Im Kreis der Mächtigen

Im Kreis der Mächtigen
Ich bewerte das Buch positiv. Dennoch befürchte ich, dass es wenig bewirkt. Am Auftreten zum Beispiel einer Frau Koch-Mehrin wird ein Charakterzug deutlich, der sich als unbelehrbar erweist. „Sich hochzuschlafen“, das ist nur die eine Version, die offenkundigste. Denn „das Patriarchat“ ist das Thema. Die Frauen lernen seit Jahrtausenden, wie sie innerhalb des Patriarchats überleben. Die Sexualität wird seitdem gezielt eingesetzt. „Ich bin schön, warum soll ich das nicht nutzen?“, fragt eine Frau Koch-Mehrin mit nicht nur gespielter Naivität. Den Körper mit seinen sexuellen Attributen einsetzen, das ist für sie keine Prostitution, sondern ein legitimes Geschäftsmodell. „Die Prostituierten“, das sind für sie immer die Anderen, die dazu Gezwungenen, die, die sich stundenweise verkaufen. Sie schläft sich vermutlich auch nicht hoch, sie zeigt nur, was sie hat, aber nicht jedermann kriegt. Aber sie setzt darauf, dass „Jedermann“ mit dem Gedanken spielt. Sie pokert hoch – im Kreis der Mächtigen.

Pädagogisch wertvoll
@Franke. Volltreffer! Aretino ist mehr als nur Soziallektüre, man könnte sein Werk als pädagogisch wertvoll bezeichnen. Auch die Klöster werden nicht so gezeigt, wofür sie sich halten – als Stätten der Demut und der selbstlosen Suche nach dem Geistigen -, sondern als Matrix der Moderne – in jeder Hinsicht. Doch ob der hochkultivierten Doppelmoral, erblühen dort vor allem die Schattenseiten. So wird uns gezeigt, wohin es führt, wenn Leidenschaften unterdrückt werden: zur liederlichen Obsession, bzw. brutalen Perversion. Die heutigen Debatten über den sexuellen Missbrauch, bzw. den faschistoid daherkommenden Missbrauch der Macht schlechthin, finden da ihre Vorwarnungen. Würde man Aretinos Hurengespräche in den Schulen lehren, wären die Kinder vermutlich gewappneter als sie es sind mit der verlogenen Moral und leeren Ethik im Religions- bzw. Ethikunterricht. Und ich denke auch, dass das der eigentliche Impetus der 68er „sexuellen Befreiung“ gewesen war, vor deren Instrumentalisierung.

faz.net/aktuell/wirtschaft/karriere-man-kann-sich-nicht-hochschlafen

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