Sich nicht sprachlos machen lassen!

Sich nicht sprachlos machen lassen!
„Schliesslich braucht das reiche Alter ein System, das es gesund und am Leben erhält, und kränkliche, oft ausfallende Jungarbeitnehmer sind da dezidiert kontraproduktiv.“ Wunderbar, da sehe ich Sie mal den wunden Punkt getroffen, um nicht zu sagen, eine fast korrekte Klassenanalyse verfasst. Denn, in der Tat, auch ich glaube an die Krämerseele des Kapitals, und dies mehr denn je, je länger ich beobachte, wie dieses Kapital sich überlebt. Es wird langsam peinlich unter dieser Macht zu schmachten.

Wohl gemerkt, ich bin auch Nichtraucher, jedenfalls fast, denn hin und wieder schmauche ich eine fette Havanna. Und ich rauche erheblich weniger, seitdem alle meine Stammkneipen die Raucherzonen dicht gemacht haben. Das mag mir gut tun, aber das ärgert mich trotzdem, denn diese Entscheidung hätte ich gerne selber getroffen. Naja, meine Havannas konnten sie ehe nie leiden, die übrigen Gäste, nicht weil die so stark qualmen (was machte je eine Zigarre gegen 100 Zigaretten?), nein, sondern weil sie nicht begreifen können, wie sich so ein nichtsnutziger kleiner Marxist so was auch noch leisten kann. Passt nicht so richtig in deren Klassenstandpunkt (=Klassendünkel).

Und Deutschland ist da nicht nur Meister drin, mit dem Kurzhalten (wir erleben gerade wie auf die letzte Sause nun der Sparmeister das Regime übernimmt), sondern eben auch im Gängeln der grundsätzlich Anderen. Man versteht wunderbar das Eine mit dem Anderen zu verbinden – das krämerische Gegängel mit dem Knüppeln. Daher wundert es nicht, dass ausgerechnet das ansonsten für konservativ-anarchistisch gehaltene Bayern (ein Oskar Maria Graf konnte sich vielleicht noch hinter seinen „bayrischen Dekamerons“ verstecken, während in Berlin zur gleichen Zeit die linke Bohème schon völlig ausgerottet war, wenn auch er dann doch das Land der Bayern den Nazis überlassen musste) in dieser Frage so geschlossen stimmt. Knüppeln, das kennen wir von den bayrischen Polizisten, wenn diese gegen hessische Revoluzzer eingesetzt werden, und Krämer sind se halt schon immer gewesen, diese Hinterwäldler, südlich des Mains.

Und zum Thema rauchendes Alter, bzw. wie da die Generationen mit einander umgehen: Habe da kürzlich erleben dürfen, wie mich da eine kleine Clique halbstarker Mädels doch tatsächlich um eine Zigarette anbettelte, auf offener Straße und gerade so, als wären wir schon immer Nachbarn gewesen. Ich war so perplex, dass ich darauf antwortete, dass es mir leid täte, um ihre jugendliche Haut, die so schnell altert, durch das Rauchen, dass sie all zu früh aus dem Bukett interessanter (vielleicht auch verfügbarer) junger Frauen fielen, zum Nachteil der Männer eben; ich ihnen also keine Zigarette gäbe, selbst wenn ich eine hätte. Die waren so platt, ich denke, die sprechen nie wieder einen fremden Mann an, jedenfalls nicht wegen Zigaretten.
Was ich damit sagen will, ist, dass wir uns nicht so sprachlos machen lassen sollen, dass wir für alles ein Gesetz brauchen, mal davon abgesehen, dass das immer nur den Falschen nützt.

Wie die Resi dem Knecht in die Pfeife pieselt
@BertoldIV: Danke für die Info. Ich bin auch Graf-Fan. Habe da vor Jahren eine wunderbare Gesamtausgabe über die Büchergilde bezogen. Graf ist neben Jack London und vielleicht noch Hemingway einer der wenigen, dessen Bücher ich komplett gelesen habe, soweit sie mir zur Verfügung stehen. Ein herrliches Buch ist auch „ Das Leben meiner Mutter“ (in Anlehnung vielleicht an Maxim Gorkis „Die Mutter“, aber ganz anders); und sein Aufruf „Verbrennt mich“ bleibt unvergessen. Köstlich die Szene mit der stinkenden Pfeife, wenn wir schon beim Thema sind, wo seine Mutter, die Resi, während der Vesper auf dem Feld, dem Knecht in seine unerträglich stinkende Pfeife gepieselt hat. Ja, ja, die Bayern haben da noch ganz anderes drauf, wenn´s gegen das Rauchen geht. – Gesetzgeber! Zum Totlachen (Sorry, HansMeier555, kann Ihnen trotz des guten Vortrags da leider nicht folgen, außerdem glaube ich nicht an die suchtfreie Gesellschaft, nicht in der Klassengesellschaft jedenfalls.)

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/07/07/nikotin-cholesterin-verbote-und-andere-drogen-in-guter-gesellschaft

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