie nur einen Satz zitiert haben. Dennoch ist diese Schrift von Marx die Hauptangriffsfläche für eine Kritik an Marx. Doch selbst das wäre nicht so wichtig, wenn Marx in dieser Frage recht gehabt hätte.

Doch genau das hatte er nicht. Wie ich versucht habe, in aller Kürze zu belegen.
Der „junge Marx“ ist diesbezüglich in der Tat das Problem. Denn dieser stand noch voll unter Einfluss Hegels. Marxens philosophische Grundlagen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht im dialektisch-materialistischen Sinne ausgereift. Und gerade die bekanntesten späteren Renegaten am Marxismus lehnten sich diesbezüglich an den jungen Marx an. Kautsky und Plechanow, um mal nur die genannt zu haben. Aber auch „Bruno Bauer (und Konsorten)“. Sie kamen über den sog. „Monismus“ nicht hinaus.

Selbst ein auf die Füße gestellter Hegel hatte noch seine Pferdefüße, wenn auch diese, wie es schien, dann auf dem Boden standen. Hegel war ein sog. objektiver Idealist. Objektiv auch im Sinne von in-sich geschlossen/abgeschlossen/die Einheit des Widerspruchs als in-sich absolut betrachtend, idealistisch im Sinne als dass er dem Geist den Vorrang einräumte. Was so besehen auch nur konsequent war. Nur ein „Weltgeist“ konnte sich diese Welt „monistisch“ vor-stellen. Der Geist hat immer Recht, gewissermaßen. Die Dialektik des Materialismus hingegen geht davon aus, dass die Einheit des Widerspruchs relativ ist, der Kampf hingegen absolut (vgl. auch Mao Tse-tung/Über den Widerspruch). Die Einheit des Widerspruchs setzt sich nicht so ohne weiteres durch. Ja ganz im Gegenteil: Es zeigt sich nämlich, dass:„Die politische, rechtliche, philosophische, religiöse, literarische, künstlerische etc. Entwicklung auf der ökonomischen (beruht). Aber sie alle reagieren auch aufeinander und auf die ökonomische Basis. Es ist nicht, daß die ökonomische Lage Ursache, allein aktiv ist und alles andere nur passive Wirkung. Sondern es ist Wechselwirkung auf Grundlage der in letzter Instanz stets sich durchsetzenden ökonomischen Notwendigkeit.“ (Marx-Engels Briefe über „Das Kapital“, S. 366, siehe auch: Es wird bald „zurück geschossen“).

Dieser Satz von Engels wird oft zitiert, doch ich befürchte, nur selten verstanden.
Denn besonders der politische, der demokratische Kampf (der um Freiheit, oder einfach nur um rechtliche Gleichbehandlung), steht zum sozialen Kampf der Klasse in eben genau diesem Verhältnis. Er wirkt zurück auf diesen Kampf. Ja ohne diese Rückwirkung ist er praktisch undenkbar. Es kann gar Zeiten geben, wo der Kampf um die politische Freiheit, oder um Gleichberechtigung (zum Beispiel die der Frau, oder von Minderheiten), selbst in der Epoche der sozialen Revolution des Proletariats ganz im Vordergrund steht. So wie während des antifaschistischen Widerstandes – in Deutschland zum Beispiel. Der Kampf für den Sozialismus kann ohne Kampf um die Demokratie, die breiteste Demokratie, wie Marx nicht müde wurde zu wiederholen (und wie Lenin besonders hervorkehrte, als es darum ging, die Besonderheiten der russischen Revolution zu begründen, gebetsmühlenartig hervorkehrte (Zwei Taktiken, bzw. auch „Marx-Engels-Marxismus“/Sonderausgabe), nicht erfolgreich sein.

Und der Kampf gegen den Antisemitismus ist eben Teil eben dieses Kampfes. Und er ist eben nicht (ausschließlich) Bestandteil des Kampfes für den Sozialismus, wie Marx selber in seiner Schrift „Über das Judentum“ noch glaubte.
Darauf sich zu berufen, gleich ob seitenlang oder nur in einem Zitat, ist nicht im Sinne des Marxismus, so wie eben nicht im Sinne des reifen Marx.
Und es ist somit auch nicht im Sinne einer sozialistischen Bewegung, wie es sie heute wieder zu schaffen gilt.

