Ein-Blick in die Leere

Ein-Blick in die Leere
Eine wirklich nicht schlechte Analyse, zumal von einem Verfasser, den ich selbst für einen Narzisst halte. Ich sehe daher in seinen Beiträgen mehr eine „Überästhetisierung“ der Realität, also deren Brechung durch den Glanz seines Ichs, als das von ihm eingestandene „Anästhesieren“.

Die hier vorgeführte verquastete Sprache mag im Angesicht des Themas ausnahmsweise Mal für eine gewisse Scheu stehen, nämlich das Offenkundige allzu offen kund zu tun. Schließlich geht’s um den Präsidenten der USA. Kann es um mehr gehen? Wie auch immer, dem Schöngeist scheinen diesmal die Worte nicht ganz so geschmeidig abzugehen: „Manchmal ergibt sich der Eindruck, er stehe unter einem Zwang, sich durch Resonanz die Wirklichkeit seiner eigenen Existenz (zu) beweisen.“

Dieser Satz, der mich so elektrisierte, dass ich dessen grammatikalischen Fehler (das „zu“ wurde von mir eingefügt; ich bin halt auch ein Ästhet) erst beim 2. Durchgang entdeckte, bringt das Unsagbare auf den Punkt: Der aktuelle US-Präsident ist nicht nur ein Narzisst, sondern auch ein Borderliner. Doch darin ist dieser Präsident so sehr das schmerzliche Echo so Vieler, dass diese Vielen es am liebsten kollektiv verbieten möchten – zu hören. Nur wenn er leiden würde, dürfte man ihm das diagnostizieren, ihre eigenen Schmerzen dabei trotzig verleugnend.

Das auch hier besprochene Herrscherbild aus dem Trump-Tower, erlaubt uns nur einen Blick in die sprichwörtliche Leere, eine Leere, die das Kind „im Blick“ am deutlichsten reflektiert. Diese Leere symbolisiert nicht nur das Leiden, sie ist das Leiden. Der goldene Rahmen alleine hätte auch genügt. Nach meiner Diktion haben wir es hier nicht aus Zufall mit dieser Persönlichkeitsstörung Borderline zu tun, denn der Borderliner scheint dem bürgerlichen Subjekt der Gegenwart auf den Leib geschneidert. So paranoid erfolgsgetrieben wie verloren ent-grenzt – die konstruierte Persönlichkeit per excellence.

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