Schon mehr Theorie als Mythos

Schon mehr Theorie als Mythos
„Als Gutenberg die Druckkunst erfand, wurde Mitteleuropa überschwemmt mit Pamphleten. Sie waren meist religiösen Inhalts oder es ging um die Aufhetzung zum Bürgerkrieg. Das waren hochideologische, irrtumbehaftete Massen von Buchstaben.“ So allgemein gegen den „Bürgerkrieg“ zu hetzen, ist nicht weniger ideologisch, Herr Kluge! Der Deutschen Bauernkrieg war als Religion verkleidet, infolge der Semantik des christlichen Mittelalters. Das war die Form der Zeit, nicht mehr ihr Inhalt, denn dieser war längst sozial bestimmt. Ideologisch? Ja!, doch deswegen nicht per se „irrtumbehaftet“. Ein wenig weniger Arroganz, Herrn Kluge, und Ihre Sprachgewandtheit würde sie nicht blamieren. Die damaligen Massen hatten noch den Mut ihre Anliegen nun als ihre eigene Sache und in eigener Sprache vorzubringen. Dadurch wurde nicht nur das Primat der Theologie – das religiöse Sektierertum – überwunden, sondern endlich tapfere Philosophie betrieben – nach 1000 Jahren Scholastik. Kant-Hegel-Marx, Triade, revolutionäre Vernunft, wie revolutionäre Kritik, Negation der von den geschlagenen Massen negierten lutherischen Bibel, von Luther auch zu Marx, zunächst noch als Fetisch, wie einst das „Palladion“ des Trojaners Aeneas, doch schon mehr Theorie als Mythos.

faz.net/Wie hat das Internet Ihr Denken verändert? – Alexander Kluge: Gärten anlegen im Daten-Tsunami, 14.01.2010

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5 Trackbacks

  • Von Schöpfer und Massen am 18. Januar 2010 um 21:31 Uhr veröffentlicht

    […] @Zentner: Zeigen Sie mir bitte auch nur eine einzige Stelle, wo ich „Sprechblasen der Herren Marx, Engels, Lenin und Stalin ungeniert als (meine) eigenen aus(ge)geben“ hätte! Und wenn das alles […]

  • Von Die Negation der Negation, in der Kultur liegt sie nicht, noch nicht! am 18. Januar 2010 um 22:17 Uhr veröffentlicht

    […] Werkzeug, die Verführten-Verführer, die Eingeweihten dessen, der da „alles negiert“. Die „Negation der Negation“ – in der Kultur liegt sie nicht, noch […]

  • Von Ein bisschen Glück gehabt und noch mehr Schwein am 19. Januar 2010 um 14:14 Uhr veröffentlicht

    […] keiner mehr des Okzidents, sondern schon vor seinem Tod Erbe des Orients, denn erst eines Gutenbergs Buchdruck schuf die Moderne und damit jenen bis heute nicht mehr eingeholten Vorsprung des Westens, […]

  • Von Anti-Marx am 16. Juli 2010 um 20:46 Uhr veröffentlicht

    […] bis dato noch unter der Schwere der danteschen Höllen schmachtenden Armen. Und die Schwere eines Kant wäre ohne die Leichtigkeit eines Voltaire nicht nur unerträglich, sondern womöglich gar gegen […]

  • Von Was werde ich morgen noch sein? am 11. Dezember 2011 um 15:57 Uhr veröffentlicht

    […] was er so natürlich nicht sagte, denn Kant bildet eine seiner philosophischen Matrizen, vgl. auch: „Schon mehr Theorie als Mythos“), wie jeder anderer, der da im Angesicht der Beschleunigung des proletarischen Elends im […]

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