Das Ganze, das nicht Abgeschlossene, zählt

Der Beitrag „Rechtfertigung des Versagens konservativ-liberaler Kultuspolitik“ wurde nicht gesendet. Überhaupt tut sich die Redaktion schwer mit meinen Beiträgen zu diesem Thema. Schon „Das Ganze, das nicht Abgeschlossene, zählt“, musste ich zwei mal posten.
Das entlarvt die konservative Blockade-Linie der FAZ besser als alle ihre Beiträge. Starte einen 2. Versuch.
Stattdessen sendet sie ungeniert einen Beiträg eines Lesers, der meinen Namen bösartig entstellt. – Binsack heiße ich, nicht Bohnensack!

Das Ganze, das nicht Abgeschlossene, zählt
Wer sich mit dem Thema „Inclusion“ beschäftigt verliert jeden Respekt vor dem konservativen Versuch zu retten, was noch zu retten ist. „Ideologisch“ verblendet ist eben jener Versuch, die Klassengesellschaft eben auch über die „Schulklassen, resp. -formen“ zu retten. Inclusion statt Sonderpädagogik und „Gemeinsames Lernen wie Leben“, statt „Begabtenbeförderung“ referieren auf der Tatsache, dass ein „besonders begabtes“ Hirn so wertlos ist, wie ein Hirn „an sich“. Diese Auseinandersetzung findet eben in der Schule insofern ihren Niederschlag, als diese heutige Streitfrage weit in jene Epoche der Entwicklung der Menschheit hinein reichen wird, in der das Hirn, das menschliche, definitiv zur wichtigsten, wenn nicht gar einzigen Produktivkraft geworden ist. Nun stellt sich die Frage nach den Entwicklungsmöglichkeiten eines solchen „Organs“. Wird es sozusagen synthetisch isolierbar/kopierbar oder bleibt es Teil jenes gesellschaftlichen Kontextes, in dem Differenziertheit und Vielfalt so wichtig sind wie ein „holistischer Ansatz in einem nichtnominalistischen Diskurs“ (R. von Weizsäcker). Oder anders ausgedrückt: Das Ganze, das nicht Abgeschlossene, zählt.

Flexibel wie inclusive
@Mahnke: Schön, dass Sie von Skandinavien so denken. Doch muss ich Sie enttäuschen. Eine der erfolgreichsten Grundschulen, die faktisch jetzt schon nach dem Inclusionskonzept arbeitet, Stichwort: flexible Grundschule, liegt in einer Region des Frankfurter Nordens. In einer von Migranten nur so besiedelten Schullandschaft werden Schüler in den ersten 2 Jahren flexibel und inclusiv aufgenommen, will heißen: alle halbe Jahre werden Schüler aufgenommen und es gehen welche ab gleich in die dritte Klasse. Bis dahin wird gemeinsam und inclusiv der Unterricht gemacht, der nicht nur die ersten beiden Klassen zu schaffen, sondern auch nahezu jede besondere Entwicklungs- und evtl. auch Bildungsschranke zu überwinden hat. Sitzen bleiben gibt es nicht und doch schaffen alle problemlos die 3. Klasse. Es wird gerade darüber nachgedacht, das Konzept nach hinten auszudehnen, das heißt: bis zur 4. Klasse inklusive. Wünschenswert wäre mindestens das, was gerade in Hamburg an einer konservativen Elternschaft gescheitert ist: die ersten 6 Klassen nämlich.

Rechtfertigung des Versagens konservativ-liberaler Kultuspolitik
Da hier so oft die Behauptung im Raum steht, es wären die 68er, die sich da durchgesetzt hätten, stelle ich die einfach zu beantwortende Frage, nach dem Beweis. Bitte benennen Sie mir auch nur ein Beispiel, dass diese Behauptung stützt! Ich behaupte hingegen, dass der Bankrott konservativ-neoliberaler Kultuspolitik, eine billige Rechtfertigung sucht. Richtig ist, dass die Herrschenden, während sie im offiziellen, im staatlichen, Kultusbetrieb keinen einzigen Gedanken von Reformschulen (von revolutionären ganz zu schweigen) durchließen, in den Privatschulen, also dort wo sie ihre eigenen Kinder unterrichten lassen, kaum einen Gedanken, kaum ein „Experiment“, gerade von der von ihnen offiziell so verteufelten Reformideologie, ausgelassen hätten. Dass das dann gerade dort scheiterte, liegt sicherlich nicht am Genie so mancher Reformpädagogik, sondern wohl eher an den Aporien, den Paradoxien, ja Absurditäten eines kapitalistischen Patriarchats. Unter dem Deckmantel eines antik daherkommend sollenden „Eros‘ der Pädagogik“ konnten sich sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen einnisten, Praktiken, die der Reformpädagogik so fremd sind wie Fremdbestimmung und Gewalt überhaupt.

Binsack heiße ich
@Mahnke: Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie wenigstens meinen Namen richtig schreiben würden, ich heiße Binsack.

faz.net/„Schulgipfel“ in Nordrhein-Westfalen:Konsens oder Nonsens?, 23.09.2010

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4 Trackbacks

  • Von Gewordene Tatsache am 24. September 2010 um 14:54 Uhr veröffentlicht

    […] offen lässt. Es ist das „Ganze“, das „niemals abgeschlossen“ sein wird, das zählt (vgl.: “das Ganze, das niemals Abgeschlossene zählt”). Ein Ganzes, das nicht abgeschlossen ist? Ein Widerspruch, aber ein fruchtbarer, denn Grund für […]

  • Von Das Spiel der Konservativen am 29. September 2010 um 21:14 Uhr veröffentlicht

    […] Die Bildung der Massen sähe ganz anders aus, wenn von deren Interessen ausgegangen werden würde (Inclusionsdebatte). Alle spielen das Spiel der Konservativen und tun so als wären sie […]

  • Von Die ausgrenzende Schule ist erledigt am 14. Oktober 2010 um 19:49 Uhr veröffentlicht

    […] ihnen das vorleben, sie ethisch wie sozial verderben? Die „Inclusionsschule“ („Flexibel wie Inclusive“) möchte ich in den Raum werfen und damit die Aufforderung an alle – Eltern, Lehrer, Erzieher, […]

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