Erdogans ekelerregende Selbstgerechtigkeit

Den Beitrag „Das doppelte Doppelspiel der Deutschen hat die FAZ nicht freigeschaltet, was meine schon vor einiger Zeit geäußerte Vermutung bestärkt (was wiederum in der Logik der von mir kritisierten „Doppeltaktik“ läge), dass auch solche – extrem erdogankritische – Beiträge dann nicht mehr gesendet werden, sobald sie die darin verwickelten deutschen Interessen entlarven, also letztlich reine Alibifunktion haben. Das könnte auch eine Erklärung dafür sein, dass Bülent Mumay solches – ohne sich offensichtlich zu gefährden – aus Istanbul sendet. Wobei ich jetzt keine Vermutung darüber anstellen möchte, ob Bülent Mumay sich dessen bewusst ist. Wenn dem allerdings so wäre, dann läge diese Kolumne, wenn auch in anderer Semantik und Rhetorik, ob der veränderten Umstände, in der so unrühmlichen wie erklärten Tradition der wohlfeilen Kritik, gemischt mit ein wenig Kulturalismus (wobei dieser nun sich ins feuilletonistische verschoben hätte, was wiederum der Alibifunktion der Kritik geschuldet wäre), des früheren Islam- und Orientverantwortlichen Wolfgang Günter Lerch. Eine „Kritik“, die sich der historisch verbürgten deutsch-türkischen Kumpanei mehr verantwortlich fühlt als es einem seriösen Journalismus gut tut – und zwar über alle Klippen hinweg.

Erdogans ekelerregende Selbstgerechtigkeit
Ein Beitrag, der mir wirklich aus der Seele spricht, und nichts offen lässt. Eine meiner ersten Reaktionen auf dieses Schauspiel seitens Erdogan war daher auch ähnlich. „Das Recht im Munde solcher Gestalten erzeugt in mir Ekel“ titelte ich meinen Kommentar zu: Fall Khashoggi – die Republikaner werden unruhig (FAZ, 18.10.18). In Ergänzung zu dieser wirklich ausgezeichneten Recherche vielleicht noch die bemerkenswerte Empfehlung des Handelsblattes, nämlich, dass man doch bemerken solle, dass in Saudi Arabien die „Revolution“ in der Luft liege. Ich denke, was auch immer in Saudi Arabien gerade passiert, doch die „Revolution“ ist für mich in der ganzen Region – einschließlich der Türkei übrigens – geradezu mit den Händen zu greifen. Doch interpretiere ich diese Botschaft aktuell eher als einen Hinweis auf evtl. Putschpläne. Hinter dem Mord an Khashoggi scheint jedenfalls noch mehr zu stecken als scheußliche („arabische“) Barbarei oder eines Erdogans ekelerregende Selbstgerechtigkeit.

Das doppelte Doppelspiel der Deutschen
Alle Teile spielen das übliche Doppelspiel. Einerseits alle Register ziehend in der medialen Empörung, andererseits alle diplomatische Kanale benutzend, um die Geschäfte am Laufen zu halten. Und die Deutschen spielen wie immer ein doppeltes Doppelspiel. Sie wollen es sich weder mit Erdogan noch mit dem saudischen Königshaus verderben. Und Erdogan selbst, wie hier ja wunderbar beschrieben, treibt es mit allen. Letztlich mit dem Ziel seine Haut so teuer wie möglich zu verkaufen.

faz.net/aktuell/feuilleton/brief-aus-istanbul/fall-jamal-khashoggi-erdogans-anteilnahme-am-schicksal

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