Antwort auf die Antwort:
Der Antisemitismus bleibt im bürgerlichen Denken ein notwendiger Fetisch
Zunächst einmal geht es mir mal gar nicht um die stattfindende Auseinandersetzung in Nahost, zwischen dem „Judenstaat“ und den Palästinensern, wie es scheint. Denn auch diesen kann man in seiner wahren Bedeutung erst dann verstehen, wenn man den Antisemitismus verstanden hat.
Mit der bürgerlichen Epoche entwickelte sich innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur der Klassenkonflikt, sondern eben auch die zwischenkapitalistische Konkurrenz. Ein Antagonismus übrigens, wie auch der Klassenkonflikt. Wie antagonistisch, das haben wir z.B. an den 2 Weltkriegen erleben können.
Doch schon der 2. Weltkrieg spielte hierbei eine Sonderrolle. Nicht nur, dass es galt, den Bolschewismus (den eigentlich inneren Feind der Bourgeoisie) zu eliminieren, sondern auch das Judentum. Da dieses Judentum ebenso als der innere Feind empfunden wurde (bekanntermaßen eben nicht nur von den Nazis) machten die Nazis aus 2 Feinden einen. Die Juden waren nämlich auch die „wahren Bolschewisten“.
Mit der Epoche des Imperialismus sind die inneren (wie äußeren) Konflikte des Kapitals an einem Punkt angekommen, wo sie nur noch durch Elimination der „Feinde“ lösbar scheinen. Da man das Proletariat aber nicht eliminieren kann (man kann es prekarisieren), musste ein Stellvertreter her, und dieser war der altbekannte Jude. Er wurde quasi stellvertretend für das Proletariat massakriert. Das war nicht nur ein symbolischer Akt, sondern auch Ausdruck eines politischen Experiments. Ging es doch darum, den Proletarier von seiner Klassenidentität zu lösen. Ihn zum willfährigen Instrument eben dieses Ausrottungsfeldzuges (eigentlich gegen sich selbst) zu machen. So stellt sich dem Proletarier dieser Mord an den Juden als kollektiver Selbstmord dar. Die Vorstellung, dass man nur den Juden zu eliminieren brauche (wie den äußeren Bolschewismus – die Sowjetunion), um sich damit den inneren Bolschewismus dauerhalft vom Hals schaffen zu können, dürfte wohl der zentrale Gedanke gewesen sein.
Bekanntlich sanierte der faschistische Staat durch die Aneignung des jüdischen Vermögens auch seine Sozialkassen. Beteiligte somit das „arische“ Proletariat auch ökonomisch am Holocaust. Eine solche Schuld kann die Klassensolidarität eines Proletariats dauerhaft zerstören. Und am deutschen Beispiel, so will es mir scheinen, scheint das auch gelungen. Und hierin liegt der vermutlich wichtigste Grund, warum der Antisemitismus auch als Waffe eingesetzt wird – gegen den Klassenfeind. Gilt es doch dauerhaft diesen an seine Schuld zu erinnern.
Zuguterletzt steht dahinter natürlich auch die Unfähigkeit des bürgerlichen Subjekts sich über seine eigenen Existenz- resp.: Krisenbedingungen zu vergewissern. Antisemitismus ist somit auch ein ideologisches Konstrukt, welches die Gesetzmäßigkeiten des Kapitals, hierbei insbesondere die des tendenziellen Falls der Profitrate (in der Epoche des Finanzkapitals) zu erklären sucht. Doch die Gesetzmäßigkeiten werden dabei nicht verstanden, sondern lediglich deren Mystifizierung verinnerlicht. Die unaufhaltsame Tendenz zur Vergesellschaftung wird als Sozialismus denunziert und zugleich dem ewigen Juden zugeschrieben. Der Gier des Geldes, wie der Macht des „Materialismus’“.
Dass der Jude das tut, mag als Zufall erscheinen. Doch als gewissermaßen bislang staatenloses Konstrukt (ähnlich darin dem „Zigeuner“) bietet er sich dafür idealerweise an. Er ist quasi der „vaterlandslose Geselle“ – der kosmopolitische Virus – per se. Der „Schmarotzer“ in den bürgerlichen Wohlstandsnetzen.
Natürlich hat diese Version durch den Staat der Juden einen Riss bekommen. Daher bietet sich die „Solidarität“ mit dem Volk der Palästinenser ja so an. Durch die Identifikation des nunmehr von den Juden unterdrückten Volkes – so ist das palästinensische Volk das aktuelle (und solchermaßen eigentlich den Juden bisher zugeschriebene) „vaterlandslose“ Volk, doch darin als eines von den Juden „geknechtetes“, kann das jüdische Schicksal, als ein negativ semitisches, fortgeschrieben werden. Denn damit wären die Juden doch weiterhin – als nunmehr Unterdrücker gar – die Knechte ihrer „eigenen Schuld“. Schuldig bis zu ihrem selbstverschuldeten Untergang.
Für die einen ist dieser Judenstaat der weiterhin willkommene Feind. Für die anderen ist er der beste Büttel (da im Bündnis mit diesem sich eben jener „Aggression“ zu wehren glaubend, und somit Erstere bestätigend). Der „ewige Jude“ wird so – also gleich auf doppelte Weise gebrauchend – als antisemitisch konnotiertes Konstrukt am Leben gehalten.
Und auf welche Weise dieser Staat der Juden „Expansionspolitik“ betreibt, habe ich damit auch dargestellt, nämlich als Teil und eigentlich Opfer einer imperialistischen und solchermaßen verkommenen Strategie. Man könnte auch Verschwörung sagen. Der Staat der Juden wird vom Imperialismus missbraucht. Nur ist eben dieser Imperialismus nicht identisch mit dem Staat der Juden. Diesem Imperialismus gegenüber sind auch die Juden Opfer, nicht Täter. Das gilt es zu beachten.
