Der „Mensch“ als solcher ist eine leere Abstraktion

Der „Mensch“ als solcher ist eine leere Abstraktion
Folgenden Beitrag habe ich zunächst auf Facebook gepostet, doch ob dessen grundsätzlichen Bedeutung blogge ich ihn auch:

Also gut. Ich schätze Leo Kofler sehr, insbesondere was seine Kritik am Nihilismus der spätbürgerlichen Gesellschaft anbelangt. Ich äußere mich dazu ähnlich, allerdings beschäftigt mich noch mehr der „linke“ Nihilismus (vorwiegend in der sog. antiautoritären Bohème beheimatet), der aber in Wirklichkeit nicht vom „rechten“ Nihilismus der eigentlich kruder Faschismus ist) zu trennen geht, ja dessen Entsprechung ist.
Doch in der Frage des „Menschen“ hat er sich meiner Meinung nach etwas verrannt. Ich habe Marx und Engels immer schon so gelesen, dass der Mensch als biologische Entität wohl keine Kategorie der Politischen Ökonomie ist, dennoch des historischen und dialektischen Materialismus‘. „Bewusstsein“ ist eine gesellschaftliche Kategorie, und dieser wiederum liegt die menschliche Arbeit zugrunde.

Diese Arbeit meint aber nicht die entfremdete Lohnarbeit, sondern was Marx Arbeit „sans Phrase“ nennt, des Menschen, und hier haben wir die Kategorie „Mensch“, erstes Lebensbedürfnis, und als solches unmittelbar verbunden mit der Menschwerdung selbst. Diese wiederum ist aber von Beginn an ein kulturelles Produkt, Nebenprodukt seiner in diesem Moment herbeigeführten Befähigung nicht nur zum stofflichen Austausch mit der Natur, was ihn bis dato vom Tier nicht unterschied, sondern mehr noch zum sozialen Stoffwechsel. Was wiederum Kultur und desweiteren „Gesellschaft“ hervorbringt. Bewusstsein in diesem Moment schaffend, als dann in Folge voraussetzend für seine Weiterentwicklung. Und in dem die biologische Entität „Mensch“, in diesem Moment nur noch als gesellschaftliche Kategorie zu behandeln ist, ist sie von der „Natur“ geschieden, und damit von der leeren Abstraktion befreit.
Dieses Bewusstsein, das ihn nun scheidet von der Natur wie von sich selbst, und somit alle folgende Entfremdung bedingt, unterliegt den mannigfaltigen gesellschaftlichen Veränderungen, die wiederum unter dieser Entfremdung wirken, wie diese zu überwinden suchen. Ideologie entsteht –„notwendig falsches Bewusstsein“, wie Marx jene nennt. Und zwar so falsch bis Marx und Engels sich genötigt sahen zu konstatieren, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt, doch dieses dann auf das gesellschaftliche Sein zurückwirkt. Engels nennt das „Wechselwirkung ungleicher Kräfte“

Ich fasse zusammen: Nur als gesellschaftliches „Konstrukt“ (=politisches Klassensubjekt in der Klassengesellschaft) ist der Mensch von Bewusstsein „beseelt“, nicht hingegen als biologische Einzelentität. Als solche ist der „Mensch“ eh nur eine a posteriori konstruierte leere Abstraktion, Ausdruck des falschen Bewusstseins eines sich als gesellschaftliches Wesen selbst nicht verstehenden Klassensubjekts. Das eine kann von dem anderen nicht getrennt werden, dennoch drücken ihre Pole die zwei Seiten jenes biologisch-historischen Bruches aus, der den „Menschen“ seitdem in seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) gefangen hält. Doch konkret-historisch begriffen liegt darin der Schlüssel zur Befreiung, zum Übergang aus dem „Reich der Notwendigkeit“ in das „Reich der Freiheit“ (Marx) und damit der Wiederherstellung der biologisch-sozialen Einheit. Doch das auf höherer Stufe und fernab unser aller gegenwärtigen Verständnismöglichkeiten.

oxiblog.de/vergesst-die-menschen-nicht-ueber-den-marxistischen-solitaer-leo-kofler

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