Wenn die Verschwörung den realen polit-ökonomischen Beziehungen zuwiderläuft

Wenn die Verschwörung den realen polit-ökonomischen Beziehungen zuwiderläuft
Verschwörungen, soweit es sie gibt, die den realen polit-ökonomischen Beziehungen zuwiderlaufen, können auf lange Sicht besehen nicht erfolgreich sein. Nehmen wir als Beispiel die Verschwörungstheorie bzgl. Pearl Harbour. Historisch besehen war der Kriegseintritt der USA unvermeidbar, ja wünschenswert. Aus dieser Perspektive ist es von wenig Belang, ob Pearl Harbour von den USA selbst inszeniert war oder nicht. Dennoch bliebe es als eine Selbstinszenierung ein Verbrechen, und als erfolgreiches Verbrechen ein übles Vorbild für die darauf folgende Geschichte. Doch das steht auf einem anderen Blatt.

Ganz anders mit dem Anschlag von 9/11. Sollte dieser Anschlag zu dem Zwecke der Verschleppung der Finanzkrise selbst inszeniert worden sein, ein denkbares Szenarium, dann wäre die Krise dennoch nicht aufzuhalten gewesen, wie wir zwischenzeitlich wissen. Allerdings wäre das Ausmaß der Krise durch diese Verschleppung mit zu verantworten. Und eine solche Verschwörung wäre natürlich ein gigantisches Verbrechen – das von Pearl Harbour noch überbietend. Doch aus dieser Perspektive käme die Verschwörung als Bumerang zurück. Die ökonomischen Kräfte lassen sich nicht überlisten.

Nun zum Dreiecksverhältnis Frankreich-England-Deutschland.
Gemeinsames Ergebnis beider Weltkriege ist der Niedergang des Kolonialismus und damit der Kolonialmächte. Daraus ergibt sich eine Begünstigung der nichtkolonialen Beziehungen.
Dass selbst der Hauptverlierer der beiden Weltkriege, nämlich Deutschland, heute wie ein Kriegsgewinner dasteht, das hätte keine Verschwörung verhindern können. Das ist kontingent. Eben genauso wie der Niedergang Englands und Frankreichs.
Daraus folgt aber zwingend, dass Deutschland gut daran täte, wenn es sich nicht in die neokolonial daherkommenden Aktivitäten Frankreichs z.B. hineinziehen lässt.
Sollte Deutschland sich dieser Versuchung nicht widersetzen können, wird sein Niedergang ebenso unvermeidbar wie der von Frankreich und England.

Der Niedergang der englischen Industrie folgt ja nicht wirklich den Visionen einer Maggi Thatcher, sondern eine Maggie Thatcher folgte diesem Niedergang. Der im Übrigen schon vor dem 1. Weltkrieg begann und welcher selbst durch zwei gewonnene Weltkriege nicht aufzuhalten gewesen ist.
Die Rückflüsse aus den Kolonien ruinierten zunächst den englischen Grundadel und dann die englische Industrie. Und darauf folgte die Innovation des Investmentgeschäfts. Was einen Versuch darstellte, die Profite im Geld-Geldkreislauf (nicht im Geld-Waren-Geldkreislauf) abzuschöpfen.
Mächte wie China sind ein deutliches Beispiel dafür, dass es dem Finanzkapital nicht mehr gelingt, trotz seiner transnationalen Unternehmen, Maximalprofite direkt aus dem Produktionskreislauf zu realisieren.
Die Finanzindustrie wird zum wichtigsten Produktionszweig. Und genau dieser nun ist seit 2007 in seiner ultimativen Krise.

Der sog. Krieg gegen den islamistischen Terror zeigt aber, dass der Kolonialismus in neuen Formen fortgesetzt wird. Auf Dauer kann das Weltkapital nicht akzeptieren, dass ehemalige Kolonialländer mit ihren Dollarreserven das Weltkapital dominieren.
Die Existenz des Euro ist auch ein Indiz dafür, dass in diesem Kampf keine klaren Koalitionen mehr existieren. Auch dies folgt einem politischen Phänomen, was man mit dem Niedergang des Sowjetimperialismus, welcher sich Sozialismus nannte, datieren kann.
Doch auch dieser Niedergang ist weniger irgendwelchen politischen Lichtgestalten zu verdanken als vielmehr der letzten technologischen Revolution – welche das Informationszeitalter kreierte.
Auch das Geld-Geldgeschäft wird dadurch ja erst so richtig möglich.
Und jede Art von Verschwörung, die jetzt noch erfolgt, muss den Kreisläufen dieses Geld-Geldgeschäftes folgen, oder sie wird scheitern.