Diesen Unterschied nicht zu machen, ist linker Antisemitismus. So ist wohl Israel ein kapitalistischer Staat, doch recht eigentlich eine imperialistische Kolonie.
Ja noch mehr: durch die bedenkenlose Identifikation des Judenstaates mit dem Kapital schlechthin setzen Sie die alte faschistische Form des Antisemitismus fort. Folgen Sie also den Spuren des Kapitals bis in dessen Abgründe hinein. Sie übersehen völlig, dass das sog. internationale Kapital eine Abstraktion ist. Genau genommen ein Konstrukt, wenn auch ein notwendiges (denn nur in dieser Form des Konstrukts, lässt es sich als „Weltkapital“ denken). Das Kapital existiert aber – ja selbst in dieser „globalen Welt“ – nur in seiner nationalen Form. Diese vermag es auch nicht zu sprengen. Selbst dann nicht, wenn es alle Nationalstaaten aufgelöst haben sollte. Was im Übrigen der letzte Grund dafür ist, dass das nicht geschieht und auch dafür, dass nationale Kriege weiterhin möglich sind. Sind doch diese Kriege die äußere Form, ergo: die Fortsetzung des national geformten inneren Widerspruchs zwischen den einzelnen Kapitalien.
Auch ein jüdisches Kapital, das Kapital des jüdischen Staates, ist ein nationales, und eben kein internationales, quasi vagabundierendes, wie es von Antisemiten gern angenommen wird. So ist auch das jüdische Kapital in den USA entweder amerikanisch oder eben israelisch, nicht international. Eine Subversion des amerikanischen Kapitals durch das „jüdische“ ist somit ebenfalls eine antisemitisch konnotierte Verleumdung.
Die Versubjektivierung eben eines solchen „internationalen Kapitals“ ist linkerseits die übelste Fehldeutung des Marxismus. Und sie ist Ausdruck von einem linken Antisemitismus. Rechterseits ist es, wie gesagt, das Indiz dafür, dass das Kapital sich selbst nur zu „verstehen“/zu akzeptieren vermag, indem es einen Teil von sich ausschließt.
Dies verläuft im Übrigen analog des Ausschluss‘ des Geldes aus der Warenpalette. Nur indem das Geld existiert, kann das Kapital das Chaos seiner Warenwirtschaft erfassen. Es sieht genau genommen nur das Geld, nicht die Waren.
Nur indem der Jude „ausgeschlossen“ ist, vergewissert sich ein Kapital bzgl. des „internationalen Wesens“ seiner selbst. Der Jude ist das Pendant für das Geld. Und somit versteht ein Kapital nicht, dass der „Geldjude“ sowenig real ist, wie ein Kapital, das sich apriori substantiell denkt.
Nur in der Klassenformation, ergo: in der Klassenkonfrontation mit dem antagonistischen Klassenfeind, lässt sich die Kapitalbewegung auf der subjektiven Ebene nach-vollziehen. Doch dort auch nur, wenn die Waren-Geld-Waren-Zirkulation via Geld-Waren-Geld-Zirkulation, welche, falls letztere erfolgreich war, dann als Kapitalzirkulation auftritt, denn dabei den Mehrwert abgeschöpft habend, verstanden wird. Wird diese Zirkulation durch Krisen unterbrochen, ist sie nicht mehr nachvollziehbar. Dass ein Kapital überhaupt entstanden ist, verdankt sich eben nur der Tatsache, dass das, was zuvor noch als Geld-Waren-Geld-Verhältnis gesehen wurde, plötzlich mit Mehrwert angereichert ist. Denn darin liegt der Grund für die wundersame Vermehrung des Geldes auf diesem Weg. Einem Mehrwert, den der Lohnarbeiter erwirtschaftet. Geld wird nur dort zu Kapital, wo die Zirkulation erfolgreich war, worin sich das gesamte Produktionsverhältnis zwischen Lohnarbeit und Kapital zeigt. In Krisen bieten sich also Ersatzantworten nur so an. Wenn also ein Herr Sinn in der Finanzkrise Antisemitismus ausmacht, dann ist das kein Zufall. Denn genau aus solchen Krisen speist sich permanent Antisemitismus. Und dieser ist nicht totzukriegen, solange es das Kapital gibt.
Diesen Vorgang kann ein Kapital dennoch weder vollständig durchschauen noch akzeptieren – selbst in prosperierenden Zeiten nicht – ohne sich dabei selbst „aufzuheben“. Müsste es doch den Kampf der Lohnarbeiter um eben diesen Mehrwert, resp. dann um die Aufhebung des Kapitalverhältnisses akzeptieren. Es gilt mithilfe „des ewigen Juden“ die Metamorphose des Geldes zu Kapital zu mystifizieren. Wo Geld zu Kapital geworden ist, tritt die Verzinsung des Kapitals/des Geldes auf. Diese selber wiederum ist Ausdruck der Aneignung des Mehrwertes. Um den sich natürlich zwischen den Kapitalien gestritten wird. Somit ist der Antisemitismus auch Ausdruck der Tatsache, dass das Geldkapital in Form des Finanzkapitals einen immer höheren Anteil an diesem Mehrwert erringt. Kraft seiner erdrückenden Macht. Somit drückt dieser Antisemitismus auch das Konkurrenzverhältnis innerhalb des Kapitals aus. Es muss nicht wundern, dass sich gerade im sog. kapitalistischen Mittelstand – aus dem Mittelstandsdenken schlechthin – der Antisemitismus auflädt. Der Antisemitismus bleibt im bürgerlichen Denken somit ein notwendiger Fetisch. Ohne den das ganze Kapitalverhältnis eigentlich undenkbar ist.

