Wenn dem Räuber die plötzlich überkommenen ökonomischen Mittel den Verstand rauben

Dieser Blogeintrag wurde bisher im FAZ-Blog „Fazit“ noch nicht freigeschaltet! Ein erstaunlicher Vorgang, der den Verdacht nahe legt, dass in diesem Blog, entgegen dem eigenen Selbstverständnis, der polit-ökonomische Diskurs, ziemlich flach gehalten wird.
Nachtrag: Hat lange gedauert, jetzt ist er freigeschaltet. Doch sofort wurde ein neues Blog ins Netz gesetzt

Wenn dem Räuber die plötzlich überkommenen ökonomischen Mittel den Verstand rauben
All die hier genannten Erklärungsversuche zeigen so wenig ökonomischen Sachverstand wie offenbar den der „holländischen Ökonomen“. Dagegen viel Laienpsychologie und ein wenig Räuberphilosophie. Die alles entscheidende Frage ist doch die, ob nämlich die Rohstoffe als solche nur ausgebeutet werden – auf dem Weltmarkt verhökert -, oder ob sie an Ort und Stelle weiterverarbeitet werden. Schlicht, ob mittels der Rohstoffe die Produktivität der betroffenen Ökonomien günstig beeinflusst wird, oder unterlaufen. Ob also die Wertschöpfungskette bis zum Ende durchdekliniert wird, oder auf niedrigster Stufe abgebrochen. Und schließlich: ob man bei der Mehrwertausbeute mehr auf die relativen Effekte oder auf die absoluten setzt. Die Ökonomien mit hoher Produktivität beuten die mit niedrigerer aus. Und dies, obwohl hier in aller Regel die relative Ausbeutung der Lohnarbeit der absoluten entgegensteht. Das weiß die Welt nicht erst seit Karl Marx.

Die aus Rohstoffen zu gewinnende primitive Wertschöpfung mag zunächst viel Geld ins Land fließen lassen (auf Kosten natürlich der Lohnarbeit, die absolut ausgebeutet wird). Doch wird dies nicht nur schnell von der heimischen Staatsmacht, will heißen: von deren korrupten Knechten, abgeschöpft, sondern vielmehr der produktiveren Konkurrenz (auf dem Weltmarkt) zum Opfer gebracht, bzw. zum Schaden einer produktiveren Binnenökonomie, welche sich auf dem Weltmarkt auf höchstem Niveau zu behaupten hat. Ein Übriges leistet dann der Preisdruck durch den Weltmarkt, dessen Preise sich an der jeweils höchsten Produktivität orientieren. Also immer tendenziell niedrigere Preise durchsetzen lässt. Kapitalmangel statt Kapitalüberfluss ist dann das Ergebnis. Und schließlich gar eine negative Leistungsbilanz – trotz der hochbewerteten eigenen Währung. Und was die genannten Strukturen dann nochmal verfestigt.

Die „Holländische Krankheit“ erklärt sich (für Holland) schlicht dadurch, dass die Aufwertung der holländischen Währung einem rein spekulativen und solchermaßen anfänglich gewonnenen Effekt folgte, welcher nämlich ganz offensichtlich im Widerspruch stand zu den hier beschriebenen Evidenzen in der realen Ökonomie – auf lange Sicht. Letztlich handelt es sich um ein Versagen der ökonomischen Wissenschaften, welche es versäumt haben, dieses Szenarium zu prognostizieren. Die Holländer hätten das Gas vielleicht nicht auf dem Weltmarkt feil bieten dürfen. Selber verbrauchen oder weiterentwickeln, das wäre wohl die vernünftigere Lösung gewesen. Noch besser vielleicht, wenn Holland die Ausbeute verpachtet hätte, an ein Land der 3. Welt, mit einer schon hausgemachten niedrigeren Produktivität. Zudem noch die Pachteinnahmen genau dort investiert hätte, zwecks Steigerung der Produktivität – dort –, und als Resonanzeffekt auch zuhause. Doch wäre der Kapitalismus eben kein Kapitalismus, wenn ihm ein solches Denken möglich wäre. Hier stimmt tatsächlich der Vorwurf der Gier. Das Kapital denkt nämlich nicht wirklich ökonomisch, sondern eher wie ein Räuber, dem die plötzlich überkommenen ökonomischen Mittel den Verstand rauben.

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