Stoffwechselprodukt des Kapitalismus

Stoffwechselprodukt des Kapitalismus
Eine schöne, um nicht zu sagen zu schöne Kritik um allein für sich wahr zu sein. Es ist nicht die Herrschaft des Geldes, denn Geld hat keinen Wert ohne Besitz von Kapital, Macht, Vorteile, Privilegien. Man kann sich das wohl beinahe alles für Geld kaufen, aber eben genau solche gekaufte Macht verliert an Wert, nutzt sich ab, sprich: muss ständig erneuert werden. Die kapitalistische Geldgesellschaft aber erneuert sich quasi von selbst, und nur jene Vorteile, also die, die aus dem Besitz von Arbeitskraft (der Verfügung über die Arbeitskraft) kommen, haben Bestand, sind Teil des Systems, machen das System, sind der Grund für all das hier gezeigte (moralische) Elend. Die Ideologie, die sich da so verselbständigt zu haben scheint, dass selbst bloße Hosenträger Tragende sich für „Leistungsträger“ halten mögen, ist quasi sowas wie Äther um eine Gesellschaft, deren solchermaßen absurden Selbstverständnisse ansonsten schnell versiegen würden. Diesen Äther anzugreifen, mag ja ganz witzig sein, aber auch der erneuert sich ständig von selbst, als Abfallprodukt (Stoffwechselprodukt) eben genau einer solchen Gesellschaft.

faz.net/Einkommensfragen:In der Welt der Obertanen, 07.07.2010

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Ein Trackback

  • Von „Beihilfen“, die dem schlechten Gewissen der Sozialbehörden dienen am 28. September 2010 um 21:35 Uhr veröffentlicht

    […] wird man geächtet im eigenen Stand, dem „Mittelstand“. Ich lasse mir lieber vorwerfen eine Neiddebatte gegen die sog. „Leistungsträger“ zu führen als gegen die unteren 20- 30 % unserer Gesellschaft. Ich propagiere Solidarität statt […]

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