Rückfall in die spätantike Scholastik

Rückfall in die spätantike Scholastik
Das eigentliche Desaster ist, dass sich die ganze Existenzphilosophie, auch und gerade die Sartres, auf Heideggers Sprachakrobatik gründet. Für mich ist diese ganze Verschwurbelung um das Sein ein Rückfall in die spätantike Scholastik, eine Abkehr von der Dialektik der Moderne. Dem Sein mehr Raum zu geben, als dem Werden, das ist der Sündenfall. Und es ist für mich auch kein Zufall, dass eine solch reaktionäre Philosophie die Nähe zur politischen Reaktion sucht. Es zeigt sich darin das Klammern an die Macht – um jeden Preis. In der Philosophie um den Preis der Erkundung der Wahrheit, d.h. einer Wahrheit, die eine Zukunft hat, und in der Politik um den Preis der Vernichtung „unwerten Lebens“. Möchte man doch gerne vernichten, was einem in Bezug auf die Zukunft angst macht. Dem Intellektuellen droht Statusverlust, dem Mächtigen der Verlust seiner Klassenprivilegien.

Auch ein Marxismus, der nicht weiterentwickelt wird, verkommt zur Scholastik
@HansMeier/Schmid: Ähnelt nicht die „Alternativlosigkeit“ des aktuellen Kapitalismus der „Unausweichlichkeit eines Schicksals“ eines Gracián? Untergehende Klassen versuchen immer wieder auf dieselbe Weise der Geschichte eine Nase zu drehen. Doch wenn etwas „unausweichlich“ ist, dann ist es das „Werden“, und damit an Herrn Schmid gerichtet. Ich sagte, dass es „für mich kein Zufall ist“, und eben nicht, dass alle Seinsverliebte so reaktionär wie Heidegger sein müssen. Und ja; unter dem Banner des Marxismus segeln eine Menge Scholastiker. Ich nannte den Existenzialismus, ich nannte Sartre. Mich wundert es nicht, dass Sartre die damalige Sowjetunion, will heißen: den Gulag, zu rechtfertigen suchte. Denn auch ein Marxismus, der nicht im revolutionären Sinne weiterentwickelt wird – im dialektischen Sinne -, verkommt zur Rechtfertigung – zur Scholastik.

Das treibt die Transzendenz zum Wahnsinn
@HansMeier: Ich erkenne sehr wohl einzelne Lichtgestalten innerhalb der Scholastik. Roger Bacon oder Wilhelm von Ockham mögen für einen Freigeist stehen, wie er im Sog eines Voltaire auch das europäische Festland dann erfasste – ein halbes Jahrtausend später. Doch dieser unsägliche „Universalienstreit“ ist für mich genauso unfruchtbar wie eines Heideggers Da-sein versus So-sein. Ein So-sein sucht das Substanzproblem des Daseins in eine neue Begrifflichkeit zu verlagern. Darin mehr Ying und Yang ähnelnd als der aristotelischen oder gar hegelschen Dialektik. Das „So-sein“ wird zur aristokratischen Haltung stilisiert. Harmonie, Größe und das „wahre Glück“ versprechend. Und hier lauert der rassistische Pferdefuß. Sind doch bei Heidegger die Deutschen die „Glücksbringer“. Welch grausamer Irrtum. Und das treibt nicht nur eines Heideggers Transzendenz zum Wahnsinn.

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