Das Versprechen auf Wohlstand, Glück und Demokratie scheint nicht mehr einlösbar

Das Versprechen auf Wohlstand, Glück und Demokratie scheint nicht mehr einlösbar
Das ist dennoch kein Ökonom, der den Schritt weg wagt vom Mainstream. „Mehr Bildung für die Armen“, dies Konzept leugnet konsequent die Schwächen der aktuellen Ökonomie des Kapitals. Mal gesetzt der Fall, das Ausbildungsangebot wäre ernst gemeint, was machen denn die Leute dann? Wo sind die Arbeitsplätze. Gerade in den USA ist das Fehlen von Massenarbeitsplätzen doch besonders deutlich. Der gesamte US-Konsum wäre nicht möglich, ohne die billigen Arbeitsplätze in China und anderswo. Da den Leuten aber selbst für diese Produkte die Einkommen fehlen, löst man das Problem mit Transferleistungen. Global betrachtet sind diese Transferleistungen genau das Einkommen, was man den Arbeitern in China, Vietnam, Indien… vorenthält. Das heißt, die Transferleistungen speisen sich aus dem Mehrwert der ausgebeuteten Lohnsklaven in der 3. Welt.

Und hier liegt das Strukturproblem. Ein solcher Markt ist längst kein Markt im Sinne seiner Erfinder mehr. Waren werden irgendwo auf der Welt billig produziert, um sie dann aber dennoch nicht an einen potenten Marktteilnehmer verkaufen zu können. Die überausgebeuteten Produzenten der Produkte subventionieren auch den Absatz. Aber nicht an sich selbst, sondern an andere Lohnsklaven auf diesem Planeten. Ökonomisch betrachtet, sind über Transferleistungen finanzierte Waren keine Waren mehr, sondern Geschenke. Geschenke, die der Lohnarbeiter aus der einen Ecke dem Lohnarbeiter in der anderen macht. Den Anschein der Ware erhalten sie eigentlich nur über das Geld. – Geldkapital. Und dieses wächst weiter. Bekommt aber zunehmend Probleme sich zu investieren. Ein Teil des Profits geht natürlich an die lokalen, zumeist korrupten staatlichen Strukturen. Darauf gestützt entsteht dort ein Schattenkapitalismus. Doch so wie beim Drogengeschäft in Afghanistan gehen die hauptsächlichen Profite auch aus solchen Schattenwirtschaften an die, die die reale ökonomische Macht haben, über das Kapital verfügen. Am Opium in Afghanistan verdienen die Warlords, doch am Heroin die US-amerikanische Mafia. Und das ist der größere Brocken.

Transnationale Unternehmen können entscheiden, wohin sie ihre Profite transferieren. Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass auch hier die größten Brocken, nach deren Waschung über die Steuerparadiese, in den USA landen. Dort aber nur bedingt in den produktiven Konsum, da dieser hier zu teuer ist. Das heißt, dass auch dieser Geldkreislauf erneut an der Produktion vorbei geht. Als Investment verpackt geht das nunmehr wieder mal gewaschene Geldkapital erneut auf die Wanderschaft.

Dass die Staaten dabei verarmen, liegt auf der Hand. Und dass die kapitalistischen Kernländer an Glanz verlieren wohl auch. Mit ein Grund dafür, warum in den USA das Mäzenatentum so hoch im Kurs steht. Ohne eine gewisse soziale Infrastruktur kann selbst das Kapital dort nicht existieren, es sei denn, es möchte seine Bankentürme eingemauert sehen. Das heißt, um weiter zu wachsen, also um weiter diesen Planeten ausbeuten zu können, leistet sich das Kapital in seinen Kernländern eine viel zu teure Infrastruktur, gemessen daran, wie unproduktiv das Kapital hier geworden ist.
Auch ein Strukturproblem. Und ein ideologisches Problem. Schlagen sich doch die Parteien des Kapitals ständig dies um die Ohren. Wo die einen die Massen am liebsten aushungern würden, scheinen doch die anderen nicht zu übersehen, dass es dann gefährlich werden könnte. Der soziale Frieden muss – hier – erhalten werden, koste es was es wolle.

Aus kapitalistischer Sicht angehbar (nicht wirklich lösbar!) wären diese Probleme eigentlich nur, wenn auch die Massen aus den Kernländern dem Geldfluss hinterher wanderten. Was zum Teil ja auch schon geschieht. Mal abgesehen davon, dass das auf Dauer eben keine Lösungen schafft, denn auch in der Peripherie geht das Geld eben nicht unbedingt in den produktiven Konsum. Es gibt keinen lokalen produktiven Konsum, der nicht Nebenprodukt des globalen Geldverkehrs geworden wäre. Und dieses Geld sucht sich immer seine beste Anlageform.

Und auch das Legitimationsproblem des Kapitalismus wäre unlösbar. Wie sollte die Überlegenheit des Kapitalismus, seine „Alternativlosigkeit“, belegbar bleiben, wenn ihm die Massen, die Konsumenten, die Lohnarbeiter, davon laufen? Beweist doch die sichtbare Armut dort, eben ob des ebenso sichtbaren Reichtums hier, die Unbesiegbarkeit des Kapitalismus. Verspricht dieser Kapitalismus doch nicht nur ein brauchbares ökonomisches System zu sein, sondern auch für Wohlstand, Glück und Demokratie zu sorgen.
Und wo dies nicht mehr einlösbar wird, da wird’s problematisch.

faz.net/blogs/fazit/archive/2013/02/06/gespraeche-mit-oekonomen-5

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2 Trackbacks

  • Von Androgyn und polymorph am 16. Juli 2013 um 23:07 Uhr veröffentlicht

    [...] verstärkt als solche um die sexuelle. Die Jugend dort fordert ihr Recht-auch und gerade – auf Glück. Doch in dem Moment, wo die kapitalistische Ökonomie das weibliche Geschlecht bevorzugt, aus [...]

  • Von Das Bündnis zwischen Demokratie und Sozialismus herstellen am 29. Dezember 2013 um 13:58 Uhr veröffentlicht

    […] Kräften, was sich sehr deutlich an den NSU-Morden dokumentieren lässt. Das soll den Kampf für Demokratie, um was es in diesem Kampf ja eigentlich geht, ins Lager der Revanchisten lenken. Und darin wird […]

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