Die einzige Sozialistin am Tegernsee und Schirrmachers plötzlicher Anfall von Schwachsinn

Die einzige Sozialistin am Tegernsee und Schirrmachers plötzlicher Anfall von Schwachsinn
@Don Alphonso: Im Gegensatz zu ThorHa lese ich die Aktivität jener Dame, die da die tausendjährige Linde auf öffentlichen Grund gleich mitpflegt, als Beleg für das Funktionieren von „Gemeinwirtschaft“. Belegt doch gar das Alter dieses Baumes die Möglichkeit des Überlebens über gleich mehrere „ökonomische Gesellschaften“ hinweg. Die „Gemeinwirtschaft“ funktioniert nur dann nicht (nur noch nicht), wo das Denken von der Privatwirtschaft beherrscht wird. Vielleicht ist diese Dame gar die einzige Sozialistin am Tegernsee.

@Vroni: Sie sprechen mir aus der Seele. Auch mich hat dieser offenkundig rein affirmative Artikel Schirrmachers so schockiert, dass er mich sogar davon abgehalten hat – vorerst hoffe ich –, dazu einen Leserbrief zu schreiben. Wollen wir hoffen, dass das nur ein Anfall von Schwachsinn bei Schirrmacher war. Oder dürfen wir am Beispiel dieses (groß)bürgerlichen Intellektuellen Schirrmacher erleben, wie allzu viel Dünkel so schädlich wirkt wie gewisse (entartete) Prionen im Hirn der vom Menschen missbrauchten Kreatur.

Welch ein Dünkel anzunehmen, dass der Bürger nur per professionelle Boten vom Kapital über den Tisch gezogen werden will. Was erfahren wir denn noch, auch und gerade von der FAZ? Entweder das, was wir längst wissen, oder genau das nicht, was das Subjekt in Unruhe versetzen könnte.

Ich sagte es bereits an anderer Stelle, nämlich dass auch die FAZ in nicht allzu ferner Zukunft das Zeitliche segnen wird. Der Berufsintellektuelle wird allerdings noch viel früher ausgestorben sein.

Denn auch wenn der Klassenkampf erfolgreich unterdrückt wird, oder in unschädliche Bahnen abgelenkt, die ökonomische Grundlinie lässt sich so nicht überlisten. Was spätestens mit Beginn des sog. Informationszeitalter auf der Abschussagenda steht, ist die Teilung der Arbeit (ja ist die Arbeit selbst), letztlich die Teilung in Klassen, die gegebene „ökonomische Formation“ also.

„Das schöne Leben“
@Hermes: So neu ist die Währung vermutlich gar nicht. Literarisch ist Oblomow (von Iwan Gontscharow) ein Genuss, dennoch wäre er als reale Figur, oder auch als Kopf auf einer Euromünze z.B., vermutlich schon eine Zumutung. Lenin hat sich wiederholt wegen der weitverbreiteten „Oblomowerei“ im russischen Volk beschwert, dabei rekurrierend auf den polemisch gebrauchten Begriff schon in der sozialrevolutionären Literaturszene. So ironisierte er böse: „Die Oblomows sind geblieben, und zwar deswegen, weil der Oblomow nicht nur ein Gutsbesitzer war, sondern auch ein Bauer, und weil er nicht nur ein Bauer ist, sondern auch ein Intelligenzler war, sondern auch ein Arbeiter und Kommunist. Es genügt uns selbst anzuschauen, wie wir Sitzungen abhalten, wie wir in den Kommissionen arbeiten, um zu sagen, der alte Oblomow ist übrig geblieben, und man muss ihn waschen, reinigen, bürsten und schlagen, bis irgendein Sinn aus ihm herauskommt.“ (vgl.: forum.rollingstone.de, zuletzt entnommen 28.11.2012)
Wie nahe sich allerdings postmoderner Nihilismus und russisch-orientalische Oblomowerei sind, zeigt womöglich die Neigung zu einem gewissermaßen postmodernen Oblomow nunmehr auch im Westen, bekannt hier unter dem Titel „Das schöne Leben“. Ein amüsanter Gedanke, dass diese Literaturfigur nicht nur den Sozialismus, sondern jetzt auch den Kapitalismus zugrunde richten könnte. Als einen interessanten Fund zu diesem Thema möchte ich diesen hier vorstellen.