Vom Währungskrieg zum heißen Krieg
Ich vergaß es zu erwähnen, aber manchmal holt einem die Realität/die Berichterstattung in der FAZ schneller ein, als man sich wünscht: Aus den Geld-Geldgeschäften Maximalprofite ziehen zu wollen, ohne Rücksicht auf die realen Gewinne aus der Geld-Waren-Geld-Bewegung, also ohne Rücksicht auf die reale Mehrwertschöpfung, führt zu bestimmten Formen des „Krieges“ – des „kalten Krieges“, vorerst noch.
Oder was sagen wir zu folgendem, nachzulesen unter: faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/auftritt-vor-dem-europaparlament-frankreichs-praesident-plaediert-fuer-euro-wechselkurspolitik

Warnung vor Währungskrieg
Der gerade aus dem Amt geschiedene Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte explizit vor einem zu starken Euro gewarnt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble gaben unlängst verbale Warnschüsse in Richtung Japan ab, wo die Notenbank auf Druck der Regierung eine Politik verfolgt, die mindestens als Seiteneffekt bisher einen substantiell schwächeren Yen zur Folge hatte
.“

Unter diesem Aspekt gewinnt die Tatsache, dass die neue japanische Regierung zum Beispiel sich regelrecht auf den Krieg vorzubereiten scheint, an Brisanz. Japan ist der bisherige Top-Verlierer in all den letzten Krisen, insbesondere der Finanzkrise. Und das wirft auch ein Licht auf die Tatsache, dass die USA das Schwergewicht ihrer militärischen Präsenz in den Pazifik verlagert haben. Gibt das doch der Gefahr ein konkretes Gesicht.

All die in den letzten Tagen bekannt gewordenen und solchermaßen geradezu antik anmutenden aufgestellten Forderungen z.B. Japans gegenüber Russland, Korea, China verweisen auf eines: Japan greift nach den realen Werten um sich der tödlichen Umklammerung seitens der Krise zu entziehen. Und das scheint auch die einzige Lehre zu sein, die das japanische Volk bereit war aus der Tsunami- und Atomkatastrophe zu ziehen. Sonst hätte es diese Kriegstreiber nicht an die Regierung gewählt.

Und wer möchte bestreiten, dass Währungskriege, die solchermaßen aufgeladen sind, nicht schnell in heiße Kriege umschlagen. Die Tatsache, dass der von den USA geführte Westen Japan während des kalten Krieges eine ganz bestimmte Rolle in diesem Krieg zugedacht hatte, welche Japan aber aufgrund seiner ökonomischen Schwierigkeiten nicht einhalten konnte, könnte diesen Preußen des Ostens zu wahnwitzigen Abenteuern verleiten. China an seiner steilen Karriere nicht gehindert haben zu können, das scheint der Ehre dieses stolzen Volkes abträglich gewesen. Und angesichts der offenkundigen Schwäche Russlands, nach dem Niedergang der Sowjetunion, glaubt man vielleicht diese Scharte dort wett machen zu können. Also fordert man forsch von den Russen die Inseln zurück, so als hätten die Russen den Krieg verloren. Doch Russland wie China sind Atommächte, also was liegt nicht näher als der Wille Japans ebenfalls Atommacht zu werden?

In solchen Szenarien verliert auch der antiislamistische Krieg seine Bindungskraft. Im Gegenteil: Er wird zur Triebkraft heißer Kriege. Scheint doch der Iran genau darauf zu spekulieren.

Und in solch Treiben wird auch das Schicksal eines Euro/eines vereinten Europas möglicherweise völlig neu entschieden, gleich was auch immer sein Grund gewesen ist.

faz.net/blogs/fazit/archive/2013/01/30/die-oekonomische-logik-des-euro

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