Zu viel des Alten

Zu viel des Alten
„Diese Dialektik zwischen Individuum und Umfeld, Prägung und eigener Perspektive wird sich wohl nie ganz auflösen lassen.“ Nun ja, das ist nun genau der Satz vom Widerspruch, der mich zum Widerspruch treibt.
Die Menschen machen die Verhältnisse, die sie wiederum selber „machen“. Das bedeutet, dass sie diese Verhältnisse nur in dem Rahmen gestalten, der ihnen vorgegeben ist. Das gilt auch für die, die den gewöhnlichen Rahmen zu übergreifen verstehen. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Selbst die tiefste oder weitest gehende Perspektive erarbeiten wir uns, indem wir uns entlang der uns umgebende und solchermaßen uns prägende Umgebung abarbeiten. Und selbst wenn wir dabei unsere Prägung überwinden, bleibt dies partiell. Die Prägung hat uns fest im Griff. Selbst die Methode der „Überwindung“ bleibt der Prägung treu.
Allgemein philosophisch ausgedrückt: Indem wir werden, bringen wir das Gewordene erst zum Vorschein. Die biologische Vielfalt, zu der das geistige Leben des Menschen letztlich zählt, scheint demselben Fraktale-Algorithmus zu folgen, wie unser ganzer physikalisch zu beobachtender Kosmos. Ewige Reproduktion-Selbstähnlichkeit. Die Rolle des Überschuss‘ dort wie hier, dort an Gravitationsfeldern, hier an Funktionen, für die Entstehung von neuem, für die Mutation, lässt sich vielleicht so beschreiben:
Das Neue folgt dem Alten solange, bis es das Alte über hat, zu viel des Alten.

faz.net/blogs/antike/archive/2012/11/18/mit-archilochos-wider-den-strom

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3 Trackbacks

  • Von Das Licht, die Perspektive und die Zeit am 13. Dezember 2012 um 21:00 Uhr veröffentlicht

    […] macht das einen Sinn. In die sog. 3. Dimension, welche ja den Raum erst begründet, wäre ehe die „Perspektive“ inbegriffen. Die Theorie vom Hologramm würde nichts Weiteres sagen, als dass die ganze Raum-Zeit […]

  • Von Für die Einen die Fortsetzung des Alten, für die Anderen dessen Ende am 8. September 2013 um 16:13 Uhr veröffentlicht

    […] beschreibbar, wie ein Übergang dieses Kosmos in den Postkosmos, ohne die Umkehrung der Wirkung der Gravitation innerhalb eines „schwarzen Lochs“ als Bruch der Kontinuität, als Revolution quasi erklärt zu […]

  • Von Eine gigantische Masse scheint der Zeit entzogen am 6. Januar 2014 um 12:23 Uhr veröffentlicht

    […] der Geschichte zusammenfiel: der zwischen Mann und Frau. Zu viel auf engstem Raum, zu schwer dessen Gravitationskräfte. Und wie am Ereignishorizont eines Schwarzen Loches zu beobachten, scheint eine gigantische Masse […]

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