Es ist das Regime des Kapitals

Es ist das Regime des Kapitals
Bei all den Schwächen, die bekannt sind, bzw. hier auch benannt, ist dieser Aufruf notwendig. Wenn auch nicht hinreichend. Davon sind mit Sicherheit, zumindest gehe ich davon aus, auch die Unterzeichner überzeugt. Sie wollen, dass man ihnen folgt. Mit allen nur denkbaren und undenkbaren Mitteln. Es ist ein Aufruf an „uns“, nicht so sehr an die Regierenden. Es ist ein Aufruf, sich zu verabschieden von „ich hab nichts zu verbergen“. Es ist kein moralischer Apell, sondern ein politisches Manifest. Ob es schon zu spät ist, für Widerstand? Wer will das behaupten? Ich denke, es ist niemals zu spät. Nur werden die Folgen immer andere sein, je nach dem, wann wir gehandelt haben. Die Technik ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, das Regime, das diese Technik im Moment missbraucht, sehr wohl. Doch was ist das Regime? Ich denke, es ist das Regime des Kapitals, das sich gewissermaßen „alternativlos“ an die Wand gefahren hat.

Wo jedermann der Feind ist
Wo sehen Sie da den Unterschied Herr Hayes? Das heutige Finanzkapital ist eine Quasi-Aristokratie. Es entbindet diese nicht von der Klasse des Kapitals, und schon gar nicht von der Bewegung des Kapitals. Es versucht diese aber zu beherrschen, mit vielleicht „funktionärsfaschistischen“ Mitteln, um mal ihren etwas holzigen Begriff zu gebrauchen. Der „Markt“, im Sinne eines „Fetisch“ – als Objekt eines „falschen Bewusstseins“ – was nicht im Widerspruch steht zu seinem polit-ökonomischen Kategorie-sein (ich verweise hier auf die entsprechenden Ausführungen in „Das Kapital“, von Karl Marx), lässt sich auch pervers-kannibalistisch gebrauchen. Wo jedermann der Feind ist, und darin zugleich das „obskure Objekt der Begierde“ – auf Luis Buñuel spiele ich nicht ganz zufällig an – kommt das Streben nach Sieg auf diesem Schlachtfeld einer nihilistischen Obsession gleich. Wo die Klasse seine eigene Bewegung nicht begreift, verwandelt sich das Subjekt in ein (missbrauchtes) Objekt.

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