Das „Monster“ kann externalisiert werden

Das „Monster“ kann externalisiert werden
Ich neige dazu, Hanna Arendt recht zu geben, und ich ahne auch den Grund für Ihre Ablehnung – von beiden Seiten. Das Monster kann externalisiert werden, der Hans-Wurst nicht, der bleibt in uns. Der Täter als Monster ist dabei noch einfach erklärt: Es erklärt sich allein schon aus Mitscherlichs „Pathologie des Normalen“, demaskiert Mitscherlich darin doch jene „Gnade der späten Geburt“. Es gibt sie nämlich nicht. In dem Moment, wo wir uns dieser Gnade zu versichern suchen, sind wir schon in die Fußstapfen der „historischen“ Täter getreten. Doch auch das Opfer kann nur das Monster überwinden, das ebenfalls entäußerte. Nur mit der Begrifflichkeit „Holocaust“, welcher ja die singuläre Monsterhaftigkeit jenes Ereignisses beinhaltet, lässt sich das eigene Überlebt haben, als nicht erklärbares Ereignis ertragen. Der „Hans-Wurst“ hingegen überlässt den Überlebt habenden einer furchtbaren Einsamkeit, in Schuldgefühlen wie in der Angst vor Wiederholung. Und auch eines Täters wie Opfers Narzissmus schmeichelt es nicht.

faz.net/aktuell/feuilleton/kino/ueber-hannah-arendt-selbst-denken-macht-einsam

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