Wo höre ich empörten Widerspruch?

Wo höre ich empörten Widerspruch?
Verwundert lese ich folgende Zeilen und denke mir: Ach Gretchen, hättest du geschwiegen, dein Rudi wäre (d)ein großer Mann geblieben: „Er fand, dass das Land mit dem Grundgesetz eine gute demokratische Grundlage habe, und man müsse es nun noch demokratischer machen. Aber eben mit Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung…Auch das Rollenbild der Frau hat sich gewandelt: Sie muss nicht länger den Haushalt führen und die Kinder großziehen…Auf unsere Demokratie können wir stolz sein.“ Dafür der ganze Aufwand? Wo höre ich empörten Widerspruch aus den Reihen der damaligen Revolutionäre?

Wo wäre da Platz für Stolz?
Wie schnell ist das verspielt, worauf Sie anspielen, Herr Lipinski. Ich denke, dass hier das Gretchen nicht nur die Welt Dutschkes und damit 68 simplifiziert, sondern überhaupt die revolutionären Bewegungen. In Frankreich, wo sie ausbrach, war es eine Bewegung der Arbeiter und Studenten, eine beinahe revolutionär-sozialistische, Ausdruck jenes typisch französischen Stellungskrieges zwischen Kapital und Arbeit, und darin ein vorgreifender Reflex auf die nun in Frankreich erst jetzt stattfindende (noch) halbe Konterrevolution. In Deutschland offenbarte sie jenen tiefen Riss zwischen Sozialismus und Arbeiterbewegung, für den die 12-jährige Naziherrschaft nachhaltig gesorgt hat, und welcher nun erneut den Widerstand gegen die Renaissance des Völkischen auf die Tagesordnung setzt. Denn jener typisch deutschen katastrophischen Dialektik folgend, hat sich schneller als erwartet „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind das Volk“ gemausert. Wo wäre da Platz für Stolz und worauf?

faz.net/aktuell/politik/inland/interview-mit-gretchen-dutschke-ueber-rudi-dutschke-gescheitert-sind-wir-nicht

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