Für die revolutionär-demokratische Republik des katalanischen Volkes

In dem Maße wie die katalanische Befreiungsbewegung dieser Tage sich in eine Befreiungsbewegung des revolutionären Proletariats schlechthin verwandelt, bzw. sich diesbezüglich als solche offenbart, und daher zwangsläufig sich aus einer „inneren spanischen Krise“, wie die EU-Bürokratie so gerne hätte, in eine internationale Krise verwandelt, wandelt sich auch der Kampf innerhalb der revolutionären und marxistischen Linken.

Und da die trotzkistische Linke (siehe auch: Gewaltige Sprache), u. a. auch aufgrund der Fehler der vormals 3. Internationale in der Sache des Kampfes für die spanischer Republik im Besonderen und des antifaschistischen Kampfes im Allgemeinen (siehe auch: Der Doppelcharakter der kleinbuergerlichen Demokratie), dort die Führung des proletarischen Kampfes begehrt, wird es Zeit sich mit deren Linie und Parolen auseinanderzusetzen.

Und dass das kein Folklore-Scharmützel ist, ergibt sich unmittelbar aus deren Parole für ein sozialistisches Katalonien und dies zu allem Überfluss innerhalb einer föderativen sozialistischen spanischen Republik. Hier wird nicht einfach nur etwas vermischt, was nicht vermischt gehört, nämlich die nationalrevolutionäre Sache der Katalanen mit der Sache der sozialistischen Revolution des Proletariats in Spanien, sondern es wird zudem die richtige Verbindung dieser beiden Seiten nicht hergestellt.

Es ist eine Grundweisheit des Marxismus, dass der Inhalt der sozialistischen Revolution stets ein internationaler ist, wenngleich die Formen der jeweiligen Revolution national sind. Um dies zu erkennen, genügte schon ein Blick ins Manifest der kommunistischen Partei, das zu zitieren, ich mir jetzt schenke, da es erstens längst Allgemeingut des Marxismus ist und zweitens ich das gesamte Manifest verlinke.

Die Form der Revolution ist deshalb wichtig, weil von ihr abhängt, ob es gelingt oder nicht, möglichst alle Reserven der Revolution zu mobilisieren und lediglich die Kräfte zu isolieren, die unüberzeugbare Reserven der Konterrevolution sind. Die Analyse der Kräfte der Revolution und damit der Formen der Revolution ist die Grundlage für die Strategie, im Gegensatz jetzt zur Taktik, die sich aus den Wendungen des Tageskampfes ergibt, und diesbezüglich der Strategie untergeordnet ist.

In Katalonien scheint es sich vor allem um eine nationalrevolutionäre Bewegung zu handeln. Das zumindest ergibt sich aus der Analyse der Geschichte dort und der darin involvierten Klassen. Nichtsdestotrotz ist diese Bewegung längst Teil des internationalen Kampfes des Proletariats für seine endgültige Befreiung – für den Sozialismus. Und das ist der wahre Inhalt auch der nationalrevolutionären Bewegung des katalanischen Volkes gegen die Reste des spanischen Kolonialismus und Faschismus. Doch aktuell ist der Kampf des spanischen Volkes selber solange noch ein Kampf für Demokratie als dieser Faschismus in ganz Spanien nicht wirklich geschlagen ist. Und letztlich sind all diese Kämpfe ihrer Natur nach Kämpfe gegen den Imperialismus, aktuell gegen das transnationale Kapital, das sich faktisch die ganze iberische Halbinsel zur Kolonie gemacht hat, und damit Kämpfe für den Sozialismus.

Wir sehen also, dass der sozialistische Inhalt in all diesen Kämpfen stets präsent ist, doch die jeweilige Form ist davon zu unterscheiden.
Der Sozialismus ist weder in Katalonien noch in Gesamtspanien eine Sache der Zukunft. Er ist in allen Formen und Bereichen der revolutionären Bewegungen enthalten. Im Kampf um nationale Befreiung ist die soziale enthalten. Doch das ist eine dialektische Beziehung. Es ist Identität und Gegensatz in einem. Wenn wir den Kampf für den Sozialismus, nicht nur in Katalonien und Spanien, gewinnen wollen, müssen wir den Kampf für die Demokratie – mit der der Kampf für den Sozialismus stets verbunden ist, wie Marx das betont, und Lenin stets wiederholt, sich auf Marx beziehend – so historisch-konkret wie möglich führen.

Wenn wir aber die Losung für eine sozialistische gesamtspanische Republik ausgeben, und dies gar verbunden mit der Losung für ein sozialistisches Katalonien, gefährden wir nicht nur die katalonische nationalrevolutionäre Sache, sondern darin zugleich die gesamtspanische – demokratische wie sozialistische -, wie überhaupt die gesamte Sache des revolutionären sozialistischen Proletariats. Wir trennten uns in dem aktuell anstehenden Befreiungskampf von den Kräften, die unverzichtbar sind, um nicht nur in die Offensive über die faschistische Reaktion zu kommen, sondern auch in der sozialistischen Sache selbst.

