Euphemismus „offene Gesellschaft“

Euphemismus „offene Gesellschaft“
Im Antisemitismus treffen sich (…) die Feinde der offenen Gesellschaft jeglicher Couleur.“ Würde man diesem Satz mehr beimessen als griffige Metapher-sein, müsste das umgekehrt bedeuten, dass der „Staat der Juden“ das Synonym für diese offene Gesellschaft ist. Was er definitiv qua Selbstdefinition, nämlich Heimstatt der Juden zu sein (daher auch seine „Existenzberechtigung“), nicht sein kann. Doch an der Stelle zeigt sich der Begriff „offene Gesellschaft“ selbst als reiner Euphemismus. Die immer wieder geführte Debatte um Armutsflüchtlinge vs. erwünschte Leistungszuwanderer zeigt doch beispielhaft, um was wirklich gestritten wird: um das „Privileg“ Bürger zu sein. Nämlich arbeitend/steuerzahlend und konsumierend, also sog. Leistungsbürger. Und während links die darin enthaltene Antinomie kritisch aufgreift, glaubt rechts sein „Privileg“ verteidigen zu dürfen.

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