Liberal-Konservativ heißt das Monster

Liberal-Konservativ heißt das Monster
Die Paranoia ist das Krebsgeschwür – soweit kämen wir vielleicht zusammen, aber es ist noch schlimmer: Das „Krebsgeschwür“ ist eine Paranoia und zwar all derjenigen (unter den Linken), die da glauben, dass das genügt, anzunehmen, dass der Kapitalismus an irgendetwas zugrunde geht, ohne dafür ihre eigene Positionen opfern zu müssen. Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass das Kapital durch ein reformistisches Orakel zugrunde geht. Der Kapitalismus hat doch vor allem deshalb so gut überlebt, weil es ihm bisher immer wieder gelungen ist, solche Philosophen/Literaten/Journalisten zu rekrutieren, die uns die Machinationen bürgerlicher Machtpolitik als revolutionäre Strategie und Taktik untergejubelt haben. Und ausgerechnet auf einen Lenin – dem Meister in der revolutionären Taktik – soll sich hier auch noch berufen worden sein?! Lesen Sie Lenins „Zwei Taktiken“ (Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution, Werke Band 9, vgl. auch Stalins Zusammenfassung, als einzig wirklich authentische) – alle zusammen – , und vielleicht kommen Sie dahinter, wie eine revolutionäre Bewegung in Gang gesetzt werden kann, wie Massen „abgeholt werden“, dort wo sie wirklich sich befinden, ohne ihnen billig geschmeichelt, oder gar Unwahrheiten angeboten, bzw. sie in populistischen Parolen ersäuft zu haben! Das setzt aber voraus, dass Sie diese revolutionäre Bewegung (der Massen) wollen und nicht fürchten.
Eine wichtige Tagesforderung in der gegenwärtigen Krise könnte bald lauten: Brot und Arbeit (in unmittelbar vorrevolutionären Zeiten können solche Forderungen revolutionär wirken). Aber die Beispiele bei Opel, Schaeffler etc. machen deutlich, dass der Klassenfrieden das Brot vergiftet und die Arbeit zur Zumutung werden lässt. Protektionismus in der bürgerlichen Klasse bedingen den Chauvinismus in der arbeitenden. Und genau dies sind die Vorboten für einen Krieg. Eben deshalb werden ganz massiv die bürgerlichen Rechte abgebaut, denn nur ein unfreies Volk ist wirklich kriegstauglich. Das wissen wir aus den Erfahrungen in den USA vor und während des 2. Weltkrieges. Denn bis dahin war es noch weitgehend ein freies Volk (mal abgesehen von der Arbeiterklasse). Die Deutschen sind das schon lange nicht mehr – wenn sie es je waren – ein freies Volk, aber ein pazifistisches, seit dem Ende ihres 1000-jährigen Reichs.
Also wird massiv aufgerüstet an der ideologischen Front. Neuer Deutscher Patriotismus ist die gemeinsame Formel von Konservativen wie Liberalen, von linken wie rechten Sozialdemokraten, einschließlich der gesamten Schickeria. Patriotismus ist im Kern eine konservative Angelegenheit, aber zunehmend auch eine liberale, wie eine sozialdemokratische. Ja zur letzteren wird sie regelmäßig in Vorkriegszeiten!
Unter solchen Bedingungen davon zu reden, dass die Konservativen im Rückzug sind, ist genauso absurd wie die Behauptung, dass die Liberalen das in Wirklichkeit seien. Sie sind beide im Vormarsch, aber eben nicht mehr als Konservative oder Liberale! Der gemeinsame Feind lautet daher: Liberal-Konservative. In Hessen (wie in Bayern) wird das gerade vorgemacht!
Und Apropos vormachen: die Grünen sind so liberal-konservativ wie „Die Linke“ sozialdemokratisch. Es gibt im Moment überhaupt keinen Grund sich auf das eine wie auf das andere Lager zu kaprizieren, sondern viel mehr jeden Grund das eigene Lager zu formieren: ein wahrhaft linkes, ein revolutionär linkes.
Die Mindestpositionen für ein solches könnten da lauten:
Kampf dem Sozialpatriotismus wie dem Protektionismus!
Keinen Burgfrieden in der Krise!
Klassensolidarität statt Konjunkturpakete!
Enteignung Ja! Verstaatlichung Nein! – Revolutionäre Betriebsbesetzungen! – Sozialismus!
Keinen Militarismus und keinen Polizeistaat – Deutsche Armeen raus aus allen Kriegsgebieten!
Solidarität mit den arbeitenden Massen statt „Friedensmissionen“!
Nieder mit der Diktatur der 2/3! Wahlboykott!
„Linke“ raus aus den Regierungsbeteiligungen! (Diese Forderung ist auch wichtig, um die Revolutionäre Linke von dieser linken „Linke“ zu trennen.)
Werden solche Positionen konsequent und unbeirrt in den Bewegungen der Massen formuliert, werden sie Früchte tragen!
Der Krisen-„Sozialismus“ der herrschenden Klasse wird sein Übriges zu tun.

