Das Kapital gehört an den Pranger

Das Kapital gehört an den Pranger
Die Wahrheit dürfte wohl haarscharf daneben liegen, neben beiden Positionen. Die Position der Minderheit dürfte im Prinzip richtig liegen, doch trägt eine Politik, die die Krise verschleppt und verschlimmbessert hat, die Verantwortung für das ganze Ausmaß des Desasters. Dazu gehört im Übrigen auch die Kriegspolitik der USA, welche ja schließlich auch Ergebnis einer Politik ist, Krisen zu verschleppen. Dass staatsnahe Firmen wie Haliburton, die im Irak Aufträge erhielten, zum Wiederaufbau, bevor dem Irak der Krieg erklärt war, macht deutlich auf welche Weise hier ganze Regierungen Teil eines Kaders von Firmen sein können, bzw. auch wie Banken, Goldman-Sachs u. a., dann eben daraus das perfekte Insidergeschäft entwickeln, was dann die Finanzblase befeuerte. Ein Teil der Billiarden, die da weltweit verschwunden sind, sind halt in den Konten der Bosse dieser Firmen gelandet, bzw. in deren Aktienkapital. Für diesen Teil der Krisen gehören diese Leute vor Gericht und deren Kapital eingezogen, für den Rest – gehört das ganze kapitalistische System an den Pranger gestellt und hoffentlich bald abgewickelt. Man darf gespannt sein, wie das Kapital, das globale Großkapital, sich hierzu verhält, und natürlich: wie die Politik sich da raus mogelt.

Systemische Fallstricke
Dass das Kapital in sein eigenes Kind vertraut – den Markt -, das mag ja gerade noch so als ethisch daherkommen (wenn auch etwas blöde), doch dass der Markt dem Kapital traut, nach all den Krisen nach dem selben Strickmuster, und auch mit ähnlichen Ergebnissen – das Finanzkapital geht jedes mal gestärkt daraus hervor -, hat schon was von Verblendung. Und genau dieser Verblendungszusammenhang zeigt sich in solchen Berichten. Auch die, die den „Markt“ (bloß nicht das Kapital!) dafür verantwortlich machen, also die Republikaner, tun das ja nur in der Absicht, den von den Demokraten Benannten zu anonymisieren. Anonym wie konkret, das bleibt sich gleich, ist es – das Kapital nämlich – eh zu mächtig („systemisch“ unangreifbar – über diesen Begriff müsste man eigentlich viel mehr nachdenken, zeigt er doch die Fallstricke, in die das Kapital die ganze Gesellschaft hinein gewickelt hat!) um dafür vor irgend jemanden gerade stehen zu müssen. Darin dürften sich beide einig sein. Also hofft man mit einem blauen wie mit einem weinenden Auge davon zu kommen – beide. Die Verlierer der Krise sind im Übrigen fast genauso anonym wie die Gewinner, also muss man ja nicht wirklich jemanden um Verzeihung bitten, oder gar entschädigen.

faz.net/Untersuchungsbericht: Die Finanzkrise wäre vermeidbar gewesen, 27.01.2011

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  • Von No Exit! am 28. Januar 2011 um 18:24 Uhr veröffentlicht

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  • Von Permanentes Krisenmanagement am 30. Januar 2011 um 12:57 Uhr veröffentlicht

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  • Von Schlagt endlich Krach! am 7. Februar 2011 um 17:54 Uhr veröffentlicht

    […] Vermeidung des Offenbarungseides, gehört sich nicht, angesichts auch der Milliarden, die den “systemischen” Bankern ohne Bedenken nachgeworfen worden sind. – Und die Abwrackprämie ist auch nicht vergessen. Es […]

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