Eine linke Kritik vergisst die Klassenfront niemals

Eine linke Kritik vergisst die Klassenfront niemals, 1. Teil
An diesem Beitrag habe ich, und das sage ich eben als ein, von Frau Schwarzer unter Generalverdacht gestellter, Linker, absolut nichts auszusetzen, nichts am Inhalt, und auch nicht an der Stoßrichtung contra Erdogan und seinen Mannen (bis auf den Umstand vielleicht, dass es mehr als fragwürdig ist die türkischen Militärs als „Laizisten“ zu beschönigen, denn das übersieht das Komplott zwischen Kemalisten und Islamisten!). Dennoch frage ich mich als eben derselbe Linke, wie kann es kommen, dass ausgerechnet Konservative sich so zu ihr, aber eben nur in diesem Punkt (!) bekennen, wo sie doch im selben Moment nicht zögern würden, sich an dieser dabei zur extremen Show hochgeschraubten Gläubigkeit zu berauschen. Nämlich, wenn sie den Niedergang des Glaubens unter „Autochthonen“ (womit sie nichttürkische/nichtarabische, also „rassisch“ gesonderte Christen meinen) zu beklagen suchen. Das führt uns nicht nur die Doppelzüngigkeit eben jener Konservativen vor Augen, damit könnte ich leben, sondern die eigentliche Gefahr. Das Roll Back des weltweit zu erwachen scheinenden Konservativismus ist eben komplexer als es diese Islamistenschelte uns glauben machen möchte. In Wahrheit sind jene „Autochthonen“ und eben diese gescholtenen „Islamisten“ Verbündete im Geiste.

Eine linke Kritik vergisst die Klassenfront niemals, 2. Teil
Sie greifen die Freiheit, die auch ich meine, nämlich vor allem auch die „der anderen“ (Rosa Luxemburg), wie aufeinander abgestimmt an. Sie nehmen sie in die Zange. Ein Sarrazin, ein Erdogan, oder auch ein Wulff, repräsentieren diese Doppelzüngigkeit von jeweils verschiedenen Interessenlagen aus, dennoch kann man sie allesamt als e i n symptomatisches Indiz für das Wesen all dessen begreifen. Es sind die Konservativen aller Länder die die sog. „Unterschiede“ wieder zur Mode haben werden lassen, die in der Religion, die in der Kultur, und natürlich die in der „Gene“. Diesen Angriff gilt es zurück zu schlagen. Aus einer gewissen Perspektive können die Islamisten selbstverständlich ein Symptom sein, ein zu bekämpfendes, aber als ein solches, kann es nicht für sich alleine begriffen werden, denn der konservative Generalangriff, nämlich der aus dem konterrevolutionären Zentrum heraus, benutzt dieses zugleich als Ablenkung hiervon. Die Gegner, will heißen: die Verlierer darunter, sind nämlich nicht die Demagogen in Ankara oder sonstwo auch immer, denn diese sind (Geschäfts-)Gegner wie –Partner zugleich, sondern die Massen der Ausgebeuteten, die, welche die Solidarität unter sich verlernen sollen. Eine linke Kritik vergisst die Klassenfront niemals.

Ignoranz ist noch lange keine Intelligenz
@Müller/Johnson: Solange die Konservativen „von gestern“ sind, kann die Kritik daran, selbst wenn sie von gestern wäre, nicht überholt sein. Aber Sie meinen das natürlich ganz anders, wenn Sie sagen: „Der bekennende Kommunist war schon immer von gestern.“ Das ist eine interessante Position – „Argument“ wäre wohl übertrieben. Denn damit gestehen Sie, was dem Konservativen schon immer gestunken hat. Denn wer den Klassenkampf so penetrant predigt, wie „dieser Kommunist“, der muss von gestern sein, denn sorgt der doch dafür, dass der Totgeglaubte immer wieder im Leben erscheint. Schon ärgerlich, nicht wahr? Zum „Argument“. Ich habe mich mehrfach mit den Themen, die hierzu relevant sind, sachlich, fachlich und hoch aktuell auseinandergesetzt (Kemalismus, Islamismus, Konservativismus, Rassismus, Feminismus, und auch mit der Art von Kommunismus, auf den Sie hier anspielen/hinter der Mauer), aber außer Beschimpfungen und solchen Statements vernehme ich keine Gegenargumente. Und die behauptete „Intelligenz des Bürgers“ (Johnson) muss auch kein Gegenargument sein, soweit diese nur auf Ignoranz beruht. Und der Fall der Mauer hat „links/rechts“ nicht obsolet werden lassen, sondern nur eine Neujustierung eingefordert, was auch an dieser Debatte deutlich hervortritt.

faz.net/Laudatio auf Necla Kelek: Ein freier Kopf braucht kein Schamtuch, 08.11.2010

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  • Von Wer nichts zu verbergen hat, ist ein Vollidiot am 12. November 2010 um 21:46 Uhr veröffentlicht

    […] während der Kleinbürger sich in seine Schlupfwinkel verzieht, da darf die Revolutionäre Linke an Klarheit nichts mehr zu wünschen übrig lassen, denn auch ihr geht es immer ums Ganze. Die Massen müssen wissen, woran sie sind. Sie dürfen, ja […]

  • Von Die gnadenlosesten Amazonen am 15. November 2010 um 20:59 Uhr veröffentlicht

    […] Affinität zu einem Sarrazin – und sei das auch noch so heftig und klug von ihr bestritten („Eine linke Kritik vergisst die Klassenfront nicht“). Trotz aller Scharfzüngigkeit, die ihr nicht verloren gegangen ist, im Alter muss man die eigenen […]

  • Von Die Befreiung vom kapitalistisch-kemalistischen Joch ist vonnöten am 16. Dezember 2010 um 18:46 Uhr veröffentlicht

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