Das Kapital und der „ewige Jude“
Hallo Herr Weghorn,
ich bin hier – Der_ewige_Jude -, wie an anderen Stellen, davon ausgegangen, dass gewisse Begriffe klar wären. Da das offenbar nicht der Fall ist, gäbe es
jetzt die Möglichkeit – und vielleicht wäre das ganz und gar notwendig -, Punkt für Punkt zu antworten. Dennoch glaube ich nicht, dass das weiterhülfe.
Ich beschränke mich daher zunächst einmal auf einen einzigen Begriff, den des Kapitals.
„Das Kapital“ ist einerseits die Beschreibung der Bewegung des Kapitals. So, wie es Marx im „Das Kapital“ getan hat, andererseits der Begriff für ein gewisses Subjekt, nämlich dem der Klasse des Kapitals. Als Teil der Bewegung des Kapitals existiert noch „das Proletariat“, welches dort gewissermaßen als Teil des „automatischen Subjekts“ (ökonomisch betrachtet) zu verstehen wäre, was man auch als das „bürgerliche Subjekt“ (politisch besehen) schlechthin bezeichnen kann. Dasselbe Proletariat ist aber als Klasse des Proletariats der Klasse des Kapitals (der Bourgeoisie!) entgegengesetzt, antagonistisch entgegengesetzt.

