Morgens auf dem Ergometer – das neue Framing

Morgens auf dem Ergometer.
Das neue Framing
Seit ich diesen Ergometer besitze – ein Nachbar von mir hatte ihn – und wie es aussieht nahezu ungebraucht – in seinen geöffneten Hof gestellt, mit einem Zettel dran: kostenlos abzugeben, beginne ich jeden Morgen mit einer halben Stunde auf diesem sitzend. Dabei höre ich meist Bayern 2. Früher, will heißen; vor Corona, überwiegend zu meiner Erbauung, will sagen: kulturellen Weiterbildung, wenn auch damals schon nicht unkritischen. Mittlerweile ist auch der Genuss dieses Senders eher bitter als süß. Oft eher negativer Anlass zur Kritik als positiver. Über einiges habe ich ja schon berichtet. Doch heute habe ich nicht schlecht gestaunt. Da höre ich zwischen all der dargebotenen Kunst, Kultur und manchmal auch Kitsch einem Auslandsjournalisten zu, wie dieser seinen 1. Tag im neuen Jahr in Istanbul beschreibt. Ich kenne Istanbul wie meine 2. Heimat, bin natürlich neugierig von dieser Stadt zu hören. Denn spätestens seit und mit Erdogan ist diese Stadt für mich nicht nur in den Sommermonaten zu heiß. So sind vor Jahren „Briefe aus Istanbul“, so habe ich diese tatsächlich genannt, einfach aus mein Blog verschwunden. So als hätten Sie nie dort gestanden. Sauber rausgeschnitten. Also freue ich mich natürlich ab und an auch was erbauliches zu hören – von dieser Stadt. Nun ja, der Bericht hier beginnt mit des Journalisten exakt über Silvester kaputtgegangener Espressomaschine. Sodass er jetzt durch sein Viertel ginge, um zu schauen, ob ein Straßencafe schon offen habe. Und während er uns etwas erzählt über streunernden Katzen, liebevolle Menschen, die sich um diese kümmern, bzw. um menschliche „Streuner“, nämlich Berber, die man eigentlich auch füttern müsste, und dabei so nebenbei erzählt, dass sein Lieblingsberber gerade verstorben sei, uns als also das bekannte Colorit zu dieser Stadt malt, erfahren wir nichts darüber, woran denn der Gute jetzt gestorben ist. Das erfahren wir doch für gewöhnlich als erstes – in diesen Zeiten. Denn selbst, wenn jemand beinahe biblisches Alter erreichte, ist er doch selbstredend am „Neuartigen Coronavirus“ verstorben. Oder etwa nicht? Doch natürlich ist es vielleicht bei einem Berber anders, und vor allem nicht leicht zu erfahren. Es sei denn posthum. Doch während ich darüber noch sinniere, nun ja: er war schließlich für ihn so etwas wie ein Freund, höre ich sein erfreutes: „Ach wie schön, eines meiner Stammcafes hat schon offen.“ Und ich reibe mir die Augen und bin beinahe enttäuscht, nichts darüber zu erfahren, wie man das dort, in d e r Türkei, also jener Coronohotspotdestination per Exzellenz, wohl regelt. Nichts darüber erzählt bekomme, ob er dieses Cafe einfach betreten, drinnen sein Getränk in einer ordentlichen Porzellantasse genießen darf, oder wie hier in Deutschland nur „one for the way“ – in dem üblichen umweltschädlichen Pseudopappbecher – heute wohl Propagandabecher – und ohne danach die Toilette aufsuchen zu dürfen!? Na klar, dämmerts mir, die Presse ist mit Stichtag 1. Januar auf das neue Framing schon umgestellt. So hatte da jemand direkten Zugriff auf die Hirne aller Systemjournalisten. Per Knopfdruck. Oder sind die gar schon geimpft? Wahrscheinlich haben sie das aber doch nur auf der Silvesterprominentenparty in Berlin – ohne Maske – in den Sekt gegossen bekommen. So zwischen all der vorgeführten Büskierung und Beschimpfung der Zaungäste. Des nötigen Abstands wegen – der ja bleiben soll. Ab sofort ist der wichtigste Exzess der Impfexzess, und der darf durch keine negativen Gefühle mehr gestört werden. „Alles wird gut“ – so die unausgesprochene Botschaft. Doch wir wissen, dass das exakt das Gegenteil von der Wahrheit ist. Denn diese lautet, nicht nur zwischen den Zeilen: Wir werden euch erst in Ruhe lassen, wenn ihr alle geimpft seid!
Apropos „Brief aus Istanbul“: Meine Briefe aus Istanbul waren abgesehen davon, dass sie ganz sicher das Original waren, denn zur Zeit der berühmten Gezipark-Proteste 2013 entstanden, wo ich nämlich diese Briefe erhielt, und sind daher nicht zu verwechseln mit der FAZ-Kolumne gleichen Titels von Bülent Mumay, die erheblich jüngeren Datums ist, die ich aber dennoch eine Zeit lang ab und an auch positiv kommentieren konnte.
http://blog.herold-binsack.eu/2018/08/erdogan-wurde-gehypt-bis-es-schmerzte/; und:

https://www.facebook.com/herold.binsack/posts/10224682487792041

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
Dieser Beitrag wurde in Krise des Kapitals veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.