Die, die das System beherrschen

Die, die das System beherrschen
Ab wann ist das System schuld? Wenn alle Priester des sexuellen Missbrauchs überführt sind, gar? „Einzelfälle“? Das ist genau die Art von Verteidigung, die eben diesen Missbrauch begünstigt. Denn so wird man diesem Massenphänomen nicht Herr, was genau der Schutz ist, den Pädophile brauchen, denn als Einzelfälle sind sie nicht zu schaffen. Denn selbst das Beichtgeheimnis ist kein besserer Schutz für Kriminelle als eben eine solche „verschworene Gemeinschaft“, die das System beherrscht. Es häufen sich nämlich solche Vorwürfe, gerade um die Jesuiten. Ich verweise hier erneut auf das skandalöse Treiben um das CIA-Projekt „Mind-Control“ (vgl. „Ein Protektorat, niemals wirklich frei“), in dem eben auch wieder Jesuiten verstrickt waren (oder gar noch sind?!). Und der Seitenhieb auf eine entsprechende Pädophilengruppe innerhalb der Grünen, ist wirklich unlauter, denn solches hört man von dort nicht! Wäre dem nämlich so, wäre die Partei der Grünen längst zerschlagen.

Systemvergleiche
@Haupts/Lobeck: In der Tat, wenn Marxisten das System beherrschen, ist das System schuld. Das bekenne ich als Marxist. Das bedeutet aber nicht, dass der Marxismus obsolet ist (ist es etwa die Religion/Kirche – hier unterscheide ich nicht zwischen Religion und Kirche?), sondern im System des Marxismus einiges nicht stimmt(e). Aus meiner Sicht ist der Marxismus eine selbstkritische Bewegung, und soweit er das ist, bleibt oder wieder wird, kann er sich – so oft es nötig ist – von innen heraus erneuern. Und wenn die Kirche eine ebenso selbstkritische Bewegung wäre, dann könnte sie sich auch von innen heraus erneuern (jetzt unterscheide ich zwischen Kirche und Religion, denn die Religion, der Glaube an und für sich, ist daran unschuldig). In Bezug auf die Kirche sehe ich bisher allerdings nur die gegenteilige Entwicklung, und dies ganz besonders im Kontext des Glaubens der Kirche über den Marxismus gesiegt zu haben. Denn auch abgesehen davon, dass das eine völlige Fehleinschätzung wäre, stehe ich zum Beispiel (und ich denke, ich stehe da nicht alleine) für einen Marxismus, der sich erneuert. Die Systeme werden verglichen, immer wieder, wie auch jetzt, und hierbei werden wir noch sehen, welches irreversibel in Schuld verstrickt bleibt.

Patriarchalisches Erziehungsritual
Die Lustfeindlichkeit in der katholischen Kirche, siehe auch die Hinweise von verschiedenen Kommentatoren auf Augustinus und Aquin, ist nur vordergründig, denn recht eigentlich verweist diese wiederum auf eine patriarchalisch geprägte Erziehungsethik, im Kontext einer persönlichen Abhängigkeit im streng-hierarchischen System. Auch der sexuelle Missbrauch in Familien folgt diesem Muster. Es wundert daher nicht, dass der Kindesmissbrauch gerade in fundamentalistisch gesinnten katholischen oder protestantischen Kreisen so floriert. Es klingt zynisch, doch folgt der Missbrauch oft den dort üblichen strengen Erziehungsritualen, denn ist er doch ihr perversester Ausdruck. In den 60ern und 70ern kamen entsprechende Skandale um die zumeist von den Kirchen verwalteten Kinderheimen hoch, und in Folge dessen erlebten wir in Deutschland eine beispiellose Diaspora von Heimflüchtlingen. Viele landeten dann auf der Straße, und dort, ob ihrer einschlägigen Erfahrung, auf dem Strich. Dafür trägt das patriarchalische Erziehungssystem im Ganzen, also nicht nur das „System Kirche“, die Verantwortung. Nur die Kirchen, wie es scheint, haben daraus nichts gelernt, und wie ich hier gerade bemerke, auch ein nicht unwesentlicher Teil der Gesellschaft.

faz.net/Missbrauch am Canisius-Kolleg:Schuld ist nicht „das System“, von Martin Lohmann, 05.02.2010

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  • Von Die Achillesferse des Patriarchats am 9. Juli 2010 um 20:15 Uhr veröffentlicht

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