Eros, Liebe, Sexus und die Schuld der Götter

Eros, Liebe, Sexus und die Schuld der Götter
Zwischen Eros und Liebe liegen wenigstens 2000 Jahre und die ganze Epoche menschlicher Geschichte, die geschichtliche Epoche, die Geschichte des Geistes. Und es verbindet sie das Patriarchat. Nur der griechische Eros war dessen Anfang, die Liebe dürfte das Ende prägen, oder: vom Ende geprägt sein. Eros war noch Leidenschaft, gleich nun ob für das Weib oder die Weisheit, ob für das andere oder das gleiche Geschlecht, dem göttlichen oder dem irdischen. War doch die Bindung Amors zum Menschenkind Psyche nach menschlichen Maßstäben keine Liebe, des Menschen Verlangen ignorierend. Noch unerschaffen darin, noch nicht real. Die Poesie der Moderne, die Lyrik der Liebe, die Lyrik des Verlangens, erst, verbannte der Götter (Er-)Schaffens-Macht und verleiht des Menschen Geist göttliche Fruchtbarkeit. Eros war ein Gott, ein realitischer, einer der den Griechen half Realität zu schaffen, das Weib zu unterjochen, die Liebe zu bannen, ja zu transzendieren, sie ihrem sexuellen Grund zu entwinden und in geistiges Begehren zu verwandeln. Ohne Eros keine Philosophie, ja keine sublimierende Kultur, keine von Göttern unterjochte reale Welt. Aber ohne Poesie keine Liebe und damit kein dem Geiste zugewandtes und als solches rein von Menschen gemachtes Elend.

faz.net/Alexander Kluge: Das Labyrinth der zärtlichen Kraft – Als Adorno Luhmann sein Leid klagte, 11.01.2010

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