Schwäche oder stärke ich das System?

Schwäche oder stärke ich das System?
Es erscheint paradox, dass eine herrschende Klasse, und die sog. 4. Macht stellt zusammen mit dem Geld letztlich nur die virtuelle Seite einer bestimmten Klassenherrschaft dar, der die unterdrückte Klasse abhanden gekommen zu sein scheint, eine paranoide Angst gegenüber den letzten Unangepassten entwickelt. Dennoch will mir genau dies das Wesen der Problematik darstellen. Es macht also wenig Sinn sich an den einzelnen Exzessen abzuarbeiten. Wir müssen ein Verständnis davon bekommen, was dies bedeutet, bzw. welche Gegenmaßnahmen erforderlich, bzw. überhaupt möglich sind. Zizik ist es, der sich als Philosoph mit dieser Thematik beschäftigt. Ich habe mehrfach darüber berichtet. Und demselben Zizek verdanken wir auch die Einsicht, dass dennoch Unangepasst-sein mitnichten ein Indiz für Widerständigkeit ist. Denn nach Zizek gelingt es diesem Kapitel immer besser auch die unangepassteste Form des Widerstandes zu assimilieren, ja zu vermarkten. „Ich möchte lieber nicht“ ist daher Zizeks gedrechselt wirkende noch mögliche Geste des Widerstandes. Ich bin mir nicht sicher, ob ich da Zizek noch zu folgen vermag; doch wenn ich mir Ihren verzweifelt geführten Kampf gegen die Unterwanderung der Piraten durch sog. Antifaschisten, bzw. „Antideutschen“ anschaue, und jetzt wieder diese Kraftaufwendung gegen den aktuellen ethischen Sauberkeits-Fetischismus im öffentlichen Raum, könnte auch ich verzweifeln. Denn natürlich stelle ich mir mit Zizek die Frage: schwäche oder stärke ich das System, mit gleich welcher Aktion?

„Aussteigen“, das überlasse ich gerne anderen
Das ist eine Leistung, dass Sie erkennen, dass wir uns das System alle paar Jahrhunderte aussuchen können. Die hätte ich Ihnen, entschuldigen Sie meine Direktheit, Herr Haupts, so gar nicht zugetraut. Nun ja, denn genau darauf setze ich. Wir befinden uns nämlich, nicht nur nach meiner bescheidenen Meinung, genau am Beginn wieder einmal eines solchen Jahrhunderts, Jahrtausends gar. Und wenn wir diese Chance wieder mal vertun, könnte es unsere letzte gewesen sein. „Aussteigen“, das überlasse ich gerne anderen. Und Sie ahnen vielleicht, wen ich damit meine. Es sind nämlich die konservativen Zeitgenossen, die in solchen Zeiten verzweifelt nach einem Weg des Ausstiegs suchen. Also die Leute, die das revolutionäre Potential solcher Zeiten, wenn überhaupt erkennen, dann fürchten.

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