Die ursprüngliche Voraussetzung wird gelöscht
@Hermes: Ich nehme an, Sie meinen „Simulatorfrage“ und beziehen sich hier auf einen Beitrag von mir in diesem Blog.

Und Ja, was Sie da berichten ist nicht uninteressant. Ich versuche es mal so zu interpretieren: Die Welt ist vermutlich weniger komplex als wir sie erfahren. Wir verstehen sie nur nicht, da wir sie im Moment unseres Erlebens sogleich „simultan“ (!) gestalten. Komplex hierbei ist nur, dass dieses „Gestalten“ nicht voraussetzungslos geschieht, und es, da eben von uns in einem fortlaufenden Prozess geschehend, sich dem bereits Gestalteten so einfügt, als würde diese „Voraussetzung“ gerade eben erst geschaffen. Marx hat sich ähnlich über die Entwicklung des Kapitals geäußert. Die Mehrwertproduktion, welche ja bekanntlich (nach marxistischer Diktion) erst möglich ist unter der Voraussetzung des Vorhandenseins einer Lohnarbeiterklasse, ist zugleich die Voraussetzung für die Lohnarbeiterklasse selber. Dieses Paradox löst sich nur auf, wenn wir die Geschichte nicht nur als Abfolge von (historisch-dialektischen) Prozessen (Klassenkämpfen und dgl.), sondern auch von „Verschränkungen“ zwischen dem Konkreten und dem Allgemeinen, also logisch, begreifen. Wobei die wahre „Geschichte“, als dialektische Geschichte begriffen, vom Allgemeinen zum Konkreten aufsteigt. Doch bei der Betrachtung der Geschichte sich uns dann umgekehrt präsentiert. Hierbei vermischen sich „Voraussetzung“ und „Neues“. Dialektik und Logik.
Auch die Beziehung zwischen Objekt und Subjekt wechselt ständig, ohne dass es dem Subjekt gelänge, seine Eigenbewegung davon losgelöst zu fixieren, bzw. ein Objekt im ontologischen Sinne zu erkennen. Ständig sind wir beides, Objekt wie Subjekt, Kreatur wie Createur.

Das macht auch das „Kapital“ von Karl Marx als „Geschichte“ so schwer lesbar, denn es ist keine reine Geschichte (vgl.: dieterwolf , ich erwähnte ihn schon früher, letzter Zugriff: 28.11.12)
Aufsteigend von der Ware, als dem Wesen der kapitalistischen Gesellschaft, beschäftigt sich Marx dann erst im Folgenden auch mit der Ware selber, mit ihrer historischen Bedingtheit, ihrem Formwandel in der Geschichte ökonomischer Gesellschaften, ihren Wechselwirkungen jeweils. Obwohl die Ware damit vorausgesetzt wird, für das Folgende, erklärt das Folgenden erst die Ware.

In den „Grundrissen“ hat Marx dann einen wichtigen Hinweis zu diesem „Paradox“ geliefert. Dort erklärt er nämlich, dass das Kapital halt nicht nur „abstrakte Arbeit“ ausbeutet, sondern auch sog. „natürliche“ Arbeit, „Arbeit sans Phrase“ , wie er diese nennt, und wie sie schon zu allen Zeiten zum Menschen gehörte – zu dessen Stoffwechsel mit Natur und Gesellschaft. Das Kapital beutet also seine „fremden“ Voraussetzungen aus, um erst im Nachhinein – darauf begründet – seine „eigenen“ zu schaffen. Und wo das geschieht, ändert sich auch das Wesen der Voraussetzung. Unter kapitalistischen Verhältnissen, der Ausbeutung der Lohnarbeit, gibt es keine ausbeutungsfreien Arbeitsverhältnisse mehr. Selbst als Selbstausbeutung also Ausbeutung. So entsteht der Anschein, als wären Arbeit (sans Phrase) und abstrakte Arbeit schon immer dasselbe gewesen. Als wäre Menschlein schon immer ein ausgebeuteter Lohnarbeiter. Das im Nachhinein Geschaffene erscheint als schon immer gewesene Voraussetzung. – Die ursprüngliche Voraussetzung – wird gelöscht.
Und so ähnlich ist es auch mit dem ganzen Kosmos. Ja ein gewisser ist uns vorausgesetzt, ein uns fremder, doch das, was wir heute zu erforschen suchen, ist auch unser Produkt, im Besonderen: unser geistiges.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2012/11/26/die-kosten-von-luxus-und-niedergang

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