Fast die ganze Wahrheit

Fast die ganze Wahrheit
oder auch: Ist der FAZ-Blog gleicher Betitelung nicht eigentlich erledigt?

Hier meine dort vermerkten Beiträge:

Bei allem Verständnis für diese eben völlig berechtigte Kritik an den konservativen „Mittelalten“ (da zähle ich wohl auch dazu – nicht zu den Konservativen!, wo ich das nur wenig anders formuliere), sollte nicht unterschlagen werden, dass auch dieses Europa keines der Völker ist. Ich habe es vor Jahren einmal versucht, das gegebene Europa mithilfe des Euphemismus‘ „Europa der Nachbarn“ zu unterwandern. Bis nach Berlin – ins Auswärtige Amt – bin ich gekommen. Aber wen wundert es, dass der junge – extrem junge – Staatssekretär vorab bestens informiert war, über mich und meine politische Vita. Doch obwohl es mich ein wenig amüsierte, dass ich mit meinen unverhohlen subversiven Ansichten bis in die Reihen der CSU dringen konnte, machte es mich auch nachdenklich.

Sollten wirklich die bayrischen Sonderlinge die einzigen sein, den dieser Braten aus Brüssel nicht schmeckt? Und sollte etwa eines Lenins Einwand, nämlich, dass dieses Vereinte Europa entweder eine reaktionäre Utopie oder schlichtweg ein Unding ist, völlig überholt sein?

Gerade das wunderschöne Italien, das Sie hier beschreiben, werter Don Alphonso, hat doch am meisten unter diesem Europa, besser: unter dem Euro, gelitten. Bis auf die sicher nicht wenigen Eurogewinner. Die Masse der Völker rings ums Mittelmeer ist heute ärmer denn je, teilweise schon enteignet, wenn sie Hausbesitzer waren.

Natürlich ist die genannte Alternative keine wirkliche. Ein Zurück zum alten Währungssystem scheint nicht nur nicht möglich, sondern eben keine Lösung. Denn die Massenverarmung hätte es auch so gegeben. Nur hätte sie dann einen anderen Namen.

Die Griechen erkennen das nicht ganz falsch. Es ist und bleibt das koloniale Verhältnis, was dieses Elend verursacht. Mit oder ohne Euro. Es ist u.a. eine neue deutsche Großmacht, welche nämlich an diesem Elend prächtig verdient. Nicht ganz überraschender Weise seit der Wiedervereinigung in ganz besonderem Maße. Doch wo uns die Konservativen glauben machen möchten, dass ein viel zu niedrig bewerteter Euro für neue deutsche Armut stehe, da ist es genau umgekehrt. Er steht für neuen deutschen Reichtum, allerdings ebenso wie für mickrige Löhne. Doch dass der „Mittelstand“ am meisten verarme, das lässt sich bestenfalls überhaupt nur damit begründen, dass ein solcher Mittelstand noch was zu verlieren hat.

Und das scheint mir des Pudels Kern. Der Euro macht es leichter die Machtverhältnisse – wie die Klassenverhältnisse – zu verschleiern. Scheinbar gleich sind wir doch alle. Und es ist eben die Rolle der Konservativen die diesbezügliche Wahrheit auf den Kopf gestellt zu belassen. – Nein: so schimpfen sie: Die wahren Armen sind die (gestrigen) Reichen (FAZ). – „Gestrig“ sagen sie nicht. Und das nur, weil dieser Euro es ermöglicht hat, die Schere zwischen reich und arm besonders in den armen Ländern noch mal größer werden zu lassen. Dort also u. U. die reicheren Reichen sitzen. Aber wer sitzt den dort? Es sind doch „unsre“ Reichen!

Man muss die konservativen Wahrheiten also nur auf die Füße stellen, und wir haben fast die ganze Wahrheit.

Auf die Bemerkung Don A., dass wir wohl ein Problem haben, doch offenbar nicht die richtige Antwort, jedenfalls nicht mit der „AfD“, meine Stellungnahme:

Wo sich alle bürgerlichen Kräfte vereint sehen
Wie wär‘s damit. Gerade gepostet als Leserbrief : hier:

Wo sich links von rechts unterscheidet
Dass die AfD eine konservative – somit nicht linke – Partei ist, dürfte unbestritten sein. Dennoch würde ich sie nicht so ohne weiteres dem rechten Rand zuordnen. Der im Umfeld dieser Partei zu beobachtende extreme Antikommunismus sollte die Linke nicht dazu verleiten, sie allein danach zu beurteilen. Reicht doch der Antikommunismus bis in die Reihen der Partei „Die Linke“ selbst. Von der Position einer revolutionären Kritik an diesem Europa des Kapitals aus, sollte eine revolutionäre Linke die Auseinandersetzung mit dieser Partei, gerade in der Kernfrage, nämlich in der Haltung zum „Vereinten Europa“, nicht scheuen. Ein „Europa der Völker“ kann man, ja muss man verteidigen, doch richtet sich eine solche Politik fundamental gegen eine deutsche Vorherrschaft. Und so wie sich dort alle bürgerlichen Kräfte vereint sehen, nämlich in der „Verteidigung der deutschen Interessen“, so unterscheidet sich genau hier links von rechts.“

Und jetzt ein grundsätzliche Frage zum Blog: Muss ich zukünftig doppelt posten? Oder wie soll ich mit den parallel laufenden Blogs umgehen? Ist der FAZ-Blog nicht eigentlich erledigt?

Eine Welt ohne Ignoranten
@ThorHa: Hier eine des Marxismus völlig unverdächtige Adresse.

Und was will uns das vielleicht sagen? Mir zumindest: was wäre die Welt ohne ihre Ignoranten? Vielleicht ein Paradies, doch diesbezüglich wohl genauso reizlos.
Grüße Herold Binsack

spatmittelalte-manner-traumen-von-alten-reichen

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3 Trackbacks

  • Von Wenn revolutionärer Widerstand ökonomisch ausgebeutet wird am 19. Juli 2013 um 23:54 Uhr veröffentlicht

    […] scheitern am Subjekt, am falschen. Der „Wertkonservative“ mag es bis zu einer AfD bringen, doch dort wird er scheitern. Und eines Schirrmachers Rufe bleiben solche in der Wüste. […]

  • Von Wem schadet die AfD am meisten? Wem nützt der Anschlag somit? am 26. August 2013 um 18:29 Uhr veröffentlicht

    […] für eine rechtsradikale Unterwanderung. Doch sollten wir die Frage ganz konkret stellen: Wem schadet eine AfD? Die Frage so gestellt, heißt sie eigentlich schon beantwortet zu haben. Denen, die an diese Partei […]

  • Von Das Bündnis zwischen Demokratie und Sozialismus herstellen am 29. Dezember 2013 um 13:52 Uhr veröffentlicht

    […] die engsten Verbündeten der USA seit dem 2. Weltkrieg sind. Und zwar ob ihrer Gemeinsamkeit im „Antibolschewismus“. Franz Josef Strauß lässt immer noch grüßen. Seit dem Fall der Mauer scheint das obsolet. Doch […]

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