Sie werden die ganze Macht wie den ganzen Lohn einfordern

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Sie werden die ganze Macht wie den ganzen Lohn einfordern
Nicht die Revolution segnen, sie fortführen, das ist das Gebot der Stunde. Dass die Arbeiter nur für einen Mindestlohn streiken, mag zeigen, wie bescheiden sie sind. Doch zeigt es vor allem, dass der Kapitalismus in Ägypten nicht mehr die Alternative ist. Nicht zum Sozialismus. Denn diese Bescheidenheit mag einem niedrigen politischen Bewusstsein entsprechen, doch ist sie auch Ausdruck eines solidarischen Geistes. Einer Haltung, die nur die einnehmen, denen jedes Profitdenken fehlt, denen im Übrigen jedes Mehr an Eigentum als zum Leben notwendig so fremd ist, wie der gemeinen Kreatur Rachegefühle. Die Arbeiter werden in dem Maße, wie sie sich ihrer eigentlichen Macht bewusst werden, mehr als das Mindeste verlangen. Doch wird dies nie mehr sein, als sie alle zusammen brauchen. Sie werden die ganze Macht wie den ganzen Lohn für ihre Arbeit einfordern. Sie werden von diesem „Lohn“ so viel abzweigen wie sie für die Verwaltung einer solchen Gesellschaft benötigen. Sie werden all diese Verwalter wählen oder delegieren, so wie ihre Richter und ihre Regierung und sie bezahlen wie einen durchschnittlichen Arbeiter. Sie werden die Armee ersetzen und eine Volksarmee aufbauen *. Denn diese brauchen sie noch. So lange das Kapital sie umzingelt.

faz.net/Ägypten: Vorgeschichte und Nachwirkungen, 20.02.2011

* Anmerkung: Marxisten werden diese Ausführungen bekannt sein. So, bzw. so ähnlich, beschrieb Marx die erste kommunistische Arbeitermacht in der Geschichte. Hören wir ihn selber:

Die Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. Ihre Mehrzahl bestand selbstredend aus Arbeitern oder anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse. Die Kommune sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zu gleicher Zeit. Die Polizei, bisher das Werkzeug der Staatsregierung, wurde sofort aller ihrer politischen Eigenschaften entkleidet und in das verantwortliche und jederzeit absetzbare Werkzeug der Kommune verwandelt. Ebenso die Beamten aller andern Verwaltungszweige. Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, mußte der öffentliche Dienst für Arbeiterlohn besorgt werden. Die erworbnen Anrechte und die Repräsentationsgelder der hohen Staatswürdenträger verschwanden mit diesen Würdenträgern selbst. Die öffentlichen Ämter hörten auf, das Privateigentum der Handlanger der Zentralregierung zu sein. Nicht nur die städtische Verwaltung, sondern auch die ganze, bisher durch den Staat ausgeübte Initiative wurde in die Hände der Kommune gelegt.

Das stehende Heer und die Polizei, die Werkzeuge der materiellen Macht der alten Regierung einmal beseitigt, ging die Kommune sofort darauf aus, das geistliche Unterdrückungswerkzeug, die Pfaffenmacht, zu brechen; sie dekretierte die Auflösung und Enteignung aller Kirchen, soweit sie besitzende Körperschaften waren. Die Pfaffen wurden in die Stille des Privatlebens zurückgesandt, um dort, nach dem Bilde ihrer Vorgänger, der Apostel, sich von dem Almosen der Gläubigen zu nähren. Sämtliche Unterrichtsanstalten wurden dem Volk unentgeltlich geöffnet und gleichzeitig von aller Einmischung des Staats und der Kirche gereinigt. Damit war nicht nur die Schulbildung für jedermann zugänglich gemacht, sondern auch die Wissenschaft selbst von den ihr durch das Klassenvorurteil und die Regierungsgewalt auferlegten Fesseln befreit.

Die richterlichen Beamten verloren jene scheinbare Unabhängigkeit, die nur dazu gedient hatte, ihre Unterwürfigkeit unter alle aufeinanderfolgenden Regierungen zu verdecken, deren jeder sie, der Reihe nach, den Eid der Treue geschworen und gebrochen hatten. Wie alle übrigen öffentlichen Diener, sollten sie fernerhin gewählt, verantwortlich und absetzbar sein. (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Adresse des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation, mlwerke.de/me/me17, S. 319, letzter Zugriff: 20.02.2011)

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