Und selbstredend kann die „Bewegung des Kapitals“ nicht „denken“ (sie schafft aber die – ökonomisch-ideologischen – Voraussetzungen für das „Denken“, liefert also die Strukturen für eine daraus folgende Semantik), hingegen die Klasse schon (wenn auch nicht wie ein einzelner Mensch, dennoch via deren Subjekt-sein), solchermaßen per Klasseninteresse, bzw. auch als Staatsapparat agierend.
Überall da wo sie „Wem?“ gefragt haben, wäre die Antwort das „bürgerliche Subjekt“, bzw. die „Klasse des Kapitals“, bzw. die Bourgeoisie, bzw. der bürgerliche Staat…
Da „man“ (jedermann!) in der Praxis das eine ohne das andere (die Bewegung des Kapitals ohne die Klasse des Kapitals) nicht denken kann, werden diese Begriffe immer wieder wechselseitig verwendet. Ich gestehe Ihnen zu, dass das nicht selten zu Verwirrungen führt. Mag sein, dass ich mich da auch selber an der Nase packen muss.

Dennoch, da Sie aber schon am „ewigen Juden“ zweifeln (bzw. diesen nicht kennen wollen), ist der Rest eigentlich kaum noch zu vermitteln, selbst dann nicht, wenn ich Ihnen Punkt für Punkt Ihre Anmerkungen erläutere, und klar hervor heben würde, von wem im Einzelnen die Rede ist.
Wenn man allerdings davon ausgeht, dass die Bewegung des Kapitals ohne die Klassenbewegung auskommen kann, dann kann man auch schlussfolgern, dass dieses Kapital auf den Fetisch Antisemitismus nicht mehr angewiesen ist (bzw. sich überhaupt nur als Fetischbewegung verstehen lässt, wie Robert Kurz das meint). Mag sein, dass die Bewegung des Kapitals allein für sich auf diesen Fetisch verzichten kann, doch die Klasse kann es nicht. Und da das eine ohne das andere nicht existiert – die Bewegung des Kapitals ist nur eine Abstraktion, hingegen die des Subjekts eine politische Realität -, ist es müßig solches anzunehmen.
In der politischen Realität, der einzig wirklichen, sind die „Interessen“ dominierend (wenn auch zugegebenermaßen diese nicht voraussetzungslos, also ohne die Vorgaben der Bewegung im abstrakten Sinne, sind).

Es ist bedauerlich, dass Sie diese Diskussion nicht mehr abdrucken wollen. Denn das hier ist genau die Antwort auf Ihre Frage nach einer anderen Definition des „Antisemitismus“.
Sie ergibt sich aus dem unlösbaren Zusammenhang von abstrakter Bewegung des Kapitals und von der konkreten Bewegung der sich antagonistisch gegenüberstehenden Klassen.
Der Antisemitismus ist Teil eben dieses Klassenkampfes, und somit aber auch Teil einer sich als objektiv vorstellenden, nämlich abstrakten, Bewegung.

