Katholische Kurtisanengespräche

Katholische Kurtisanengespräche
Ein einziges Mal bin ich einer Empfehlung, ich glaube, es war sogar in der FAZ, gefolgt. Nie wieder! Postmodern! – bis dahin wusste ich nicht, dass man diese Richtung auch als Körperverletzung, der Kopf ist nun mal Teil des Körpers, betrachten darf. Dennoch: auf diese Weise bin ich wenigstens auf Slavoij Zizek gestoßen, wenn auch nur innerhalb eines Nebensatzes, und darin völlig verkannt. Apropos Büchergilde und B. Traven. Ich war einer von diesen „Arbeitern“ – damals war ich tatsächlich Arbeiter, der von der Büchergilde begeistert war, und von dieser restlos verdorben wurde. Die Gesamtausgaben von Oskar Maria Graf, B. Traven, Jack London, Hemingway, Bert Brechts Arbeitsjournal… habe ich umsonst erhalten, allein für meine Werbeaktivitäten. Am Ende musste ich gar kein Buch mehr kaufen. Ich verblieb über weitere Jahre „Ehrenmitglied“. Heute kann ich sagen, dass, abgesehen von diesen genannten Kostbarkeiten, meine besten Bücher alle antiquarisch erworben sind. Wer mit 12 Jahren seinen ersten Balzac aus Tante Hannas Teakholzregalen zog, die „Tolldreisten Geschichten“ waren es, natürlich, und dann sich dann noch mit 14 über die Lady Chatterley, von D.H. Lawrence, hermachte, der ist unbrauchbar, für jeden Literaturkonsum jenseits von, sagen wir mal: Aretinos Kurtisanengespräche (ich glaube, ich habe es schon einmal in einem früheren Beitrag erwähnt). Und ja, Wagenbachs „Kamasutra“ kommt auch nicht schlecht. Ich bin diesem letzten Recken aus den 68ern mal auf der Buchmesse in Frankfurt begegnet, wo er gerade dieses wunderbare Werk uralter Liebeskunst persönlich vorstellte. Ich bin sicher, dass ich die Liste noch nicht durch bin (der März-Verlag hat da 68 noch einiges zu bieten gehabt, wie Josephine Mutzenbacher und dergleichen, und damals war das gängige Sozialkritik), aber man muss sich beeilen, wer weiß, wie lange man noch bekennen darf, solches genossen zu haben. Gebeichtet jedenfalls habe ich es nie. Ja, ich war mal katholisch!

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