Das Finanzkapital und seine chauvinistischen Kritiker

Das Finanzkapital und seine chauvinistischen Kritiker
Das unten zitierte, kopiere ich jetzt mal aus meiner Facebookseite (normal mache ich das umgekehrt), wo ich das zu Konstantin Weckers Statement gegen Pegida hinzufügte. Es genügt tatsächlich nicht mehr „das Finanzkapital“ rein abstrakt zu denunzieren. Mit Ihrem Beitrag, werter Don, zeigen Sie recht deutlich, wie sich da einzelne Gestalten, ob des Wohls ihrer herrschenden Klasse, offenbar Sorgen machen; und wie somit solche Bewegungen quasi aus der Mitte unserer Gesellschaft, sprich: aus des Kleinbürgers wahnhafter Welt heraus, entstehen. Und wie sie dennoch als Werk des Finanzkapitals bezeichnet werden können. Denn diesem scheint kein Wahn groß genug, als das es diesen nicht zu nutzen wüsste. Übrigens ist besagter Ulfkotte, nach meinem Verständnis dessen, was Schmidt-Eenboom in seinem Werk „Undercover“ über diesen Kontaktmann des BND (neben Herrn Joffe und Herrn Burda höchstpersönlich) zu berichten hatte, vermutlich ein Agent Provokateur.

…und es ist das Finanzkapital, das auch diese chauvinistische Bewegung initiiert und finanziert. In organisatorischer Hinsicht zum Teil verdeckt durch die Geheimdienste. Doch ideologisch gestützt durch die bürgerlichen Medien, welche selbst das Medienbashing in diesem Sinne zu instrumentalisieren verstehen. Pegida ist damit die Kehrseite der Propagandaoffensive der herrschenden Bürgerlichen Klasse. Damit kann sich die bürgerliche Presse als d i e Instanz feiern, welche die vorgeblich „universellen Werte“ der Menschheit zu schützen versteht; und gleichzeitig organisiert das bürgerliche Regime die chauvinistische Opposition, für den Fall, dass ihr das keiner mehr abnimmt. Und indem die mögliche revolutionäre Kritik in die Nähe der chauvinistischen gebracht wird, kann sich das bürgerliche Regime als wahrhaft „alternativlos“ vorstellen. Diese Vorgehensweise des herrschenden Kapitals entspricht den Marketingkonzepten der bürgerlichen Wirtschaftsweise, so wie es Slavoj Zizek beschreibt.“

Der Geist hängt auch nicht am Adelsstamm
@Don Alphonso: Dass Sie Jutta Ditfurth mit Jürgen Elsässer unter eine „Achse der Guten“ subsumieren, will mir nicht einleuchten. Jürgen Elsässer ist ein politischer Provokateur reinsten Wassers.

Was Jutta Ditfurth hingegen angeht, muss man ihr zu Gute halten, dass sie diese unselige „Querfront“, wie von Elsässer z.B. vertreten, im Frankfurter Stadtparlament als einzige dort gegeißelt hat. Dort schickte sich nämlich Hübner, der Lieblingsprovokateur des konservativen Frankfurter Bürgertums gerade an, die Vorläuferorganisation der „Die Linke“, die PDS zu vereinnahmen, und vice versa.

Doch als Marxistin wäre sie für mich keine Leuchte. Ihr Buch „Zeit des Zorns“ (die in diesem Titel unverkennbare Anspielung auf John Steinbecks „Früchte des Zorns“, halte ich, um es mal freundlich auszudrücken, für recht selbstbewusst) habe ich schon nach wenigen Seiten entnervt zur Seite gelegt. Zu sehr ähnelt es doch dem, was ich in etwa vor 40 Jahren, als marxistischer Frischling sozusagen, auf das eine oder andere Oberschülerflugblatt geschrieben habe. Ja schlimmer noch. Solches habe ich/hätte ich z.B. nie geschrieben: „Die Wut wächst. Wer setzt dem außer Rand und Band geratenen Kapitalismus endlich Grenzen? Wer tritt heute für soziale Gerechtigkeit ein? Wer tut etwas gegen Armut und Naturzerstörung?“ (Coverrückseite 2009/Droemer Verlag)
Das liest sich wie aus Bischof Marx – nicht Karl Marx!

Dass Frau Ditfurth den Adelstitel ihrer Familie abgelegt hat, mag sie ehren, doch hätte sie den wissenschaftlichen Standpunkt und die dementsprechende Methode ihres Vaters (vgl. „Der Geist fiel nicht vom Himmel“, Hoimar von Ditfurth, siehe auch: eins-teilt-sich-in-zwei) durchaus übernehmen können: denn der Geist hängt auch nicht am Adelsstamm. Doch hätte sie ruhig die Ausnahme sein dürfen, finde ich!

Dem „Finanzkapital“ gehört die Welt, nicht „den“ Banken!
@Ross Dorn: Ich sagte: „Als Marxistin wäre sie keine Leuchte“. Marxisten wollen weder Kapitalismus, noch Armut „begrenzen“. „Abschaffen“, wollen sie Lohnarbeit und Kapital, und damit auch die ganze „selbstverschuldete Unmündigkeit“. Wer die Macht hätte, das Kapital zu begrenzen, der hat die Macht, es abzuschaffen. Der deutsche Pfahlbürger riskiert lieber eine Revolution für eine Reform, statt die Revolution beherzt anzugehen, und landet damit direkt in den Schützengräben der Konterrevolution. Denn auf eine halbe Revolution folgt immer eine ganze Konterrevolution, mahnte Marx immer wieder. Und was die letzte „Revolution“ der Deutschen mal gleich wieder bestätigte.

Im Übrigen ist diese ganze Empörung der herrschenden Klasse über den „Wutbürger“ so geheuchelt, wie das weihnachtliche Willkommensgetöse in Richtung Armuts- und (Bürger-)Kriegsflüchtlinge. Doch der Wutbürger ist das ureigenste Kind jener jetzt gutmenschelnden herrschenden Klasse. Fühlt er sich nun betrogen, ob deren plötzliches Gutmenschentum, deren „Sozialdemokratismus“. Nicht der reaktionäre Klassenstandpunkt, ist ihm ein Problem, sondern dessen diesbezüglichen Inkonsequenz.

Und eine revolutionäre Linke hat in dieser Empörungsschickeria so wenig zu suchen, wie in den Kreisen der Wutbürger selbst. Eine rein moralische Kritik am Kapitalismus ist letztlich die verkommenste. Sie ist der Konkurrenz innerhalb des Kapitals und nicht der Solidarität innerhalb der Lohnarbeit geschuldet. Deswegen ist für mich die Kapitalismusschelte des Jesuitenpapstes Franziskus so verdächtig, wie eines Bischof Marx‘ „Kapitalkritik“ ein antimarxistisches, sprich: prokapitalistisches Machwerk.

„Früchte des Zorns“ war da noch ein brauchbarer Titel, kennzeichnete dieser doch den Klassenkampf einer ganzen Epoche. Doch einer Ditfurths „Zeit des Zorns“ arbeitet einer antisemitisch konnotierten Kapitalismusschelte zu. Nicht „den“ Banken gehört die Welt (vgl. „Wem gehört die Welt?“, ebenda, S. 43 ff.), sondern, wenn schon, dann dem „Finanzkapital“; was definitiv nicht dasselbe ist.

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