Wer nichts zu verbergen hat, ist ein Vollidiot

Wer nichts zu verbergen hat, ist ein Vollidiot
Solange es Leute bzw. gesellschaftliche Institutionen (gewisse Ämter von Staat oder Kommune) gibt, die da Informationen zu deinem Nachteil zusammenschnüffeln, gibt es mehr als einen Grund, ihnen das nicht all zu leicht zu machen. Ich hoffe nicht, dass ich das all zu detailliert hier erklären muss, denn das könnte mir schon zum Nachteil gereichen. Alles O.K.?
Alles andere, also inwieweit ich noch ein Privatleben habe, ist daneben nur von sekundärer Bedeutung, denn darum geht es nicht wirklich. Schon lange nicht mehr.
Hey Leute, wann wollt ihr das begreifen? Wir leben immer noch in einer Klassengesellschaft. Und was für eine. Jürgen Roth spricht von einer „Gangsterwirtschaft“, und er kann das auch gut belegen. Und die Rede ist hier nicht von dem kleinen Gangster, der dir vielleicht über den Balkon ins Haus steigt. Auch das wird natürlich dadurch erleichtert. Nein, es geht um das Kapital, das ganz große, das sich zunehmend zu einer kriminellen Vereinigung entwickelt. Und es geht um den Staat, der das „Vereinsrecht“ dazu geschaffen hat.
Und wer sich angesichts dessen hinstellt und sagt, dass er nicht zu verbergen hätte, ist ein Vollidiot, wenn nicht gar ein gefährlicher Irrer. Ein nützlicher Idiot dieser Gesellschaft, aber auf jeden Fall.

Wo sich Dünkel und Dummheit die Hand reichen
@Filou: Wo die Reaktion dreister wird, da greift auch die Zensur schärfer, denn es geht der Bourgeoisie offensichtlich ums Ganze. Und während der Kleinbürger sich in seine Schlupfwinkel verzieht, da darf die Revolutionäre Linke an Klarheit nichts mehr zu wünschen übrig lassen, denn auch ihr geht es immer ums Ganze. Die Massen müssen wissen, woran sie sind. Sie dürfen, ja sie müssen, sich entscheiden: Hier Revolution da Konterrevolution.

Mut und der Wille zum Handeln sind allerdings Eigenschaften, die man nur im Kampf erlernt. Das geht nicht als theoretischer Diskurs. Und daher muss auch die Theorie praktischer werden, Konsequenzen einfordernder. Verbindlicher! Aber sie darf an ihrer selbstkritischen Tiefe nichts einbüßen, sonst wird aus der Initiative ein opportunistisches Abtasten, ein kleinbürgerlicher Putschversuch, eine politische Intrige oder gar staatlich gelenkte Provokation eben, bestenfalls eine Palastrevolte, also das kecke Aufbegehren von Teilen der Privilegierten selbst, ein reaktionäres (Ablenkungs-)Manöver oder Abenteuer.

Die Nach-Sarrazin-Epoche hat begonnen. Die Welt, zumindest in Deutschland, ist nicht mehr dieselbe. Wenn auch der Dünkel und die Dummheit sich immer noch die Hand reichen.

Was Tun? ist nicht überholt!
@Trebanek: Wo Sie Recht haben, da haben Sie Recht. Aber lesen Sie meinen Weblog! Und auch was das Thema angeht, da liegen Sie voll richtig. Partei und Klasse ist nachwievor die zentrale Frage. Allerdings muss die Theorie nicht komplett neu geschrieben werden. „Was Tun? von Lenin, ist für mich nicht überholt. Die Besondere Frage heute wäre aber das Verhältnis der Intelligenz zur Klasse. Woher kommt sie? Wie bildet sie sich? Und wie muss unterschieden werden zwischen den von Marx erwähnte „Bildungselementen“, die der Arbeiterklasse ständig zugeführt werden, und die das Bild der Klasse nach außen verändern (wären das heute vielleicht die IT-Proletarier, die „Prekarier“, oder gehören die weiterhin zur kleinbürgerlichen Intelligenz?) und der Parteiintelligenz, der „Arbeiterintelligenz“ im engeren Sinne, der Intelligenz, die das Proletariat nur innerhalb der Partei herausbildet, und die das Bild der Partei im Innern prägt?
Von der Beantwortung dieser Frage hängt ab, ob wir noch ein Revolutionäres Subjekt zustande bringen, oder ob wir die „Krise des Subjekts“ gerade erleben, wie Robert Kurz das meint.

