Zumutung des Unmöglichen

Zumutung des Unmöglichen
Das Grundproblem der Ökonomen ist, dass sie die subjektive Seite nicht miteinbeziehen. Das Wirken des Klassenkampfes. Sie haben wohl eine Ahnung davon, insofern sie natürlich wissen, dass die Zinspolitik den „Klassengegner“ befrieden solle, dennoch gleichzeitig die Kapitalinteressen befriedigen, doch können sie das als unlösbarer Gegensatz eben so wenig ausschließen wie die Krisen. Ja, das Wirken des Klassenkampfes ist der subjektive Ausdruck für Zyklen und Krisen. Und das was sie da zu ignorieren suchen, delegieren sie an die Politik. Und da wiederum stoßen sie auf das relative Eigenleben des Politischen, die eigenen Interessen der politischen Kaste. Welchen sie wohl mit Machtmitteln begegnen, um nicht zu sagen: korruptiven, doch auch da wirken sie eben alle nicht in die gleiche Richtung. Ob der jeweils divergierenden Interessen der Einzelkapitalien. Und daraus ergeben sich die Antinomien in all ihren Theorien, wie er sich in den ständigen Schwankungen selbst innerhalb eines theoretischen Gebäudes, wie eben bei Mises und Hayek, zeigt. Mal marktradikal, mal „quasi-sozialistisch“. Oder manchmal beides gleichzeitig. Wie Trump zeigt, schließen sich Marktradikalismus und Protektionismus nicht aus. Und das wiederum wirkt auf das Klassengeschehen, und zwar relativ unberechenbar. Und damit wieder zurück auf das ökonomische Geschehen selbst. Flöhe hüten scheint leichter. Oder um es mit Rosa Luxemburgs Worten zu sagen: Eigentlich ist der Kapitalismus unmöglich.

Dennoch treibt er die Verwissenschaftlichung der Ökonomie voran, und damit die Überwindung anonymer Marktkräfte, wenn auch „mit dem Rücken zur Dialektik“ (ich glaube Engels hat das mal so aufgespießt; vgl. auch sein: die Dialektik ist „Wechselwirkung ungleicher Kräfte“), wie überhaupt in seinem gesamten Wissenschaftsbetrieb. Und diese Verwissenschaftlichung ist die Basis für die sozialistische Planwirtschaft. Ohne Zweifel auch für den Sozialismus eine schwere Herausforderung, wie wir wissen. Denn gerade das erst durch das Kapital geschaffene ökonomische Denken, erweist sich selbst als stärkstes Phantasma. Die Leute erkennen nicht, oder nur sehr schwer, oder nach schlimmen Krisen, wo das „gute Leben“ dem „ökonomischen“ widerspricht. Ja sie halten das ökonomische Denken für die Grundbedingung des „guten Lebens“. Eine immer kleiner werdende Minderheit, die dieses gute Leben lebt, scheint ihnen als Beweis für die Richtigkeit dieses Denkens zu genügen. Doch in jeder Krise wird dieses Denken selber zur Krise und somit in Frage gestellt. Der Wunsch der Marktradikalen ist das im Keim zu ersticken. Nicht nur die unwirtschaftlichen Unternehmen sollen ausgelöscht werden, sondern auch die „unwirtschaftlichen Gedanken“. Das wiederum stört die Kräfte des Marktes, die davon leben, dass möglichst viele überleben. Ein ebenso unlösbarer Widerspruch, denn Kapitalismus setzt die ständige „Enteignung der Enteigner“ voraus. Der “tendenzielle Fall der Profitrate“, so die marxsche Kritik erzwingt die immer höhere Konzentration des Kapitals. Und das ist immer auch ein Krieg – Jeder gegen Jeden. Ein totaler.

Je höher die Kapitalkonzentration, desto näher kommt diese Planwirtschaft und sprengt jede Art von Marktphantasma. Diese Entwicklung ist vorgezeichnet, nämlich angelegt schon in den „notwendigen“ Krisen des Kapitals. Doch ob dieser Sozialismus sich durchsetzt, oder vielleicht doch eine unsägliche Barbarei (wie Marx und Engels das im „Manifest“ notiert haben), denn diese kündet sich in jeder Krise nämlich auch an, und dies mit jeder Krise deutlicher, bleibt einstweilen offen, bzw. zeigt sich vorläufig noch als Stellungskrieg – auch innerhalb der ökonomischen Provenienz. Dort allerdings oft unter verkehrten Vorzeichen, bzw. nicht selten auch unter falscher Flagge. Immer dann, wenn die Konservativen sich als Revolutionäre aufspielen, treten sie unter falscher Flagge auf. Was aber nur bedeuten kann, dass sie die Widersprüche komplett in sich aufnehmen, wie gerade das am Beispiel Mises und Hayek erkennbar. Denn auch ihr Gegensatz ist Ausdruck ihrer theoretischen Inkongruenz. So liegt das Problem doch schon dort, wo eine Theorie entwickelt wird, die nur für einen Teilaspekt eines aber ansonsten unteilbaren Problems gelten soll. Das öffnet doch jeder Fehlinterpretation wie auch falscher Kritik Tür und Tor, ja macht richtige Kritik zu einem Abenteuer. So hat Marx in seiner Kritik der politischen Ökonomie immer darauf beharrt, und das wurde von Engels in den Vorworten zu Band II und III des Kapitals, die er herausgegeben hat, speziell hervorgehoben, dass kein Teil des Ganzen herausgegeben wird, bevor das Ganze erstellt ist. Denn alles hängt von allem ab (vgl.: Die Freiheitsliebe: Vom »Kapital« lernen? Die Aktualität von Marx’ Kritik der politischen Ökonomie). Daran gemessen, wären für mich weder Hayek noch Mises Kandidaten für einen Nobelpreis gewesen. Den Hype um sie verstehe ich daher auch nur als Ausdruck größter Verzweiflung, nämlich insofern des Versuchs das „Unmögliche“ (Luxemburg) möglich zu machen. Sowohl die „Austrian Theory“ als auch nun der Machtantritt eines Trump, lassen erkennen, wohin das führt, nämlich zur Zumutung des Unmöglichen.

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