Unterhalb einer Maschinensteuer geht es nicht

Unterhalb einer Maschinensteuer geht es nicht
Die Behauptung „Politik für die Alten“ ist wirklich abenteuerlich. Gleich mit oder ohne Beitragsbegrenzung und/oder nach unten abgesicherte Rentenformel scheint die Altersarmut beschlossene Sache. Die diesbezügliche Klientelpolitik zielt eher auf Prozente bei den Wählern als bei den Renten. Es ist absehbar, dass die (noch) beschäftigten Arbeitnehmer die Rentnermassen der Zukunft nicht mehr oberhalb der Armutsgrenze unterhalten können. Jede Art von Rentenversicherung – gleich ob pflicht- oder freiwillig – ist damit obsolet. In einer Gesellschaft, in der die menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird, müssen diese Maschinen dann auch die Menschen ernähren, besonders eben die unbeschäftigten, und das wären eben nicht nur die Altersrentner. Denn nahezu alle werden dann zu „Rentnern“. Unterhalb einer „Maschinensteuer“ (siehe auch Marxens „Maschinenfragment“, in den „Grundrissen“, siehe auch Anhang) geht es also nicht.

Die Maschinensteuer ergibt sich aus der Logik der Kapitalverwertung selbst
Ihr Einwand, Herr Bley, sticht nicht. Ob und wie der internationale Konkurrenzkampf eine solche Steuer zu verhindern vermag, hängt, wie alles in dieser Gesellschaft (siehe der Kampf um „Digitalsteuer“, „Finanztransaktionssteuer“…), von der Stärke wie von der Solidarität im „Klassenkampf“ ab. Keine Frage, immer mehr Forderungen der Lohnarbeit erfordern internationale Solidarität wie Aktivität. Das ist auch ein Ausdruck der sog. Globalisierung. Diese Globalisierung mag als ein Schreckgespenst erscheinen, doch in ihrer „proletarischen“ Form, nämlich als „Internationalisierung“, ist sie ein wahrhafter Segen. Die „Maschinensteuer“, diesbezüglich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, ergibt sich aus der Logik der Kapitalverwertung selbst, sprich: des immer höheren Anteils von „fixem Kapital“ im Produktionsprozess, nachzulesen in Marxens „Maschinenfragment“. Sie wird die Kapitalverwertung nicht retten, aber dessen Abgang vielleicht zivilisieren.

Anhang:
Ich zitiere hier einige Passagen aus den „Grundrissen“, welche deutlich wie an kaum einer anderen Stelle die Unvermeidbarkeit des Kommunismus darstellen, wie aber auch und besonders (gerade deswegen) den Kampf der „lebendigen Arbeit“ um sein sprichwörtliches Überleben auf diesem Weg nach dorthin. Ein Kampf, der sich allerdings in dem Maße erleichtert, als diese lebendige Arbeit sich nicht mehr nur als „Lohnarbeit“ – als Anhängsel der Maschine – begreift, sondern als Produktivkraft selbst. Dieses Begreifen findet insofern beschleunigt statt, als der „Lohnarbeiter“ zum Geistesarbeiter avanciert.

„In demselben Maße, wie die Arbeitszeit − das bloße Quantum Arbeit – durch das Kapital
als einziges wertbestimmendes Element gesetzt wird, in demselben Maße verschwindet
die unmittelbare Arbeit und ihre Quantität als das bestimmende Prinzip der Produktion
− der Schöpfung von Gebrauchswerten und wird sowohl quantitativ zu einer geringern
Proportion herabgesetzt wie qualitativ als ein zwar unentbehrliches, aber subalternes
Moment gegen die allgemeine wissenschaftliche Arbeit, technologische Anwendung der
Naturwissenschaften nach der einen Seite, wie [gegen die] aus der gesellschaftlichen
Gliederung in der Gesamtproduktion hervorgehende allgemeine Produktivkraft − die als
Naturgabe der gesellschaftlichen Arbeit (obgleich historisches Produkt) erscheint. Das
Kapital arbeitet so an seiner eignen Auflösung als die Produktion beherrschende Form…
Es ist nicht mehr der Arbeiter, der modifizierten Naturgegenstand als Mittelglied zwischen das
Objekt und sich einschiebt; sondern den Naturprozeß, //3/ den er in einen industriellen
umwandelt, schiebt er als Mittel zwischen sich und die unorganische Natur, deren er
sich bemeistert. Er tritt neben den Produktionsprozeß, statt sein Hauptagent zu sein. In
dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet,
noch die Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen
Produktivkraft, sein Verständnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein
Dasein als Gesellschaftskörper − in einem Wort die Entwicklung des gesellschaftlichen
Individuums, die als der große Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums erscheint.
Der Diebstahl an fremder Arbeitszeit, worauf der jetzige Reichtum beruht,
erscheint miserable Grundlage gegen diese neuentwickelte, durch die große Industrie
selbst geschaffne. Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große
Quelle des Reichtums zu sein, hört und muß aufhören, die Arbeitszeit sein Maß zu sein
und daher der Tauschwert [das Maß] des Gebrauchswerts. Die Surplusarbeit der Masse
hat aufgehört, Bedingung für die Entwicklung des allgemeinen Reichtums zu sein,
ebenso wie die Nichtarbeit der wenigen für die Entwicklung der allgemeinen Mächte des
menschlichen Kopfes. Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen,
und der unmittelbare materielle Produktionsprozeß erhält selbst die Form der
Notdürftigkeit und Gegensätzlichkeit abgestreift…

Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], daß es die Arbeitszeit
auf ein Minimum zu reduzieren strebt, während es andrerseits die Arbeitszeit als
einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen, um sie zu vermehren in der Form der überflüssigen; setzt daher die überflüssige in wachsendem Maß als Bedingung −question de vie et de mort [Frage auf Leben und Tod] − für die notwendige. Nach der einen Seite hin ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums unabhängig (relativ) zu machen von der auf sie angewandten
Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte
messen an der Arbeitszeit und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind,
um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten. Die Produktivkräfte und gesellschaftlichen
Beziehungen − beides verschiedne Seiten der Entwicklung des gesellschaftlichen
Individuums − erscheinen dem Kapital nur als Mittel und sind für es nur Mittel, um
von seiner bornierten Grundlage aus zu produzieren. In fact aber sind sie die materiellen
Bedingungen, um sie in die Luft zu sprengen…

{Wie mit der Entwicklung der großen Industrie die Basis, auf der sie ruht, Aneignung
fremder Arbeitszeit, aufhört, den Reichtum auszumachen oder zu schaffen, so hört mit
ihr die unmittelbare Arbeit auf, als solche Basis der Produktion zu sein, indem sie nach der einen Seite hin in mehr überwachende und regulierende Tätigkeit verwandelt wird; dann aber auch, weil das Produkt aufhört, Produkt der vereinzelten unmittelbaren Arbeit zu sein, und vielmehr die Kombination
der gesellschaftlichen Tätigkeit als der Produzent erscheint.“

faz.net/aktuell/wirtschaft/rentenpolitik-als-ablenkungsmanoever-der-grossen-koalition

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
Dieser Beitrag wurde in Arbeit und Kapital, Krise des Kapitals veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.