Niedriger Wirkungsgrad, hoher Ausbeutungsbedarf

Niedriger Wirkungsgrad, hoher Ausbeutungsbedarf
Ich würde den Begriff der Atomlobby auch nicht so ohne weiteres verwenden, denn er verkürzt die Problematik. Es geht um die Energiemafia, in Deutschland den großen Vier (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall) genannt. Diese Mafia ist natürlich auch (fast) identisch mit der Atomlobby. Ob Kohle oder Atomkraft, beides verbraucht mehr an Energie als dabei produziert wird, was letztlich der Hauptgrund auch dafür ist, dass die Umwelt darunter leidet. Denn je niedriger der Wirkungsgrad, desto höher die Ausbeutungsnotwendigkeit von Natur und selbstredend Mensch. Dieser Zusammenhang ist es, der gerade die Energiewirtschaft zu einer reaktionären Seilschaft hat verkommen lassen. Der hohe technische Aufwand, der wohl auch den Wirkungsgrad geringfügig hat verbessern lassen, wird in erster Linie dazu benutzt um Monopolmacht und somit Monopolpreise („Etwas verkauft, was nicht bezahlt ist“) durchzusetzen, und eben nicht alternative Energieproduktion.
Das ist der Grund, warum die Atomlobby so verbissen reagiert, wenn es ihr nur geringfügig an den Profit geht.

Die Windrichtung kann sich jederzeit ändern
@Bertold IV: Nicht das schlechteste Statement aus dem Munde eines Rechten. Ganz offensichtlich geht das aber gerade deshalb noch mal gut, weil die Tschechei wohl ein unerträglich rassistischer Zwergstaat ist, aber eben deswegen keine Großmacht. Der größte Unsinn kann da noch charmant daher kommen (deswegen wurde ja auch der Haider so oft unterschätzt!). Und selbstredend ist es Unsinn in Bezug auf Atomkraft binnenpolitisch zu argumentieren. Mal abgesehen davon, dass die Windrichtung in Bayern oder auch in Tschechien sich jederzeit ändern kann.
Ich wiederhole: Das Thema ist längst nicht mehr nur die Atomkraft, sondern sämtliche Energieträger die die Umwelt zerstören/einen viel zu niedrigen Wirkungsgrad haben und daher menschliche Arbeitskraft über alle Maßen ausbeuten.
Hätten wir keinen Kapitalismus mehr/und hätten wir nicht einen solch fürchterlich absurden „Sozialismus“ hinter uns bringen müssen, wäre die Ära der Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen längst erledigt, dessen bin ich mir sicher. Die ganze Profitwirtschaft hängt doch nur noch an diesen seidenen Fäden: Erdöl, Gas, Kohle, Kernkraft.
Die Krise der Wissenschaft, nämlich einer Wissenschaft, die nicht vom Fleck kommen will, zeigt das recht deutlich. Ebenso wie die Finanzkrise übrigens. Die Kernkraft ist da definitiv ebenso die falsche Richtung wie der Versuch das Weltall zu erobern.
Und wenn sich das nächste Mal die Windrichtung ändert, die politische meine ich, wird dieser ganze Abschaum definitiv in den Orbit geblasen.

Auch Kerzen sind Energieverschwender
@Bertold IV: Genau an diese entsetzlichen Sinti und Roma Verfolgungen habe ich gedacht als ich vom tschechischen Rassismus sprach. Und ich sagte es ja: in Bezug auf das, was er über die Atomkraftwerke sagt, ist es – in sich betrachtet – nicht so verkehrt. Aber wie kann etwas im Detail richtig sein, wenn es im Ganzen schon falsch ist. Und hier wären wir wieder beim Thema:

@V: Nichts gegen Kerzen und Bücher, aber auch Kerzen sind Energieverschwender, und Bücher erst! Wie viel Holz und damit potentielle Energie wird da vergeudet? Aber Scherz beiseite. 20 % Wirkungsgrad, und ich glaube, das ist so eine aktuelle Zahl bezüglich dessen, was die Stromwirtschaft da gegenwärtig leistet, mit der Kohle zum Beispiel, bedeutet, dass 80 % vergeudet sind. Und bei der Kernkraft gehen etwa 70 % verloren (vgl. diesen wunderbaren Artikel der Konkurrenz aus der Solartechnik, verwiesen sei auch, was da zum Thema „Risikokapital“, was im Prinzip auf eine höhere Vergeudung verweist, steht), oder habe ich mich da verrechnet?

Das heißt natürlich nicht, dass wir den Wirkungsgrad verbessern können, bei alternativer Energie, so von heut auf morgen, aber wir versuchen es ja nicht einmal. Nämlich solange nicht, solange billige Rohstoffe, willige Arbeitskräfte, sowie wohlfeiles Kapital (wofür die anderen bezahlen) bereitstehen.

