Wenn das Weib in 125000 Jahren unter sich ist

Wenn das Weib in 125000 Jahren unter sich ist
Wow, dieser Beitrag ist nicht nur inhaltlich der Fetischkultur, hier um des dem männlichen gefallen wollenden weiblichen Körpers, treffsicher auf der Spur, sondern auch stilistisch/ästhetisch ein Volltreffer. Sätze, die geradezu einen Lustschrei auslösen. Und dennoch provokanter als je eine „Emma“ hätte sein können oder wollen. Und dabei gar nicht wenig erotisch. Hier die Highlights: Der weibliche Körper konnte so zu einem zweiten Silicon Valley werden…Penetration durch Technik…zwecks Optimierung des Produktes Tochter für den männlichen Teil des Beziehungsmarktes. Besser kann man nicht den Kapitalismus und dessen nunmehr postpatriarchale Pseudoerotik auf die gespitzte Feder nehmen. Doch eine Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen, apropos Fetischkritik; und ich versuche da Bornemanns Kritik des Patriarchats (Das Patriarchat) fortzuführen. Wo zu Beginn des Patriarchats, durch Bornemann wunderbar beschrieben, eben in der Kritik der griechischen und römischen Antike, der männliche Körper dem weiblichen noch weitgehend nachempfunden war, scheint der Kapitalismus als letzte Klassengesellschaft, bzw. als letztes Patriarchat, nun die Kehrtwende zu machen. Die Ent-erotisierung beginnt mit der des weiblichen Körpers. Nicht dass das nicht schon lange stattgefunden hätte, doch in solch Radikalität und Perfektion? Die Amazonen der Antike sollen sich angeblich eine Brust abgeschnitten haben, um den Pfeil besser an den Kriegsbogen heranzuführen. Doch nun verliert das Weib noch den Rest seiner Weiblichkeit. Während es als Objekt im Bett, wie als „Subjekt“ (ich befolge da Roswithas Scholz‘ Einschränkung: Das Subjekt ist der Mann) im Kreißsaal, schon fast überwunden scheint, wird es als Subjekt 2.0. gewissermaßen neu erfunden. Um es diesbezüglich an die bis dato noch männlich konnotierten Bedingungen in der Produktionssphäre anzupassen, wird seine Gebärzeit so weit wie möglich nach hinten verschoben (vgl. den hervorragenden Beitrag hier in der FAZ: Der Fetisch mit den Frischzellen – mein Kommentar dazu wurde von der FAZ-Redaktion leider nicht freigeschaltet). Und das, was dann die Gebärlabors verlässt, wird wohl nie in den Genuss jener bis dato noch weiblich genannten Accessoires kommen. Denn, wie gesagt: als Objekt des Begehrens wie des der Begierde ist es schon fast obsolet. Und das just in einer Zeit, in der der männliche Genetiker Bryan Sykes, seinen Geschlechtsgenossen, auf geradezu masochistisch vorkommende Weise, das Verschwunden-sein jener Genossen in etwa 125000 Jahren ankündigt. Was Sie da aussprechen, Frau Fendel, wenn sie Eva Herzigova, in die „Zukunft des Körpers als Schnittmuster elektronischen Begehrens“ schauen lassen, ist daher so genial wie vermutlich noch untertrieben. Dennoch wage ich die Hoffnung auszusprechen, dass das Weib sich dies nicht wirklich so gefallen lässt, ob der Aussicht auch, in 125000 Jahren völlig unter sich zu sein.

Die Massen müssen sich selber überwinden
Danke, Herr Dorn; ich hatte es ganz vergessen. Bedauerlicherweise kann ich diese Aussage nachwievor so stehen lassen. Würde aber ergänzen, dass die aktuelle herrschende bürgerliche Klasse das Regierungsgeschäft (leider) besser beherrscht als ihre eigene Wirtschaftsweise. Und auch wenn wir in der Ära der Massen leben, wie ich hin und wieder Ortega y Gasset erwähnen lasse, wird es daher für diese Massen eben nicht leichter „angemessen zu reagieren“. Vielleicht gerade deswegen. Denn sie werden von ihresgleichen beherrscht, von den „Spezialisten“, die Ortega als die übelsten Vertreter der Massen denunziert. Wenn sie es also jemals schaffen, dann wird es wohl ihr absolutes Meisterstück. Sie müssen sich nämlich selber überwinden.

blogs.faz.net/10vor8/2014/11/10/die-ungehorsame-brust-2850

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