Gibt es noch ein Revolutionäres Subjekt, das der Arbeiterklasse, oder gibt es keines mehr? Und das bedeutet auch: ist der Klassenkampf noch ein revolutionärer, einer der den Sozialismus erkämpft, oder ein Abwehrkampf einer eigentlich schon obsoleten Klasse?
Diese Frage lässt sich nur grundsätzlich, das heißt aus dem dialektischen Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit heraus, dennoch konkret beantworten.

Als Arbeitsthese würde ich folgendes sagen: Ist das Kapital an seine innere Grenze gestoßen, dann wäre das auch das Proletariat. Ist das nicht der Fall, dann ist auch das Proletariat nach wie vor die Klasse, die das Kapital zu Fall bringen muss, um zu leben. Alleine fällt es nicht. Es geht um Sieg oder Untergang – auf beiden Seiten.

Die Krise des Proletariats ist überhaupt nichts anderes als Produkt des Fehlens der Partei. Ohne diese Partei unterscheidet sich diese Klasse in keinem Punkt von den anderen lohnarbeitenden Schichten und Elementen, resp. den kleinbürgerlichen. Objektiv revolutionär ist das Proletariat nur, wenn es subjektiv dazu befähigt wird.

Das nicht (mehr) erkennen zu können, oder wollen, spricht allerdings mehr für eine Krise der Intelligenz, der sog. revolutionären Intelligenz, der eben nach wie vor hauptsächlich kleinbürgerlichen Intelligenz als der des Proletariats. Und das fällt zusammen mit dem Bestreben des Kleinbürgertums die bürgerliche Demokratie, die per definitionem immer eine kleinbürgerliche war, abzuschaffen.

Auch der Pseudosozialismus in der DDR war nichts anderes als eine Diktatur eines zur Bourgeoisie avancierten Kleinbürgertums. Nach der deutschen Wiedervereinigung steht die bürgerliche Diktatur in ganz Deutschland auf der Tagesordnung. Und es kommt nicht ungefähr, dass sich die westliche Bourgeoisie da kräftig aus dem Erfahrungsschatz seiner kleinbürgerlichen Schwestern bedient. In dieser Hinsicht haben die Konservativen sogar recht, wenn sie von einer Kopie der Stasidiktatur reden, wenn sie die Merkel angreifen, nur wissen sie halt nicht, wovon sie wirklich reden, nämlich von der Diktatur ihrer Klasse.

Der Klassenkampf wendet sich daher auch zunehmend gegen das, was „Die Linke“ zum Teil repräsentiert, zumindest in den Teilen, in denen sie die Repräsentanten dieser Stasidiktatur bleiben.
Der Klassencharakter dieser Partei schwebt zwischen einer arbeiteraristokratischen alten westlichen Zuschnitts und einer neuen kleinbürgerlichen aus der alten „neuen Bourgeoise“ der ehemaligen DDR. Innerhalb dieser Partei spiegelt sich damit die Krise der bürgerlichen Demokratie 1 zu 1 wider. Die Bourgeoisie strebt danach, das sich reaktionär radikalisierende Kleinbürgertum an sich enger zu binden. Es benötigt dieses für seine konterrevolutionären Putschpläne.

Der Ausgang dieses Manövers hängt im Wesentlichen davon ab, ob es dem Proletariat gelingt, diese sich radikalisierenden Kleinbürger diesbezüglich zu neutralisieren, teilweise auf seine Seite zu ziehen (Stichwort: Prekariatsdebatte). Und auch dafür benötigt die Klasse unbedingt die Partei. Die Reste der Arbeiteraristokratie, die innerhalb der Linken noch gebunden sind (innerhalb der SPD kann man nicht ernsthaft noch von solchen Elementen reden), sind als Agenten der Bourgeoisie innerhalb der Masse der Arbeiterklasse eigentlich schon obsolet. Ihr sinkender Masseneinfluss zeigt sich am deutlichsten am Zerfall der SPD.

Die Partei, die sich da zu gründen hätte, darf sich nicht auf diese reaktionären oder gar schon obsoleten Elemente der Vergangenheit stützen, sondern ausschließlich auf die aufstrebenden und vor allem gebildeteren Elemente der Klasse, solchen, die sich aus der Veränderung der Produktionssphäre heraus noch als Klasse des Proletariats definieren lassen.
Es kommt nicht darauf an, wie groß diese Klasse ist und die Partei, die sie repräsentiert und führt, sondern auf die Qualität.

