Quasi-Naturgesetzlich vs. Einsicht in die Notwendigkeit

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Quasi-Naturgesetzlich vs. Einsicht in die Notwendigkeit
Karl Marx sprach in seiner „Kritik der politischen Ökonomie“, wie in seinem Hauptwerk Das Kapital von der Quasi-Naturgesetzlichkeit. Quasi-naturgesetzlich insofern auch, als sich die Akteure blind gegenüber den grundlegenden Triebkräften dieser politischen Ökonomie verhielten. Also erst ob dieser Blindheit sich ökonomische „Gesetze“ wie Naturgesetze verhielten. Das allerdings ist nur die polemische Seite der von Hegel stammenden Erkenntnis, dass die Wahrheit immer konkret ist, und dass man daher auch zwischen dem abstrakt-Allgemeinen und konkret-Allgemeinen unterscheiden müsse. Im abstrakt-Allgemeinen steht zum Beispiel der Einzelne – als Subjekt, wie als gesellschaftliche Kategorie -, dem Allgemeinen unvermittelt entgegen, im konkret-Allgemeinen hingegen ist er in der Besonderheit aufgehoben und als wirksam erkannt. Die ganze Qualität eines Wirkungszusammenhangs erklärt sich aus dieser Besonderheit.

Wenn der Mainstream unserer Ökonomen vor 2008 hätte begreifen können oder wollen, dass Güter und Dienstleistungen eine reale und keine virtuelle Natur besitzen, und dass Menschen keine steuerbaren Roboter sind, und deren Beziehungen und Verhalten also niemals vollständig, ja nicht mal annähernd vollständig, in einer Theorie oder einem Modell abgebildet werden können, die ausschließlich als Geldtheorie auf dem Markt ist, wäre uns vielleicht diese Finanzkrise erspart geblieben. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die übrigen Akteure diesen Ökonomen dann zu folgen bereit gewesen wären. Aber selbst dieser Faktor, also dass niemand ihnen folgt, muss in einer richtigen Theorie Platz finden. Denn natürlich verhalten die Menschen sich opportunistisch, wenn man ihnen die Wahl dazu lässt, bzw. sie gar dazu verführt.

Objektiv betrachtet, war die Subprime-Krise Ausdruck einer Selbstverführung, sprich: einer Hybris. Selbst die Hauptakteure in diesem Geschehen, bzw. gerade die, scheinen davon ausgegangen zu sein, dass man Schuldenpakete (resp. faule Kredite) durch ihre Verkleinerung und Umverpackung schließlich bis ins Nirwana verschieben könnte. Und weil dem so ist, also weil die Akteure auf dem Markt immer wieder den gleichen Phantasmen folgen (Marx spricht von einem notwendigen Phantasma!), lässt sich die Selbstbewegung des Kapitals nicht widerspruchsfrei erklären. Die sie tragenden und solchermaßen in Kämpfen verwickelten Klassenkräften und Klasseninteressen spielen das Zünglein an der Waage. Und es mag als Ironie verstanden werden, dass ausgerechnet die Kräfte der Seite, die aktuell schwach zu sein scheinen, nämlich die der Lohnarbeit, eine der Bedingungen dafür sein könnten, dass die starken Kräfte, nämlich die des Kapitals, so fundamental irren. Ihre praktische Stärke ihre Schwäche in der Theorie ausmacht. Es fehlt beiden Seiten quasi die „Einsicht in die Notwendigkeit“. Eine Notwendigkeit, die in Form des Kampfes für eine bestimmte historische Zeit sie entgegengesetzt zusammenschweißt. Als quasi Schicksalsgemeinschaft in Feindschaft. Und wo diese fehlt, also wo der Klassenkampf schwach, bzw. asymmetrisch verläuft, also die eine Seite die andere absolut dominiert, erzwingt die Krise die Einsicht. Könnten das die Ökonomen in ihren zukünftigen Betrachtungen miteinbeziehen, würden sie vielleicht weniger irren.

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