Die Klasse des Kapitals wähnt sich in seiner eigenen Ära angekommen, und mag vielleicht glauben, dass sie endlich ihrem Wesen so nahe gekommen ist, dass sie auf nationalistische wie rassistische, ergo auch antisemitische Attitüden verzichten könne. Nur wird hier wiederum die Annäherung auf der abstrakten Ebene mit der auf der konkret-politischen verwechselt. Konkret-politisch bleibt das Kapital verhangen in seinen nationalen Formen und damit in deren politischen, resp. auch subjektiven Formaten. Sie mögen das bestreiten. Doch die einzig internationale Klasse ist die des Proletariats. Das lässt sich auch ökonomisch begründen. Also aus der Bewegung des Kapitals selber. Ein Kapital ohne den inneren Markt ist so undenkbar wie eines ohne Markt überhaupt. „Markt“ ist zunächst „innerer Markt“ und davon abgeleitet, das eigenen – „nationale“ – Proletariat. Wo der innere Markt verschwunden ist, dort ist der Markt selber aufgehoben und damit auch eine Bewegung des Kapitals (wie auch die der Klassen). Und auch aus diesem Grund ist die Bewegung des Kapitals niemals ohne die der Klassenbewegungen von Kapital und Arbeit denkbar. Es ist diese Klassenbewegung selber, die die Einheit von Kapital und inneren Markt aufrecht erhält, oder sie im revolutionären Sinne zerstört. Dazwischen gibt es nichts. Das Kapital (als objektive Bewegung wie als Klasse) vermag dies alleine nicht. Alleine vermag es nur sich und den Klassengegner zu erhalten (oder ihn im physischen Sinne zu vernichten). Somit bleibt die Notwendigkeit der Semantik des jeweiligen Klassengegners die eigene entgegen zu setzen. Und die semantische Erwiderung auf den revolutionären Klassenkampf des Proletariats ist und bleibt der Antisemitismus. Und darin liegt der letzte Grund für, warum der Antisemitismus mitnichten nur eine „Keule“ ist. Ist er doch wesentlich mit der Bewegung des Kapitals und dessen Klasseninteressen verbunden.

Ein gemeinsames Spiel – mit verteilten Rollen
Sehr geehrter Herr Weghorn,
in aller Kürze:
Zu 1. habe ich aus meiner Sicht ausführlich Stellung genommen (Antisemitismus als Antwort auf den Klassenkampf des Proletariats und – als Fetisch, aber siehe auch)
Zu 2. Dem widerspreche ich nicht. Nur sehe ich da keinen direkten Zusammenhang zum Thema.
Zu 3. Möchte ich vorwegschicken, dass ich ganz persönliche Gründe habe, warum ich mich zum Thema Iran nur sehr vorsichtig äußere.

Meine Frau ist Iranerin und ihre Familie lebt im Iran. Allein schon wegen der bisherigen Beiträge (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1377, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1376, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1372, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1281, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1158, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1113, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1052, http://blog.herold-binsack.eu/?p=967, http://blog.herold-binsack.eu/?p=913, http://blog.herold-binsack.eu/?p=671, http://blog.herold-binsack.eu/?p=665, http://blog.herold-binsack.eu/?p=646, usw. usf./Stichwort: Iran) die ich zum Thema Iran verfasst habe, habe ich meiner Frau davon abgeraten, ihre Familie dort zu besuchen. Ich selbst reise nicht mehr in den Iran. Aber wie gesagt, ich hab doch einiges dazu geschrieben.

