Wer wen?

Wer wen?
Du lieber Himmel, was ist das hier? Ist das noch ernstzunehmende Satire? Scheinbar sich vorführender „Klassenkampf von oben“? Damit die da unten endlich mal auf Augenhöhe mit denen da oben kommen! Im Moment wälzen wir uns nur in dem Misthaufen des herrschenden ideologischen Abfalls. Oder kann es sein, dass wir da Augenhöhe mit Afterhöhe verwechseln?

Die Kritik an Merkel, wie ich sie hier vorfinde, unterscheidet sich von Merkel und Konsorten kaum noch. Oder anders ausgedrückt: Wir laufen voll in die Falle, die uns die herrschenden Konservativen gestellt haben, will heißen: den Linken gestellt haben. Verführt durch eine scheinbar sozialdemokratische „Willkommenskultur“ wird die Linke am Ende entweder verantwortlich gemacht, für das Scheitern dieser Politik, oder sie wird in inneren Kämpfen zerrieben. Geläutert sozusagen, dann massenhaft ins konservative Lager überlaufend.

Das ist es, was ThorHa dieser Tage so hämisch von sich gab: eine bessere Werbung für die Konservativen könnte es gar nicht geben, meinte er. Es rächt sich immer wieder auf die gleiche Art, nämlich, dass der Kleinbürger glaubt, er hätte das Zeugs (die intellektuelle Begabung und Ausbildung) die Welt zu beurteilen, wagt dann aber nicht, an ihrer Veränderung zu arbeiten. Ja wie sollte er auch: die Veränderung ist nicht so sein Ding.

Das, was wir im Moment erleben, wieder mal erleben, ist Geschichte, gemachte Geschichte, nicht nur einfach Schicksal. Geschichte wird von Menschen gemacht, nicht von einzelnen, und seien die auch noch so genial, oder abgefahren, oder dämlich, sondern von Klassen. Und es ist die herrschende Klasse, die da Geschichte macht, im Moment, wie es scheint, die Geschichte ihres eigenen Untergangs. Und der Kleinbürger glaubt, er könnte dem entgehen?

Eine revolutionäre Klasse unterscheidet sich von einer reaktionären Klasse dadurch, dass die Geschichte, die sie macht, den Lauf der Geschichte selber prägt, und nicht diesen erleidet. Die Grundvoraussetzung dafür ist, den Lauf der Geschichte zu verstehen. Und was verstehen wir davon, wenn hier Millionen von Menschen auf der Flucht sind, oder auf der „Wanderung“? Verstehen wir, dass das vom Kapital gemachte Verhältnisse sind? Verhältnisse, die allerdings von diesem Kapital selber zu erleiden sind.

Das Kapital erleidet die Ergebnisse seiner eigenen Politik. Und wir Kleinbürger wollen uns hinstellen und uns selber glauben machen: Eine andere als Merkel könnte das verhindern? Wir können gar nichts verhindern! In dem Punkt hat die Merkel sogar recht. Doch die Art und Weise der Reaktion wird darüber entscheiden, welche Klasse morgen an der Macht sein wird, sich die Macht nochmal erhalten hat, oder eben nicht. Und Merkel, wenn wir schon bei der Person sind, versucht mit allen Mitteln den Machterhalt. Nicht nur ihren, den der Klasse. Den Chauvinismus wohlwissend, nicht nur einkalkulierend, sondern systematisch fördernd. Auf sehr raffinierte, wenn auch u. U. selbstgefährdende Weise.

Und ein revolutionäres Subjekt, eine Klasse, die sich dem zu widersetzen versteht, kann darauf nur Einfluss nehmen, wenn es diese Flüchtlingsströme gegen die herrschende Klasse selber wendet. Und das geschieht nicht, wenn sich dieses Subjekt mit den Herrschenden zusammen hinter Zäunen und Mauern zu verschanzen sucht. Mal abgesehen davon, dass ein revolutionäres Subjekt mit dem Subjekt der Konterrevolution zusammen überhaupt nichts hinter irgendwelchen Zäunen und Mauern zu suchen hat.

Wer wen? Das ist die immer deutlicher werdende Hauptfrage. Und nicht etwa die Frage des Kleinbürgers: Mit wem; und wie lange noch?
Schon vergessen: „Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.“ Und: „Die bisherigen kleinen Mittelstände, die kleinen Industriellen, Kaufleute und Rentiers, die Handwerker und Bauern, alle diese Klassen fallen ins Proletariat hinab, teils dadurch, daß ihr kleines Kapital für den Betrieb der großen Industrie nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den größeren Kapitalisten erliegt, teils dadurch, daß ihre Geschicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwertet wird. So rekrutiert sich das Proletariat aus allen Klassen der Bevölkerung.“ (Karl Marx/Friedrich Engels; Manifest der Kommunistischen Partei; Bourgeois und Proletarier)

blogs.faz.net/stuetzen/2015/10/16/medici-und-merkel-im-transitzonenvergleich

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
Dieser Beitrag wurde in Blogs veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.