Noch weniger mutig, als einst die Bonzen der SED, am 17. Juni, die Redaktion der FAZ

Noch weniger mutig, als einst die Bonzen der SED, am 17. Juni, die Redaktion der FAZ
Eine Anmerkung zu Kermanis Rede in Köln und zu einer FAZ’s Feigheit

„„Kermani spricht „gegen die Hassprediger in den Moscheen und die Hassprediger in den Talkshows“, wie auch davon, dass der Kampf gegen Unfreiheit und Gewalt nicht nur in Kobane und Aleppo, am 11.September 2001 in New York oder am 7.Januar 2015 in Paris stattfinde, er sieht die Anschläge von Paris „nicht zuletzt“ als Folge des Irak-Kriegs, „der dem Terrornetzwerk Al Qaida in unmittelbarer Nachbarschaft Europas ein Aufmarschgebiet bescherte, auf das Usama Bin Ladin in seinen kühnsten Träumen nicht gehofft hätte“, wie „unseres Versagens in Syrien“, wo „wir tatenlos oder vielleicht sogar aus perfidem Kalkül zusahen, wie unsere eigenen, engsten Verbündeten, Saudi-Arabien und andere Golf-Staaten, die Dschihadisten finanzierten und hochrüsteten, auch den sogenannten ,Islamischen Staat‘, auf den sich die Attentäter beriefen““. – Soweit die FAZ

Aus perfidem Kalkül“. Gut erkannt, Herr Kermani! Sie sind ein echter Gewinn, wenn auch ganz sicher ein unverdienter, für Deutschland. Das war schon früh zu erkennen. Und ich frage mich, warum die FAZ-Redaktion zu diesem Beitrag die Kommentarfunktion geschlossen hält. Vor wem hat sie da in Wirklichkeit Angst? Dass dazu Hassreden kommen würden? Das wäre doch auszuhalten. Zumal Herr Kermani sich hier doch mutig dazwischen schiebt. Eine solche Rede wäre die Chance gewesen, die verfeindeten Diskurse auf einander zugehen zu lassen. In etwa so, wie es einst Bert Brecht versucht hatte (natürlich unter völlig anderen historischen und sozialen Kontexten), im Angesicht der Faustschläge, die da die Arbeiter „Ihrer Partei“ am 17. Juni 53 verpassten: „das war der kontakt. Er kam nicht in der form der umarmung, sondern in der form des faustschlags, aber er war doch der kontakt. – die partei hatte zu erschrecken, aber sie brauchte nicht zu verzweifeln.“ (Bertolt Brecht, Arbeitsjournal, 2. Bd. 1942-1955, Büchergilde 1974, S. 1009, Kleinschreibung im Original; vgl. hierzu auch diese wirklich gute Analyse von Wolfgang Fritz Haug „Brecht auf der Tagesordnung“, Brechts Zumutungen an
eine mögliche kommunistische Neugründung
; Fritz Haug erwähnt hier auch die FAZ, die diese Brechtsche Intervention in einem Artikel ebenfalls sinngemäß als „Zumutung“ empfunden habe, jedenfalls für sich).
Und während der Marxist Brecht hier ein Vorbild gibt, wie man auf die Massen zugeht, auch und gerade, wenn sie einem nicht wohlgesonnen sind, teilt die FAZ-Redaktion ihren fehlenden Mut und ihre Angst vor der Zumutung (dieser Begegnung) mit den Bonzen der SED. Ob sie sich dessen bewusst ist?

faz.net/aktuell/feuilleton/muslimischer-gelehrter-navid-kermani-ueber-pariser-anschlaege

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