Die Macht des Bewusstseins

Die Macht des Bewusstseins
Ein wenig fremd – mir -, diese Gesellschaft. Obwohl ich ahne um was oder wen es da geht. Doch man/frau geht seinen/ihren Weg. Und sollte da ein Netzwerk entstehen, dann wäre das eher Zufall. Es gibt da noch den altertümlichen Begriff wie „Freundschaft“. Ist das jetzt dasselbe wie „Netzwerk“? Ich selbst hatte nie viele Freunde, doch unter den wenigen, noch zu viele, die mich zuletzt enttäuschten. Am Ende bleibt Einer, bleiben zwei, drei Freunde. Und in aller Regel die für ein Leben lang. Nun ja, halbes Leben, über mehr kann ich nicht berichten. Solche Erfahrungen prägen. Sie prägten mich. Machten mich anders. Ernster. Härter. Doch auch verständnisvoller. Weicher.

Die Menschen sind wie sie sind. Wie die Umstände sind, würde der Marxist noch hinzufügen. Ändern wir die Umstände, so ändern wir den Menschen. Anders geht es nicht. Zumal das die Menschen selber machen müssen – ihre Umstände ändern. Netzwerke geben ein Gefühl von Ohnmacht, diesen gegenüber. Von etwas, das man nicht ändern kann. Das ist kein gutes Gefühl. Ich schlage daher vor, dass all diejenigen, die das kritisch sehen, solche Netzwerke meiden. Vielleicht trocknen sie dann aus, werden bedeutungslos. Verlieren sich im Nichts, wie eine Laune der Mode.

Doch ich ahne es. Da gehört mehr dazu, als gute Absichten und einen starken Willen. Ein Bewusstsein muss man haben. Hiervon, wie überhaupt. Zu diesem Zweck rede ich immer über Klassenbewusstsein – revolutionäres Bewusstsein.

Freundschaft oder Netzwerk, und die Krise des Kapitals
@Kopfgeburt: Dies Geschmäckle sehe ich auch. Und wohin das Herrschen des Eigennutzes wirklich führt, möchte ich gerade an dem von Ihnen gut beschriebenen Zirkel zwischen Beobachter und Beobachteten demonstrieren, bzw. dann an dem Beispiel, das ich dem anhänge. Schon der gute Hegel hatte da seinen Kampf mit. Aber nur, weil er das Verhältnis auf dem Kopfe stehend zu lösen suchte. Die gesellschaftliche Praxis stellte sich ihm als rein geistige Bewegung dar, als eine Bewegung des Beobachters, als Bewegung des absoluten Geistes, welcher sich immer mehr vervollkommnet. Der deutsche Philister stand da schon Pate! Denn seine Dialektik verbleibt innerhalb einer gewissen Scholastik. Anders, wenn die gesellschaftliche Praxis als eine tätigende verstanden wird. Aus dem Beobachter wird der gesellschaftlich tätige Mensch, das revolutionäre Subjekt, um mit Marx zu reden.

Das Beobachtete – das Ding an sich – wird qua Verwandlung in ein Ding „für sich/für ihn“ kritisch angeeignet. Kritik wird zur Selbstkritik. Keine Überwindung ohne „Affirmation“ (Hegel verwendete diesen Begriff ohne seinen „Zirkel“ zu verlassen, denn dies meinte er immer nur in geistiger Hinsicht). Keine Affirmation ohne Überwindung. Nur ist diese Affirmation eine reflektierend-tätige. Eine, die im Moment der Tat, den Gegenstand der Betrachtung/der Kritik schon verändert. Das Wesen des Gegenstandes kann nur verstanden werden, wenn man es wandelt. Also den Gegenstand aus der Bewegung heraus begreift. Geistig zeigt sich das als Bewegung vom Abstrakten zum Konkreten, wie Hegel und Marx sagen würden.

In diesem Falle könnte das heißen: Überprüfen wir alle unsere eigenen Beziehungen auf ihr Wesen, auf das, was sie womöglich sind oder eben nicht – Freundschaften oder opportunistische Netzwerke. Machen wir sie zu dem, was die gesellschaftliche Bewegung, aus der heraus wir dies und solchermaßen kritisch zu begreifen suchen, uns für notwendig erscheinen lässt. Das wäre nicht nur aus ethischen Gründen angesagt, denn soweit ergäbe das nur eine schwache Bewegung, sondern aus ganz praktisch-politischen Erwägungen heraus.

Schauen wir uns mal die Causa Guttenberg von dieser Warte aus an. Ich glaube in seinem dramatischen Absturz auch ein Versagen seiner Netzwerke zu sehen. All die, die ihm nützlich sein wollten oder sollten (von den wissenschaftlichen Diensten des Bundestages beginnend, über die Medien, die ihn schon fast krönten, bis hin zu seinen Doktorvätern an der Uni, und auch seinen „Parteifreunden“), haben ihm am Ende geschadet. Ich denke, dass er im Moment nicht nur der einsamste Mensch in diesem Land ist (seine Frau wird ihn hoffentlich trösten), sondern vor allem auch das Beispiel, das negative, auf das dieses Land wirklich nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Und das macht die Sache zu einer revolutionären. Besser: zu einer, die eine revolutionäre Bewegung hervor zu bringen vermag. Ich sage das nicht aus Sentimentalität oder falschem revolutionärem Optimismus. Doch versuche ich das Wesen seines Dramas aus der realen Bewegung heraus zu verstehen. Denn so vermeide ich nicht nur, dass meine Kritik eine opportunistische, eine populistisch verlogene, eine selbstgerechte wird, sondern auch, dass sie unfruchtbar bliebe. Die reale Bewegung, das ist die „Krise des Kapitals“, die Krise der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Werte.

faz.net/blogs/ding/archive/2011/05/05/im-glanz-der-anderen-das-netzwerk

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Ein Trackback

  • Von Noch ist es eine philosophische Frage am 31. Oktober 2013 um 14:50 Uhr veröffentlicht

    […] haben wir noch nicht, jedenfalls nicht als politisches Gebilde. Aber sehr wohl als abstraktes, als Bewegung des Kapitals. Und diesbezüglich sind unsere Freiheitsvorstellungen, soweit sie den Horizont dieser […]

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