Selbstliebe als Selbsthass

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Selbstliebe als Selbsthass
Marcel Reich-Ranicki bleibt der Maßstab; doch dessen Maßstab wird wie gehabt verschämt verschwiegen. Reich-Ranicki mag seine marxistische Prägung in Theorie und Praxis in dem Moment überwunden haben, wo er zum „Literaturpapst“ avancierte; doch in Methodik und Didaktik blieb er seiner Schulung treu. Liebe verkleidet sich dort als Angriff, wo die Selbstliebe als Selbsthass aggressiv in Frage gestellt wird. MRR hat die deutsche Literatur geliebt, doch den Deutschen nicht. Und schon gar nicht den Deutschen im Romantiker, den Romantiker im Deutschen. Und wo Marxisten sich romantisch geben, und wo täten sie das nicht im postmarxistischen Deutschen, sind sie von den „Antisemiten“ nicht zu unterscheiden. Die ihn erdrückende Antinomie – schäme ich mich mehr für meinen Marxismus oder für meinen Antimarxismus? – könnte auch der Grund für seine besondere Verachtung des „Exmarxisten“ Walser sein, dessen Geläutertsein ihm so suspekt wie beinahe glaubhaft – als „Antisemiten“ – gewesen sein dürfte.

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