Aufrechterhaltung des Scheins

Aufrechterhaltung des Scheins
Sehr schön. Ergänzen würde ich noch, dass, gleich ob im katholischen Frankreich, oder im islamischen Arabien (oder Iran), die Religion nur der Aufrechterhaltung des Scheins dient. Des Scheins der Legitimation zum Herrschen, welche doch in Wahrheit ein Dienen ist. Mit dem Unterschied vielleicht, dass in diesen islamischen Staaten die Herrscher sich als direkte Nachkommen des Propheten wähnen – als Seyed -; und somit der Dienst am Objekt des Herrschens, dem Kapital, dort nicht unbedingt in einer Eliteschule, wo dem zukünftigen Herrn, das „Unterwerfen“ kunstvoll vermittelt wird, erlernt werden muss. Im katholischen Frankreich, wie auch in anderen „christlichen“ Nationen des Kapitals, kaschiert das Subjekt des Kapitals, dessen Unterworfen-sein, während in der Person des „Seyed“ Subjekt wie Objekt des Herrschens verkörpert sind, somit Unterworfen-sein, dem Seyed quasi „im Blut“ liegt. Die moderne Subjekt-Objekt-Dichotomie verhindert somit eine gewisse Einsicht in die Notwendigkeit. Und diese, so sehr sie auch Gegenstand wie Triebkraft moderner westlicher Philosophie ist, und ganz sicher auch Grund ist für die aktuelle Vormacht eben dieses „Westens“, ist dessen Achillesverse. Spätestens dann, wenn die Subjekt-Objekt-Dichotomie überholt ist, also die kapitalistische Klassengesellschaft an ihrem Ende angekommen, kann diese Gesellschaft, wenn sie nicht endlich von ihren eigenen Kräften überwunden wird, zur billigen Beute einer jeder weniger modernen Gesellschaft werden.

Und diese Phase scheint erreicht, und daher ist die „Vision“ eines französischen Provokateurs, namens Houellebecq, eben nicht nur patriarchalisches Wunschdenken, sondern eben gerade auch als solches, nämlich in ihrer nihilistischen Obsession, eine ganz reale Option. Allerdings nicht nur und nicht mal hauptsächlich wegen der unterstellten Aggressivität vormoderner Gesellschaften, bzw. Philosophien, resp. Theologien, sondern ob der zunehmenden Abwesenheit der Fähigkeit zum Herrschen, seitens jener Klassen, deren Zeit definitiv abgelaufen ist. Allerdings, und daher wird es mit Sicherheit ganz anders kommen, scheint mir die muselmanische Welt von heute, selbst dort, wo sie sich archaisch gebärdet, nicht weniger modern, sprich: krude kapitalistisch. Beide Welten werden daher womöglich zur billigen Beute einer noch primitiveren Gesellschaft.

blogs.faz.net/10vor8/2015/02/02/wo-gehts-hier-zum-patriarchat-islam-sex-und-andere-sehnsuechte

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