„Gier“, oder die fehlende Einsicht des nichtwissenschaftlich denkenden Subjekts

„Gier“, oder die fehlende Einsicht des nichtwissenschaftlich denkenden Subjekts
Das ist wieder so ein typisches Beispiel für, wie die berechtigte Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu einer verkürzten Kritik am Subjekt missbraucht wird. Eine solche Kritik ist nicht nur nicht wissenschaftlich, und „Nichtwissenschaftlichkeit“ wäre für mich der Grund für das Absetzen von entsprechenden Preisen, eben nicht nur des Nobelpreises, sondern ein Indiz dafür, dass unwissenschaftliches Denken, korruptes Denken fördert. „Korrupt“ in dem Sinne, dass es nicht an der Wahrheit interessiert ist, sondern lediglich an dem Schein der Wahrheit, am falschen Schein. Schauen wir uns nur die in letzter Zeit enttarnten Plagiatoren an. Das Interesse am falschen Schein scheint so weit zu gehen, dass man nicht einmal mehr davor zurückschreckt, am Lebenslauf zu fälschen. Man sollte vielleicht mal wieder Marx studieren. Marx spricht im Zusammenhang mit der Kritik am Subjekt vom Phantasma desselbigen, des „notwendigen Phantasmas“ gar. Ein notwendiges Phantasma, da die „Einsicht“ in die eigenen Verhältnisse innerhalb einer Fetischkonstitution erfolgt. Insofern ist für das Subjekt die Wahrheit eine Art fremde Dimension. Ein wissenschaftliches Kriterium bleibt die Wahrheit dennoch, nämlich als eine Art „Einsicht in die Notwendigkeit“. Und diese Einsicht erfolgt im Kontext der gesellschaftlichen Praxis des Subjekts. Einer Praxis, die allerdings mitnichten nicht interessegeleitet ist. Insofern diese Interessen, gemeint sind Klasseninteressen, mit dem gesellschaftlichen Fortschritt nämlich übereinstimmen (bzw. diesen hemmen), ergeben sich dem Subjekt notwendige Einsichten (oder notwendig fehlende Einsichten) zu seiner Freiheit. Nur ein Subjekt, das an dieser Freiheit ein Interesse haben kann, ist so etwas wie wahrheitsempfänglich. Und in der Tat scheinen die „praktischen“ Wissenschaften daher die zu sein, die an der Wahrheit ein notwendiges Interesse haben. Denn ein Scheitern in der Praxis ist (auf Dauer) so unüberhörbar wie wenig korrumpierbar. Ich würde daher vorschlagen, alle nicht praktischen Wissenschaften vom Nobelpreis auszuschließen. Dies im Interesse einer Wissenschaft selbst, und natürlich im Interesse einer wissenschaftlichen Kritik und Selbstkritik einer zunehmend auf Wissenschaft angewiesenen Gesellschaft. Und damit im Interesse einer wissenschaftlichen Kritik am Kapitalismus. Die Kritik an der Korruption (und an der „Gier“) erledigt sich dann wohl von selbst.

blogs.faz.net/fazit/2015/10/12/wirtschaftsnobelpreis-abschaffen

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