Das Profil einer Klasse wird von denen gestaltet, die für sich erkennen, dass Qualität ihren Preis, hohe notwendige Bildung, ihren „Lohn“ erheischt, und das macht „klassenbewusst“. Allerdings nicht spontan, aber dazu weiter unten. Die Teile der Klasse, auch und gerade im Industriesektor, die das begreifen, sind die wichtigsten, sind die neue „Avantgarde“. Das werden in Zukunft vor allem die Bereiche der Chemieindustrie, bzw. auch der Biotechnologie sein, von deren Entwicklung die Zukunft der Menschheit und damit auch der Klassenkämpfe abhängen wird. Im Kern sind das Bereiche, die ohne Computertechnologie und teilweise wissenschaftlich-technische Bildung und Ausbildung nicht mehr denkbar sind, auch und gerade im Bereich der produktiven Lohnarbeit.

Im Kampf um diese Elemente, d.h. um die Köpfe dieser Elemente, geht es ganz konkret gegen den Einfluss der Arbeiteraristokratie, der dort besonders groß ist. In dieser Hinsicht ist die Arbeiteraristokratie und eben nicht das Kleinbürgertum nach wie vor der ideologische Hauptgegner, ist die Arbeiteraristokratie nicht obsolet.

Die Partei formiert sich daher immer noch im Kampf gegen den Reformismus und Revisionismus innerhalb eben der Klasse. Ein ideologischer Einfluss, der wohl „von außen“ (vom Bürgertum) kommt, doch definitiv sich aus dem chauvinistischen Potential einer Avantgarde rekrutiert. Der Kampf gegen den kleinbürgerlichen Einfluss spielt nur da eine entscheidende Rolle, wo sich Teile der revolutionären Intelligenz hieraus entwickeln, nämlich sich proletarisches Klassenbewusstsein erarbeiten müssen. Doch bleibt dies sekundär.
Wo diese Hauptkampflinien vertauscht werden wird die Partei revisionistisch. Diese Erfahrung hat die gesamte kommunistische Weltbewegung jetzt mehrfach gemacht.

@Tiberiat: „Fäkalsprache, Verunglimpfungen und Verleumdungen“? Habe ich was überlesen?

„Flexible Ökonomie“
@Triberiat/Trebanek: Oh, die ersten 3 Beiträge hatte ich gar nicht gelesen, wegen der vielen „Flüchtigkeitsfehler“, das ging mir auf die Nerven.
Interessant finde ich den Hinweis von Trebanek bzgl. des Kommerzes um all dessen. Diese Kritik fordert geradezu die Beschäftigung mit dessen was man auch „Subjekt“ nennt heraus. Gerade zu passend auch zu dem, was ich in meinem „Philosophus Mansisses“, geschrieben habe – Stichworte Nihilismus versus Revolutionäres Subjekt -, finde da auch Interessantes in einem Interview mit Slavoij Zizek, wo er als Antwort auf die „flexiblen Ökonomie“ eines spät gewordenen Kapitalismus das „hysterische Subjekt“ rehabilitiert. Und keine Frage, das o.g. Gestammel samt seiner Fäkalsprache, dürfte wohl das gewesen sein, worauf Zizek rekurrierte:

„In diesem Sinn ist Perversion keineswegs subversiv, und der erste Schritt in Richtung Subversion ist exakt der, den hysterischen Zweifel neu einzuführen. Ich denke, daß die sozialen Beziehungen heute multiple Identitäten voll anerkennen können. Das ideale Subjekt ist heute bisexuell: Ich habe Spaß mit Männern, Spaß mit Frauen, alles ist möglich und nichts davon ist subversiv. Ich denke nicht, daß die perverse Strategie, sich die schlimmsten Perversionen auszudenken, um an den Punkt zu gelangen, an dem das System es nicht mehr ertragen kann, Sinn macht. Ich denke das ist politisch falsch und es funktioniert auch nicht. Wenn man sich etwa das Kunstsystem ansieht: Dort werden perverse Transgressionen direkt vom Establishment organisiert, um den Markt am Laufen zu halten.“

Ich empfehle die ganze Lektüre dieses Interviews, wie im Übrigen auch sein Buch: Die Parallaxe.

faz.net/blogs/deus/archive/2010/11/10/das-private-ist-neolithisch

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  • Von Es ist das Regime des Kapitals am 10. Dezember 2013 um 22:11 Uhr veröffentlicht

    […] Aufruf an „uns“, nicht so sehr an die Regierenden. Es ist ein Aufruf, sich zu verabschieden von „ich hab nichts zu verbergen“. Es ist kein moralischer Apell, sondern ein politisches Manifest. Ob es schon zu spät ist, für […]

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