Dauerhafte Schwächung des Immunsystems der demokratischen Völker Europas

Dieser Beitrag wurde von der FAZ-Redaktion zu meiner Überraschung freigeschaltet, obwohl er sich inhaltlich von diesem hier nicht wirklich unterscheidet!

Dauerhafte Schwächung des Immunsystems der demokratischen Völker Europas
Aus europäischer Sicht, also aus demokratischer Perspektive, genügt es nicht, sich nur über ein paar „undemokratische Verfassungsartikel“, resp. – Praktiken aufzuregen. Und dass Ungarn unter der Orbán-Regierung die Rolle rückwärts macht, in Richtung jenes monarcho-faschistischen Miklós Horthy-Regimes nämlich, und welches Ungarn schließlich an die Seite des Hitlerfaschismus führte, sollte nicht nur die Demokraten Ungarns besorgt machen. Ein solches Ungarn, zumal im Innern durch eine entsprechende Mehrheit gestützt, schwächt dauerhaft das Immunsystem der demokratischen Völker Europas. Orbáns Sprüche wie: „Ungarn ist eine Weltnation, nicht nur im Karpatenbecken zerstreut, sondern weltweit“, sind über die (mittelbare) Drohgebärde gegenüber dessen unmittelbaren Nachbarn hinaus, jene (unmittelbare) Demonstration eines aggressiven Nationalismus, welcher in zwei Weltkriegen etwa 100 Millionen Menschen vernichten half.

Keine lokale Angelegenheit
@Cornides: Aggressiver Nationalismus lässt sich nicht lokal begrenzen. So stellen z.B. die Aktivitäten der sog. „Grauen Wölfe“ überall dort eine Gefahr dar, wo sie ihre Anhänger rekrutieren, bzw. wo sie sich als verlängerter Arm ihrer jeweiligen Staatsmacht verstehen. So lassen sich die türkischen Faschisten nicht selten vom türkischen Auslandsgeheimdienst MIT rekrutieren. Türkische Faschisten haben im Übrigen kein Problem damit, sich mit deutschen Nazis zu verbünden, und das, obwohl sie wissen, wie die Nazis die Türken hier einschätzen und behandeln. So ist im Kontext der NSU-Untersuchungen hochgekommen – im Stern wurde darüber berichtet, bezugnehmend auf US-Geheimdienstquellen –, wie offenbar derselbe türkische Mitarbeiter des MIT (Agent oder V-Mann?), welcher schon der „Sauerlandgruppe“ die Zünder geliefert haben soll, auch hier in Erscheinung getreten ist. Das Ergebnis kennen wir.

Hier wie dort verkommt die Demokratie zum Hütchenspiel
@Blum: Niemand hat das ungarische Volk daran gehindert, dieses Regime zu wählen. Mein Einwand gegenüber Brüssel ist ja gerade, dass von dort aus weitestgehend nur formaljuristisch und nicht wirklich politisch argumentiert wird. Die Provokation der Völker Europas nicht zum Gegenstand der Kritik gemacht. Eine solche Kritik richtet sich nämlich nicht bevorzugt gegen die (inneren) Zustände eines einzelnen Mitgliedstaates, wie z.B. Ungarn jetzt, sondern sie hat genau jene Wechselwirkung im Auge, die es lokalen Potentaten erst interessant erscheinen lässt, sich eben nicht nur in der Täuschung des eigenen Volkes zu versuchen. So ist es doch eine Steilvorlage für einen Orbán, wenn ein Juncker z.B., wie vor nicht allzu langer Zeit geschehen, öffentlich darüber räsoniert, wie er einen demokratischen Meinungsbildungsprozess zu manipulieren versteht. Hier wie dort verkommt die Demokratie zum Hütchenspiel.

Ja, auch die Opfer des Stalinismus darf man als die Opfer zweier Weltkriege rechnen
@Schnappe: Allein der 2. Weltkrieg hatte wenigstens 50 Millionen Tote zur Folge. Zu den Toten des 1. Weltkrieges sollte man noch die Opfer der zwischen 1918 und 1920 gewütet habenden Spanischen Grippe hinzurechnen. Wie das vor einiger Zeit in einer Fernsehdokumentation auch gemacht wurde. Die verheerenden Auswirkungen dieser Seuche wurden da nämlich auch als Kriegsfolge thematisiert. Die vom Krieg geschwächten Völker waren eine leichte Beute für eine Krankheit, die ansonsten vermutlich erheblich weniger Opfer gefordert hätte. 25 Millionen Menschen wurden da in mehreren Wällen hinweg gerafft. Addiert man die 17 Millionen unmittelbaren Kriegstoten hinzu, sowie die vermutlich nicht zu zählenden Opfer der darauf folgenden Hungerjahre dürften wir locker auf 100 Millionen in 2 Weltkriegen kommen. Und ja, sie haben Recht! Auch die „Opfer des Stalinismus“ darf man als die Opfer zweier Kriege, nämlich einschließlich deren Bürgerkriege, rechnen.

faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/streit-um-verfassungsreform-eu-kommission-will-ungarn-verklagen

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3 Trackbacks

  • Von Die längste Stunde des Finanzkapitals am 19. Juni 2013 um 07:47 Uhr veröffentlicht

    […] ich jetzt zum 3. Mal. Er wurde nun wiederholt gehackt. Das scheint ein Kampf gegen den türkischen Auslandsgeheimdienst MIT zu sein. Selbstredend ein Kampf wie David gegen Goliath. Ich weiß nicht, wie das enden wird. Aber […]

  • […] vornehmlich aus deren Sicherheitsdiensten, macht das Bild scheinbar perfekt. Doch am Beispiel Ungarn sehen wir, dass die Ewiggestrigen nicht von gestern, sondern von vorgestern sind. Und darüber […]

  • Von Eines Brechts Mahnung am 23. Januar 2014 um 22:20 Uhr veröffentlicht

    […] der Westen den Osten zu kolonisieren suchte, kamen in Ost und West, außer in der Sowjetunion, protofaschistische, bzw. ultranationalistische Regimes an die Macht. Schließlich siegte in Deutschland und Italien der Faschismus. Am aktuellen Beispiel […]

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