Also „Linke“ rein in die Regierungen!?
@pjk: „Was die Linkspartei in der Kommunalpolitik dann tatsächlich macht, das steht allerdings auf einem anderen Blatt, und das ist mancherorts in der Tat kein Ruhmesblatt…“ Da ich dem nicht widerspreche, kann ich Ihnen auch in anderer Hinsicht nur Recht geben, und das war wirklich etwas zu kurz gedacht, von mir: Also Linke rein in die Regierungen, denn umso schneller sind sie erledigt – als „Linke“. Jetzt sagen Sie mir bloß nicht, dass Ihnen das auch nicht passt!? Aber Sie hätten ja recht, denn eine Linke soll sich ja nicht desavouieren im Parlament, sondern soll dieses nutzen, als Tribüne des Klassenkampfes (Marx/Bebel/Lenin), soll die Parteien der Herrschenden desavouieren. Aber leider kann ich die Linke dazu nicht bewegen. Hessen war doch ein Beispiel dafür, wie schnell man sich blamiert, obwohl man es noch nicht einmal in die Regierung geschafft hat. Was mache ich also?
M.fr. Gr.
P.S.
Das Andere – klasse! Stimme Ihnen in jedem Wort zu. Damit wird der Zerfall der Herrschenden Klasse auch zu einem Problem für die beherrschten Klassen! Allerdings, und hier führe ich Marx/Engels – Kommunistisches Manifest an: Alle Klassen gehen unter – im Proletariat. Und wie es scheint sogar größere Teile aus den Herrschenden Klassen (und das Proletariat sogar selber – paradoxe Welt). Dass sich der Endkampf zwischen diesen beiden Klassen dann so darstellt, dass vielleicht der gewinnt, der nicht so schnell zerfällt, wäre doch eine echte Neuerung. Und die Tatsache, dass alle Klassen untergehen im Proletariat, erhöht doch die Chancen, der Bourgeoisie immer eine Nasenlänge voraus zu sein – in dieser Hinsicht wenigstens. Und dass sich der Klassenkampf als Kampf gegen eine bürgerliche Bürokratie darstellt, hat auch Vorteile, dann hätten wir auch die mögliche, zukünftig mögliche, sozialistische Bürokratie – die es ja geben soll – gleich mit am Wickel (den „realen Sozialismus“ müssten wir dann nicht unbedingt wiederholen). Der Kampf gegen die Bürokratie ist als Kampf für Demokratie zu begreifen und dieser könnte größere Teile des Volkes umfassen, als zum Beispiel ein Kampf für den Sozialismus. Und, und auch hier spreche ich mit Marx, wenn ich sage, da der Kampf für den Sozialismus ohne Kampf für die Demokratie nicht möglich ist (auch wenn klar ist, dass ein Letzterer Elemente enthält, die sich mit dem Sozialismus nicht decken, insoweit nämlich der Sozialismus die Aufhebung der Klassengesellschaft vorzubereiten hat, und „Demokratie“ letztlich immer noch bürgerliche Demokratie – also die Klassengesellschaft – meint), hätten wir schon die große Linie/Bündnislinie – wenn auch sehr paradoxe – für ein solches Gefecht: Der Sozialismus in dieser Form, wird zur Angelegenheit fast des ganzen Volkes.

faz.net/blogs/2009/05/13/neocons-als-aperitif-stamokap-zum-dessert-ein-abendessen-mit-robert-misik

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2 Trackbacks

  • Von Wenn dann die Abrechnung kommt, die letzte womöglich am 19. Dezember 2009 um 17:45 Uhr veröffentlicht

    […] Problem, das nicht erst Trotzki erkannt hat, sondern längst vor ihm Lenin schon. Seine Antwort war „Zwei Taktiken“ . Eine kleinbürgerlich-demokratische Revolution, geführt durch eine schmale Schicht der […]

  • Von Ein einziges Schlupfloch am 12. Januar 2010 um 19:29 Uhr veröffentlicht

    […] ist als Schlupfloch gedacht, als Kampfansage an die deutschen Gewerkschaften. Nun gilt es das liberal-konservative-sozialdemokratische Gesicht zu wahren und Schlecker als Ausreißer zu denunzieren. Denn auch die […]

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