Die sozialistische Republik steht nicht auf der Tagesordnung, nicht in Katalonien, nicht in Spanien. Aber je tiefer der Kampf um die nationale, wie antifaschistische und antiimperialistische Sache getrieben wird, und das wird er, ob der Schwäche der nationalen Bourgeoisien, desto mehr kommt das sozialistische Proletariat zum Zuge, und in dem Maße wie das geschieht, verwandelt sich der Kampf um die Demokratie in den Kampf für den Sozialismus. Der sozialistische Kampf wird also nicht auf eine nebulöse Zukunft verschoben, sondern in seinen jeweiligen Formen so geführt, dass die revolutionären Reihen auf dem Weg dorthin stets geschlossen bleiben.

In Katalonien geht es aktuell um die revolutionär-demokratische katalanische Republik. Ein Kampf, der die Lostrennung vom spanischen Nationalstaat erfordert. Und in dem das geschieht werden alle revolutionären Kräfte in Katalonien freigesetzt. Und das ist gegenwärtig auch die Hauptmacht nicht nur gegen den spanischen Faschismus, sondern auch darin die Hauptmacht gegen den Imperialismus und für den Sozialismus. Die gesamte spanische Sache, wie auch die Sache des sozialistischen Proletariats hängt von Sieg oder Niederlage in der katalonischen Sache ab. Ob das jemals wieder zu einer gesamtspanischen Republik führt, ist erstens nicht Angelegenheit der gegenwärtigen Bewegung und hängt zweitens unter Umständen davon ab, inwieweit das spanische Volk diese Lostrennung nicht nur respektiert, sondern aktiv unterstützt. Im Interesse der eigenen antifaschistischen Sache. Denn nur, indem diese als solche begriffen wird, werden auch die revolutionären Kräfte in Spanien selbst freigesetzt. Durch die Vermischung beider Losungen hingegen wird das katalanische Volk getäuscht und das spanische Volk im Unklaren darüber gelassen, was es jetzt zu tun hat: den Kampf gegen den Franquismus in all seinen Spielarten so konsequent wie möglich zu führen, und das katalanische Volk bedingungslos zu unterstützen.

In Spanien geht es um die antifaschistische-antimonarchistische-demokratische Republik der Arbeiter und Bauern. Und wenn dieser Kampf konsequent geführt wird, wird im gesamten Europa das imperialistische Kapital in seinen Grundfesten erschüttert. Und in dem Maße, wie das geschieht, wird auch die sozialistische Sache nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa, einschließlich Kataloniens, in die Offensive geführt.

Der nun folgende Beitrag war zunächst ein Facebook-Eintrag von mir und bezieht sich auf einen Kommentar von Jairo Gomez vom 3.11.2017:

„Ein Beweis mehr, dass der Franquismus nicht überwunden ist. Im Gegenteil, er scheint Teil des europäischen Machtapparats geworden zu. Als der Putschversuch 1981, an dem Juan Carlos I beteiligt gewesen sein soll, wie man damals munkelte, ist der spanische Faschismus nicht etwa an die Kette gelegt worden, wie uns durch dessen allzu schnelle Verurteilung durch den Monarchen suggerieren sollte, sondern lediglich in einen anderen Stall überführt. Das transnationale Kapital, das nach der Subprime-Krise, welche Spanien besonders hart getroffen hat durch die von den Banken forcierte Immobilienspekulation, wie die sprichwörtlichen „Heuschrecken“ hergefallen ist, und das Volk in noch tieferes Elend als je zuvor gestürzt hat, kann auf diesen Faschismus nicht verzichten. So betrachtet wäre der katalanische Befreiungskampf von der spanischen Diktatur auch ein Befreiungskampf ganz Spaniens nicht nur gegen den alten Faschismus, sondern auch gegen mit dieser verbündeten Diktatur des transnationalen Kapitals. Erkannte das die Linke Spaniens, wüsste sie, dass die Katalanen weniger Separatisten sind – im herkömmlichen Sinne – als recht eigentlich die Vorhut im womöglich ersten anti-transnationalkapitalistischen Kampf.

In Spanien spielt sich ein Drama ab vom Ausmaße des Kampfes der „Pariser Kommune“, welcher das revolutionäre Proletariat seinerzeit auf die Bühne gebracht hatte, und die Bourgeoisie als reaktionär gewordene Klasse offenbarte. In Spanien stehen sich – vorerst noch auf der kleinen katalanischen Bühne – das revolutionäre internationale Proletariat und das extrem konterrevolutionäre transnationale Kapital unmittelbar gegenüber. Das zu begreifen, ist lebenswichtig für den Endkampf zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Das revolutionäre Proletariat hat nun die Möglichkeit sich seiner historischen Mission zu bemächtigen und den Befreiungskampf seiner Klasse in den Kampf der überwältigenden Mehrheit Menschheit um ihre sprichwörtlich nackte Existenz zu verwandeln, wie das Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei vor 150 angekündigt haben, oder zu kapitulieren und damit eine neue Epoche finsterster Sklaverei mit zu verantworten. Die Barbarei des imperialistischen Faschismus gäbe uns da nur eine ungenügende Vorstellung, obwohl der Ausgang des Kampfs gegen diese nun zum zweiten Mal die Entscheidungsschlacht zwischen Sozialismus oder Barbarei markierte. Und dies nun auch zum zweiten Mal beginnend auf spanischem Boden.
Völker hört die Signale!“

http://mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm

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