Im Bezug auf die Gefahr eines Krieges USA-Iran, resp. Israel-Iran, gehe ich inzwischen nicht mehr davon aus, dass dieser wirklich bevorsteht. Ganz im Gegenteil. Ich sehe da gewissermaßen Parallelen zu Al Kaida. Einen besseren „Teufel“ kann sich die USA gar nicht wünschen. Dennoch ist das nur die äußere Fassade. Trotz all der bekannten Kriegsrhetorik haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen USA-Iran kaum verschlechtert. Nur eben verschoben. Was die USA nicht direkt in den Iran liefern, lassen sie über ihre Satelliten geschehen (Südkorea usw.) Nur die Konkurrenz wird zur Zurückhaltung gezwungen. Was sie natürlich nicht tut. So soll ja bekanntermaßen die Firma Siemens höchstpersönlich an der Lieferung jener Software beteiligt gewesen sein, die dann in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen zur Kontrolle des Internets/des Telefonverkehrs eingesetzt wurde. So sollen ja auch gewisse „Zutaten“ zur „islamischen Atombombe“ mithilfe des pakistanischen Geheimdienstes – welcher bekanntlich ein Ableger des CIA ist – in den Iran gelangt sein. Auch das merkwürdige Doppelspiel ausgerechnet jenes pakistanischen Geheimdienstes bei der „Jagd“ auf Bin Laden passt in dieses Bild. Ein gemeinsames Spiel – mit verteilten Rollen!
Die wenigen Kontakte, die ich (bzw. die Familie meiner Frau) zu großbürgerlichen Kräften im Iran habe, zeigen ein merkwürdiges Phänomen. Diese Leute sind keineswegs beunruhigt. Im Gegenteil: Sie sind sich sicher, dass die USA für sie keine Gefahr sind.
Und ich glaube nicht, dass Israel da einen Alleingang wagt. Das tangiert doch zu sehr die globalen Interessen der USA.
Warum greift die Nato Gaddafi an, nicht aber Assad? Und schon gar nicht Ahmadinedschad?
Ich denke, dass die Spekulation über einen Krieg gegen den Iran auch im antisemitischen Kontext zu begreifen wäre.
Wem nützt das alles?
Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, ohne die Familie meiner Frau zu gefährden.
Mit freundlichen Grüßen
Herold Binsack

profiprofil.wordpress.com/2011/06/25/kampfkompetenz-antisemitismuskeule

Nachtrag: In einem früheren Beitrag von mir, habe ich dazu eine andere Position vertreten. Diese Position ist, obwohl aus einer anderen Perspektive verfasst, revisionsbedürftig. Auch wenn ich darin nicht ganz falsch geschrieben habe, dass dem „Juden Marx“ Dinge erlaubt sind, die den Nichtjuden, insbesondere nach dem Holocaust, eben nicht erlaubt sind, und Marx den Juden in der genannten Schrift als Metapher verwendet hat, beruht doch diese Metapher selbst auf einer antisemitischen, wenn auch solchermaßen damals noch nicht so hoch belasteten Konnotation. Der Jude als Metapher für ein Subjekt, das sich als „Mensch“ nicht zu befreien sucht, beinhaltet ja geradezu seinen Ausschluss aus der Menschheit.

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  • Von Den Vertrag mit dem Kapital kündigen am 21. Januar 2014 um 20:23 Uhr veröffentlicht

    […] ausgeschlachtet wird. Es gibt da so eine Stelle, wo Marx sich, berufend auf Bruno Bauer, über den „Juden“ ausgelassen hat, von dem man sich „emanzipieren“ müsse, was ich von Konservativen immer wieder um die Ohren gehauen bekommen […]

  • Von Ist das jetzt gut oder böse? am 28. Januar 2014 um 15:56 Uhr veröffentlicht

    […] Ist das jetzt gut oder böse? Wie sagte Schirrmacher gestern bei Voss? Die Gefahr kommt in Form von Anreizen daher, nicht vom Orwellschen Bösen. Doch wie unterscheiden wir, wo doch der Maßstab für jegliche Unterscheidung verschwunden scheint. Was sagt uns eines Bush Juniors Hybris gegen das Böse, wo uns Guantanamo keine Antwort mehr auf die Frage nach dem „Guten“ der USA zu geben bereit ist? Und wer oder was sollte noch den Menschen gegen des Menschen Wolf schützen, wo doch anscheinend alle Wölfe sind – oder gute Menschen? So inszeniert dieser Staat womöglich das Böse. Ist das der Grund, warum es die Taliban gibt? Und ist es jetzt Ausdruck des Guten oder des Bösen, wenn ein Reicher die Klage erhebt, dass die Kritik an den Reichen antisemitisch wäre? Mich erinnert das an Sinns Kritik am Antisemitismus, im Kontext der Aufarbeitung der Bankenkrise. Sinn durfte seine Kritik zurückziehen. Nicht, weil er nicht Recht gehabt hätte; nein, weil er nicht sagte, dass die Unterscheidung das Böse ist – zwischen guten und bösen Kapitalisten. […]

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