Was hat der Chauvinismus mit der Causa Hoeneß zu tun?, oder auch: Der Krieg scheidet die Geister

Der Krieg scheidet die Geister
Nachtrag, 12.03.2014:
Diesen Kommentar habe ich auch in einem Blog namens feynsinn hinterlassen. Der Kommentar wurde zu meiner Überraschung nicht freigeschaltet. Abgesehen davon, dass sich hier offensichtlich eine Diskussionsgemeinde eingefunden hat, die Ansichten von außen, also u. U. kritische Beiträge, nicht zur Kenntnis nehmen will, bzw. soll, sehe ich darin einen Beleg für die Verschärfung des ideologischen Kampfes. Während die Chauvinisten die Kriegstrommeln schlagen, bunkert sich eine linke Bohème, stellvertretend für das ganze sozialliberale pazifistisch auftretende Gesindel, ein – natürlich in der Nähe der Chauvinisten. In der Option, zur gegebenen Zeit von der einen oder anderen Seite Schützenhilfe zu erhalten, gegen die jeweils andere Seite. Man selber ist ja schließlich so „feynsinnig“ wie pazifistisch.

Dass eine link(s)liberale Bohème den Hoeneß verteidigt, wegen der „missachteten Unschuldsvermutung“ (welche Unschuld, er hat doch längst gestanden, wenn auch immer nur in Raten?), bzw. ob der „Hexenjagd“ auf ihn, ist besonders in der gegenwärtigen Weltlage der Zuspitzung aller Widersprüche des Kapitals kein Zufall. Auch die Argumentationslinie passt in die Zeit. Es geht schließlich um die Verteidigung von „Recht und Gesetz“. Dabei wird bewusst ignoriert, dass derselbe Hoeneß die Rechte seiner Arbeiter brutalstmöglich missachtet. Was sind schon die konkreten Rechte dieser „nicht ausgebildeten, der deutschen Sprache nicht mächtigen Arbeiter“ (so sein Bruder Dieter Hoeneß in aller Unschuld in die Presse tönend) gegen die Verteidigung des abstrakten (bürgerlichen) Rechts. Dass Hoeneß ein Oligarch ist, und zwar ein ziemlich lupenreiner, wird sowenig wahrgenommen, wie der Umstand, dass schon vor einiger Zeit die Klassenlinie solcher Oligarchen durch den Haus- und Hofphilosophen der Deutschen, den Baghwanguru Sloterdijk, vorgezeichnet wurde. Es ist unlauter, um nicht zu sagen: obszön, von der Bourgeoisie Steuern zu kassieren; man könnte sie ja auch um eine milde Gabe bitten – so in etwa eines Sloterdijks „Rebellion“ gegen den diebischen Staat. „Eigentum“ sei schließlich „Diebstahl“, den unglückseligen Proudhon nachplappernd, zumindest dies, wenn der Staat sich am Eigentum seiner Bürger vergreife.

Nicht übersehen, möchte ich auch, dass ich auf meinen Beitrag hin, den ich schließlich in der Urfassung an Herrn Roth gerichtet hatte, von diesem noch keine Antwort bekommen habe. Das ist sehr bedauerlich, was allerdings auf die eben beschrieben Sachlage verweist, und wie sie nicht unschöner sein könnte. Auch Herr Roth scheint hier nicht die Linie einer Volksrevolution erkennen zu können oder wollen, einer, die sich nicht nur gegen die russischen (oder ukrainischen), sondern eben auch gegen die westlichen Oligarchen aufzustellen hätte.
Der Krieg scheidet die Geister, wie die Revolution schließlich dann auch.

Vorspann:
Folgenden Kommentar habe ich heute auf der Facebookseite von Jürgen Roth hinterlassen. Da sich Herr Roth dort darüber zu wundern scheint, warum die Medien sich mit einem „Münchner Steuerkriminellen“ beschäftigen, während es in der „Ukraine brennt“ und in „Polen Kriegshetzer aktiv“ sind.
Wörtlich: „In der Ukraine brennt es, in Polen sind die Kriegshetzer aktiv, der kleine Zar in Moskau verhöhnt die Welt – und die deutschen Medien beschäftigen sich an erster Stelle mit einem Münchner Steuerkriminellen. Haben wir keine andere Sorgen?“ (vgl.
Nun, da ich da einen Zusammenhang sehe, und zwar ganz besonders am Beispiel der Gebrüder Hoeneß, vorausgesetzt, man fügt das in das passende Koordinatensystem ein, erhob ich dagegen Einspruch. Und da ich diesen Zusammenhang für nicht unwesentlich halte, gerade im Kontext des aktuellen Kriegsgeschehens um die Ukraine, und des dort wie hier zu erlebenden Chauvinismus‘ auf allen Seiten sende ich diesen Beitrag daher auch in meinem Blog:

Kommentar:
„Hier muss ich Ihnen widersprechen, Herr Roth. Bei der Causa Hoeneß lohnt es sich genauer hinzusehen. Aus einer bestimmten Perspektive mag es ja angehen, Steuerbetrug als Kavaliersdelikt anzusehen, doch der Skandal ist doch, dass, wenn er denn verfolgt wird, und wir wissen, wie schwer man sich bei gewissen Herrschaften tut, wird er vom Gesetz her härter bestraft als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und ist es etwa kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie die Arbeiter in der Nürnberger Wurstfabrik der Gebrüder Hoeneß behandelt werden? Zustände, wie in den von B.Traven geschilderten Urwäldern Chiapas, herrschen dort, wie überhaupt in der deutschen Fleischverarbeitungsbranche. Und was halten Sie von diesem unverhohlen vorgebrachten Chauvinismus, mithilfe dessen der Bruder des Uli Hoeneß die brutale Ausbeutung dort zu rechtfertigen sucht: Das ist genau die richtige Bezahlung für ungelernte, die deutsche Sprache nicht mächtige Leute? Meinen Sie nicht auch, dass hier derselbe rassistische Dünkel spricht, der nun auf beiden Seiten des Konfliktes um die Ukraine zum Vorschein kommt? Und wenn er dafür schon nicht belangt wird, dann hoffentlich für seine Gier, die dieser Steuerbetrug zum Vorschein gebracht hat.“

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