Bischof Berkeley lässt grüßen
@colorcraze: Ich weiß das, aber auch da sehe ich keinen besonderen Willen zum Fortschritt. Denn solange Energievergeudung (resp. die Vergeudung von Natur und menschlicher Arbeitskraft) mehr Profit abwirft, bleibt alles beim Alten. Erinnern wir uns: Mehrwert entsteht nur bei der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, dessen abstrakten Arbeit, und der Verbrauch der Natur, wie auch der Verbrauch von Arbeitsmitteln (sprich: der Einsatz von fixem Kapital) kann regelhaft (wenn der Konkurrenzdruck, sprich: der Markt, es zulässt) in die Preiskalkulation einfliesen. Und wenn wir bedenken, dass die vier Großen ein Monopol, resp. ein quasi als Kartell auftretendes Oligopol darstellen, lässt es sich leicht ausrechnen, wie da die fixen Kosten abgewälzt werden (die Lohnkosten spielen ehe kaum noch eine Rolle, also wird da auch kräftig an der Mehrwertausbeute der Konkurrenz gezapft), ohne von der Konkurrenz all zu sehr daran gehindert werden zu können.

Das ist im Wesentlichen auch der Grund dafür, warum der Fortschritt heute so schwierig ist. Wir haben eben nicht mehr die Marktverhältnisse, von denen immer behauptet wird, wie segensreich sie doch wären – für den Fortschritt. Aber eben auch nicht die Nichtmarktverhältnisse. Der Markt ist nur noch Beute.
Und der Kapitalismus macht sich selber zum größten Hindernis.

Der Fortschritt steht definitiv unter dem Primat der Profitmaximierung. Und nur dort, wo das noch möglich ist, findet „Fortschritt“ noch statt.
Man kann sich ausmalen, was für ein merkwürdiger Fortschritt das ist.

Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft. Ganz besonders aber auf den Bereich der Intelligenzentwicklung, der Bildung, um auf das letzte Thema noch mal zu sprechen zu kommen.
So wie der Fortschritt also gesteuert wird, von der Profitmaximierung, eben dann auch die Bildung, die Intelligenzentwicklung. Ein Sarrazin kann daher schreiben was er will, er kann recht haben oder auch nicht – in Bezug auf die Muslime wegen mir (eine Frau Kelek schenke ich ihm dazu, so wie sein jüdisches Gen auch, das sind doch alles Diskurse von vorgestern) -, in Bezug auf die Bildung und deren Probleme, liegt er völlig daneben. Ja, er ahnt nicht mal, wovon er schreibt. Er schwadroniert sich um Kopf und Kragen und bleibt dennoch völlig bedeutungslos.

Er sitzt mitten drin im Scheißhaufen und riecht ihn nicht. Das ist schon gewissermaßen ein Ergebnis einer solch gesteuerten Verblödung/verkümmerten Bildung. Er ist das erste Beispiel für.

Ich sage es mal ganz krass: Ich erfahre heute über die Wahrheit mehr, wenn ich die alten Griechen studiere, ich habe da gerade mal wieder den Vorländer (Philosophie des Altertums) vor mir liegen, als wenn ich die modernsten Spekulationen über die Stringtheorie zu begreifen suche.
Bei den alten Griechen komme ich noch auf Ideen, die sie selber vielleicht gar nicht hatten. Schön zu sehen, wie da Anaximander auf das Prinzip der Bewegung, des Apeiron, stößt, ohne es vorerst begreifen zu können, noch zu stark sind die Gedankenstränge aus der magischen Vorzeit, noch all zu sehr im Dunklen, die Dialektik. Aber zwei Menschenalter später findet Anaximenes heraus, wie einfach es doch ist, das Allgemeine im Besonderen zu finden, das Abstrakte im Konkreten, das Nichtstoffliche im Stofflichen, das Transparente im Intransparenten – die Luft, heute würden wir wahrscheinlich sagen: das Vakuum, das mitnichten Nichts ist, denn ist es doch erfüllt mit Materie, ohne diese zu füllen, allemal weniger/oder gar mehr als das pure Sein, nichtstofflich wie stofflich, die Zizeksche „Lücke“ gar. Wie weit ist da ein Brian Green (Das elegante Universum) von weg, auch wenn er glaubt der Weltformel auf der Spur zu sein. Lenin hatte verdammt Recht in seinem „Materialismus und Empiriokritizismus“: Das sind doch alles nur noch Agnostiker, moderne Metaphysiker, taube Nüsse, Bischof Berkeley lässt grüßen!

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/08/27/ein-kernreaktor-fuer-den-tegernsee

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